Die Band "Lichtscheu" auf der Bühne. Foto: © Natalie Loos, Credits im Artikel.

Als undurchschnittlicher Durchschnittsbürger besucht meine Wenigkeit ungern größere, aber dafür lieber kleinere Konzerte in familiärer Atmosphäre, fernab vom Gedränge und der Rücksichtslosigkeit von großen Partys. Zudem sind die dort auftretenden Bands nicht vom Vertrag geplagt, diesen auch erfüllen zu müssen. Nein, es sind Bands, denen man den Spaß an ihrer "Arbeit" als Hobby anmerkt, bei jedem Auftritt.

Von Marcel Grasnick

Ein Abend in 3 Akten in einer kleinen Hamburger Spelunke wäre jetzt übertrieben, Lokalität. Die Hamburger Kulturlandschaft hat viele Gesichter und die gemütlichen sind die kleinen, eher weniger bekannten Konzerträume. In einem solchen traf sich dann die alternative Gesellschaft, die eher den Gothics zugeordnet werden kann. Gruftiges Ambiente? Weit gefehlt, eher düster romantisch, weitab von dem, was als Mainstream bezeichnet werden kann.

1. Akt

Laut und wortgewaltig ertönt eine Stimme durch den kleinen Saal im Marias Ballroom in Hamburg Harburg. Die Stimme gehört zu Calvin Kleemann, einem jungen Dortmunder Lyriker, der sinngewaltig die Zuhörer mitnimmt auf eine Reise der Poesie. Er bedient sich dabei Facetten der deutschen Sprache, die scheinbar in einer Zeit von Bild & Co. vergessen scheinen, aber diesen Abend einen Durchbruch feiern.

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Poesie und Lyrik von einem jungen Mann. Einige treffen seine Worte unvorbereitet, andere können damit nichts anfangen. Es ist nicht Jederman's Geschmack, aber dennoch ein Aspekt der Kunst, dem man durchaus beiwohnen kann. Stimmgewaltig brachte Herr Kleemann seine Texte vor und wenn man nicht hin sah, hätte man meinen können, ein alter Hase des Metiers hätte es geschrieben.  Auf den Inhalt einzugehen wäre müßig, aber dennoch ist es absolut eine Empfehlung wert.

2. Akt

Nach einer für die Ohren angenehmen Pause verschafften sich dann auch E-Gitarre und Schlagzeug Gehör. Diese gehörten zu der Band N.U.C., einer 2005 gegründeten Bremer Band, die durchaus schon als gestandene Musiker der Szene gelten dürfen. Musikalisch eher dem Gothic-Rock zuzuordnen, mit einem Hauch Metal und etwas Synthesizer. Schade nur, dass der Ton-Techniker der Stimme nicht genug Spielraum in Sachen Lautstärke eingeräumt hat, so dass diese nicht gegen die feurig gespielte instrumentalische Begleitung ankam. Dennoch machten Melodie und Thematik neugierig, und die Leichtigkeit der Musiker, die zwanglos Bühne und auch den Bereich vor der Bühne beherrschten, machte Lust auf  mehr.

Einige ihrer Alben werden auf der Homepage der Band gratis zum Download angeboten und nach einer Schnupperrunde durch dieses Angebot, dass mir sogar noch einen Ohrwurm schenkte, bleibt das Fazit: absolut empfehlenswert.

3. Akt – Die Headliner

Als Headliner wird, wer es nicht weiß, die Hauptband des Abends bezeichnet. Und für diesen Abend war es die norddeutsche Band Lichtscheu. Sängerin Gela schafft es mit ihrer sopran-ähnlichen Stimme, im Einklang mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard zu harmonieren. Kein Kampf zwischen Gesang und musikalischer Begleitung, sondern passende Eintracht und Harmonie, die in einem von mir höchstmöglichen Lob gipfelt: Haut von Gans. Musik, die berührt. Textlich und musikalisch. Und durchaus eine persönliche Empfehlung auch für Leute, die nicht unbedingt der gothischen und rockigen Musik lauschen.

Mit ihrem schon älteren Klassiker "Rabenherz" hat Lichtscheu, gegründet 2011, dann auch den letzten Anwesenden erreicht und die Stimmung wurde munter. Die 4 Musiker inklusive Sängerin ebenso, die nun alles gaben. Natürlich ausschließlich Eigenkompositionen und eigene Texte, was in der heutigen Zeit nicht allzu selbstverständlich ist. Und so wurde der eh schon geniale Abend zu einem genialen besonderen Abend.

Informationen zu den teilnehmenden Künstlern:

Calvin Kleemann: http://die-graue-flut.de/
N.U.C.: http://www.nuc-music.de/
Lichtscheu: http://www.lichtscheu-musik.de/wp/
Foto: by Natalie Loos, Lichtscheu in Aktion – http://www.leucht-feuer.info/Leucht-Feuer/Willkommen.html

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