Österreichischer Ex-General: Ukraine-Krise wird durch die Medien einseitig hochgespielt

Friedrich Hessel, General in Rente und von 2000 bis 2002 stellvertretender Generalstabschef des österreichischen Bundesheeres, unterstützt den Appell der 100 Ex-NVA-Generäle. Auch wendet er sich gegen die "lächerliche Kriegsrhetorik" von Politik und Medien.

Von Marco Maier

In einem Interview mit der "jungen Welt" solidarisiert sich General i. R. Friedrich Hessel mit den 100 ehemaligen NVA-Generälen, die sich erst kürzlich anlässlich der Ukraine-Krise mit einem Friedensappell an die Öffentlichkeit wandten. Für ihn ist die aktuelle Entwicklung der Hauptgrund, weshalb er diesen Aufruf auch unterstützt.

Auf die Frage, wie real er die Gefahr sehen würde, dass sich aus der Ukraine-Krise ein Krieg entwickeln würde, antwortete er: "Die Ukraine-Krise wird in meinen Augen durch die Medien sehr einseitig hochgespielt, nach dem Motto: Der Westen ist gut, Russland ist böse. Mittlerweile erleben wir eine geradezu lächerliche Kriegsrhetorik. Die baltischen Staaten, in denen bis zu ein Viertel der Bevölkerung russisch ist, haben plötzlich Angst vor den Russen und wollen mehr Panzer haben, damit sie nicht plötzlich überfallen werden. Mehr als einige zusätzliche Panzer sind doch ohnedies nicht drin! Das Geld sollte viel zielführender für die Integration der Jugendlichen ausgeben werden, insbesondere der russischen, damit sich ein besseres gegenseitiges Verständnis entwickelt."

Weiters sieht er deutliche Unterschiede in der Russland-Berichterstattung hinsichtlich der deutschen und der österreichischen Medienlandschaft, zumal die Medien in der Alpenrepublik tendenziell nicht so sehr antirussisch und pro-NATO agieren, sondern – ähnlich wie die Wiener Politik – die Situation durchaus differenzierter betrachten.

Im Friedensappell selbst kritisieren die ehemaligen Generäle der Nationalen Volksarmee der DDR vor allem die einseitige mediale Berichterstattung bezüglich Russland und der Ukraine-Krise, sowie den politischen Aktionismus auf NATO-Linie. So heißt es darin unter anderem: "Um die Öffentlichkeit in diesem Sinne zu beeinflussen, findet eine beispiellose Medienkampagne statt, in der unverbesserliche Politiker und korrumpierte Journalisten die Kriegstrommeln rühren. In dieser aufgeheizten Atmosphäre sollte die Bundesrepublik Deutschland eine den Frieden fördernde Rolle spielen. Das gebieten sowohl ihre geopolitische Lage als auch die geschichtlichen Erfahrungen Deutschlands und die objektiven Interessen seiner Menschen. Dem widersprechen die Forderungen des Bundespräsidenten nach mehr militärischer Verantwortung und die in den Medien geschürte Kriegshysterie und Russenphobie."

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Auch wenn man den NVA-Generälen aufgrund ihrer Vergangenheit sicher eine gewisse politische Voreingenommenheit konstatieren kann, so zeigt doch vor allem die Unterstützung aus Österreich, dass dies ein Thema ist, welches in breiteren Kreisen Unterstützung findet. Vor allem auch deshalb, weil sich hier ehemalige Militärs zusammentun, die wohl fast ihr ganzes Leben dem "Kriegshandwerk" widmeten und gerade dadurch um die Gefahren wissen.

Das ganze jW-Interview finden Sie hier.

Den Wortlaut des Friedensappells finden Sie hier.

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2 Kommentare

  1. Man lese nur den Dummfug den der Mann da im ersten Absicht erzählt.

     

    "Plötzlich" haben die 3 Balten Angst vor den Russen in ihren Ländern? Ne, die haben sie seit der ersten "Befreiung" 1940 und dann 44/45 ff. Die Russen wurden da gezielt als ethnische Kolonisatoren angesiedelt und als Fremdherrscher. Sie sind total fremd in den Ländern geblieben und integrieren sich nicht, während der General jetzt verklausiliert Willkommenskultur fordert, wo endlich absiedeln nach Rußland angesagt wäre, seit 25 Jahren (schon vergessen wie der KGB gegen die Balten vorging, als es 1990 um deren Unabhängigkeit ging?).

    Serbien hat auf diese Weise das Kosovo verloren, durch Einwanderung und Geburten. Die kleinen Balten wollen sicherlich nicht 1/4 ihrer winzigen Länder verlieren, wenn 1/4 der Einwohner zu Rußland geht. Und jetzt nicht mit der Ostukraine ankommen, ethnisch alt-russisches Land und ethnisch alt-baltisches Land sind verschiedene Baustellen, auch wenn das Baltikum lange von den Zaren erobert war, so war es doch nicht russifiziert, das hat erst Stalin so richtig versucht.

    Und dann soll ganz sozialistisch der Staat die Steuergelder verbrennen, um den Russen, die kaum einen Beitrag zu besagten Steuern leisten, zu fördern. Klingt wie die Bereicehrung in der BRD und ihre Lobby. Hallo? Gehts noch? Die Balten sind wirtschaftlich auch ein Desaster und deren Kinder wandern massenhaft aus, um in der Fremde zu arbeiten, aber das Geld soll den Nachfahren der Mörder, Vertreiber, Unterdrücker in den Rachen gestopft werden, wenn die nicht sogar noch leben.

     

    Vielvölkerstaaten = nix gut, daher geht die BRD ja auch glorreichen Zeiten entgegen, mit ihren 10 Millionen Fachkräften, aus 190 Staaten im Land. Aber das alles muß ein Österreicher nicht wissen und ein Ex-General (Systemling) ganz besonders nicht.

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