Nächstenliebe? Flüchtlinge in den reichen Ölstaaten unerwünscht

Schon im Herbst letzten Jahres beklagte sich Amnesty International über die mangelnde Bereitschaft der reichen Ölstaaten, überhaupt Flüchtlinge aus Syrien und anderen Kriegs- und Krisengebieten aufzunehmen. Diese jedoch fürchten sich vor importierten Terroristen und Unruhen in der eigenen Bevölkerung, weswegen sie ihre Grenzen abschotten.

Von Marco Maier

Unzählige Syrer sind seit Jahren auf der Flucht. Aufnahme haben sie – verständlicherweise – vor allem in den Nachbarländern gefunden. Allein im Libanon befinden sich über 1,3 Millionen Syrer, die vor dem Krieg in der Heimat geflohen sind. Doch das kleine Land ist mit dieser Menschenmasse schier überfordert. Die Versorgung dieser Menschen ist ohne massive Hilfe aus dem Ausland nicht zu bewerkstelligen. Hinzu kommt der Umstand, dass sich einige der Flüchtlinge vom "Islamischen Staat" anwerben ließen und an Terrorakten beteiligt waren.

Auch in der Türkei (ca. 1,1 Millionen Syrer) und in Jordanien (ca. 700.000 Syrer) haben viele Menschen Aufnahme gefunden. Die Wahl der direkten Nachbarländer (bis auf den vom "Islamischen Staat" ebenfalls teilkontrollierten Irak) als erste Anlaufstelle ist verständlich. Der überwiegende Großteil der Menschen möchte wenn möglich wieder in die Heimat zurück, sobald die Lage es erlaubt.

Allerdings gibt es nicht wenige Menschen, die auch den beschwerlichen und oftmals nicht ungefährlichen Weg nach Europa einschlagen wollen, weil die Zustände in den oftmals völlig überfüllten Flüchtlingslagern desaströs ist. Vor allem die NATO-Staaten Europas haben einen nicht unerheblichen Anteil am Desaster in Syrien – haben sie doch den Amerikanern geholfen, den Irak völlig zu destabilisieren und die Ausbreitung des "Islamischen Staates" erst zu ermöglichen. Insofern wäre es nur recht und billig, wenn diese Länder auch einen großen Teil der Versorgung der Flüchtlinge übernehmen.

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Doch da gibt es auch noch die arabischen Ölstaaten. Vor allem Saudi Arabien, Kuwait und Katar gelten als wichtige Mitspieler des Syrien-Konflikts und Unterstützer diverser (islamistischer) Rebellengruppen. Allerdings verweigern diese die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien. Sie sind Brandstifter in dem Land, interessieren sich jedoch (wie auch die USA als hauptsächliche Mitverursacher) nicht für die humanitären Folgen. Aber Kritik aus dem Libanon oder aus Jordanien erwartet man vergebens. Diese Länder sind finanziell von den Ölstaaten einfach zu abhängig. Dafür versucht die Menschenrechtsorganisation Amnesty International auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Es sei "beschämend", hieß es vor wenigen Monaten in einer Stellungnahme, die "klägliche Zahl an Aufnahmeplätzen" für syrische Flüchtlinge sei schockierend. Auch die Vereinten Nationen übten heftige Kritik am Gebaren der arabischen Ölstaaten gegenüber den syrischen Flüchtlingen.

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Grund für diese massive Abschottung ist jedoch vor allem die Furcht der nicht Herrscherdynastien vor potentiellen Unruhen im Land. Dabei widersprechen sie allerdings ihren eigenen stets hochgehaltenen islamischen Werten. Denn wenn gerade jene muslimischen Länder, die als besonders strenggläubig gelten, keine Barmherzigkeit gegenüber Flüchtlingen zeigen, agieren sie gegen den Spruch ihres Propheten Mohammed, der laut Islamweb sagte: "Den Barmherzigen erbarmt sich der Allerbarmer. Erbarmt euch denen auf der Erde, dann erbarmt sich euch Der im Himmel!" Barmherzigkeit gegenüber den – zumeist ebenfalls muslimischen – Flüchtlingen wird nicht gewährt. Schlussendlich ist den Herrschern der Ölstaaten das irdische Leben wohl doch wichtiger als jenes danach.

Dabei wäre es für die Syrer in Ländern mit ähnlicher Kultur und mit der gleichen Sprache deutlich einfacher, sich für die Zeit der Flucht dort aufzuhalten. Auch die Integration in die Gesellschaft wäre dort für jene die bleiben möchten absolut kein Problem, während die Flüchtlinge in Europa vor sprachliche und kulturelle Hürden gestellt werden. Es ist ein trauriges Spiel, welches dort am Arabischen Golf gespielt wird.

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5 Kommentare

  1. Gestern las ich irgendwo, dass die reichen arabischen Golfdikaturen Kinder in armen Ländern aufkaufen als  Sklaven usw., solchen Verhältnissen würde ich auch keine armen Flüchtlinge anvertrauen. Die USA sind auch kein Maßstab, die treten mit ihren Luftangriffen auf die Infrastruktur der armen (nicht nur arabischen) Länder den Flüchtlingsstrom los und lenken ihn nach Europa, weil sie das destabilisieren wollen.

  2. Diese Flüchtlinge müssen unbedingt in ihren eigenen Kulturkreisen, sprich in islamischen

    Ländern bleiben. Wir kommen hier bei uns mit Muslimen nicht klar Sie wollen den Westen

    erobern. Und wenn sie in der Mehrzahl sind kommt es zu noch größerer Kriminalität

    als jetzt schon.

    Außerdem ist Deutschland eines der dicht besiedelsten Länder dieser Erde, 234 Menschen

    pro qkm. Dasist viel zu viel, Afrika ist größer und stellenweise fruchtbarer. Saudi Arabien

    ebenfalls und viel reicher, Katar ist das reichste Land dieser Erde.

    Wir hier können nicht alle armen dieser Welt ernähren. Und wir können nicht alle kriegerischen Nationen hier aufnehmen.

    Dann gibt es hier bald Krieg.

    Jeder Mensch sollte in seinem eigenen Kulturkreis bleiben.

    Peace!!!

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  3. "Hinzu kommt der Umstand, dass sich einige der Flüchtlinge vom "Islamischen Staat" anwerben ließen und an Terrorakten beteiligt waren. "

    Wird mal eben nebenbei in einem Satz erwähnt, könnte hier genauso passieren…

     

  4. "Vor allem die NATO-Staaten Europas haben einen nicht unerheblichen Anteil am Desaster in Syrien – haben sie doch den Amerikanern geholfen, den Irak völlig zu destabilisieren und die Ausbreitung des "Islamischen Staates" erst zu ermöglichen. Insofern wäre es nur recht und billig, wenn diese Länder auch einen großen Teil der Versorgung der Flüchtlinge übernehmen. "

    Ach ja, das ist wohl EINDEUTIG in Richtung der USA zu addressieren!  Nicht nur im Irak, auch in Lybien haben sie chaotische Zustände verursacht. Viele "Flüchtlinge" oder Migranten aus den Schlepperbooten mit Ursprung Lybien, sind ehemalige Ölarbeiter aus Nigeria, die in Ghaddafis Staat als Gastarbeiter angeheuert wurden. Jetzt stranden sie bei uns, teilweise werden sie sogar von der italienische Mafia als "Mann fürs Grobe" rekrutiert.  Die echten Kriegsflüchtlinge aus Syrien werden wohl weniger IS-Terroristen sein. Die Unterstützer des wahabitischen "Kalifats" hocken wohl in Arabien, daher würde ich als Syrer da wohl auch keine Aufnahme suchen. Man muss dem IS-Terror endlich ein Ende setzen und Syrien als Spielfeld und Kampfbasis für deren Überfälle auf die Öl-Territorien im Irak aus der Gleichung nehmen. Wer kauft eigentlich dieses Öl? China? Wenn da nicht mancher Ölstaat wie bei den Golf-Piraten seine Finger mit im Verschiebe-Geschäft hat! In Amerika versucht man langsam, den "Islam-Faktor" aus dem Ölbusiness herauszunehmen: Fracking o.ä. Merkwürdigkeiten helfen da aber nicht. Da sollen sie lieber Flüchtlinge aufnehmen oder den Mist wegschaufeln, den sie im Nahern Osten angerichtet haben.

     

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