Hollande und Valls. Bild: Présidence de la République / P. Segrette

Ein Blick auf die Wirtschafts- und Finanzdaten zeigt: Frankreich steht nur kurz vor einem totalen Kollaps. Ein Zusammenbruch der "Grande Nation" würde die Eurozone komplett zerreißen und der EU selbst womöglich den Todesstoß versetzen.

Von Marco Maier

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union weist mit offiziell 3,51 Millionen Arbeitslosen einen Rekordstand auf. Nimmt man alle statistischen Beschönigungen weg, dürften sogar 6 bis 8 Millionen Menschen in Frankreich ohne Arbeit sein. Allein von 2013 auf 2014 stieg die offizielle Arbeitslosenquote von 10,9 auf 11,2 Prozent an. Dementsprechend dürfte sich die reale Arbeitslosenquote wohl im Bereich von rund 20 Prozent befinden. Von den Unterbeschäftigten, die zwangsweise in Teilzeit arbeiten, ganz zu schweigen. Doch besser wird es nicht. Im Gegenteil: Prognosen aufgrund der vorhandenen Daten lassen darauf schließen, dass es noch schlimmer wird.

Ein weiteres Indiz für den Niedergang der "Grande Nation" ist der Konjunkturindex des Frankfurter Analysehauses Sentix, der auf einer Umfrage unter mehr als 5.000 privaten und institutionellen Anlegern basiert. Das heißt: Wenn sich diese Horde aus Anlegern, Investoren und Spekulanten entsprechend äußern, dürfte es auch dementsprechende Entwicklungen geben. Diesem Index nach kam Frankreich im April auf 48 von 100 Punkten. Nur Griechenland lag mit 46,5 Punkten niedriger.

Bemerkbar macht sich dieser Abschwung auch in den Produktionszahlen. Bei den Neuaufträgen verzeichnete die französische Wirtschaft den stärksten Rückgang seit vier Monaten. Sogar der schwache Euro und der extrem niedrige Ölpreis konnten hier keine Gegenbewegung einleiten. Ebenfalls keine Wirkung zeigt hier die EZB-Geldschwemme. Die stets übertriebenen und auf Zweckoptimismus basierenden Konjunkturprognosen der EU-Kommission werden sich auch in Sachen Frankreich nicht bewahrheiten. Trotz geschönten Zahlen dürfte die französische Volkswirtschaft auch offiziell nicht vom Fleck kommen.

Schlimmer sieht es bei den Staatsschulden aus: Trotz eines rekordverdächtigen Staatsanteils von beinahe 50 Prozent der Wirtschaftsleistung bekommt Paris das Staatsdefizit nicht unter Kontrolle. Die Verschuldung in Relation zum BIP soll in diesem Jahr die Marke von 100 Prozent überschreiten. Kritisch ist hierbei der Umstand, dass rund zwei Drittel der französischen Staatspapiere in ausländischer Hand sind. Sollten diese Investoren beginnen die Vertrauensfrage zu stellen, wäre dies ein weiterer finanzieller Schock für die Regierung Hollandes.

Eine weitere Senkung der Bonitätsstufe durch die (ohnehin von angloamerikanischen Interessengruppen gekauften) Ratingagenturen ist also nur noch eine Frage der Zeit. Vor allem auch deshalb, weil die sozialistische Regierung in Paris ohnehin auf die Vereinbarungen des sogenannten "Stabilitätspakts" pfeift. Allerdings wäre dieses Szenario quasi der "letzte Rest", um damit Frankreich in die Hände von Le Pens Front National (FN) zu treiben, welcher sich nach wie vor hoher Umfragewerte gewiss ist. Und das, obwohl sich zumindest die wirtschaftspolitische Agenda des FN gar nicht einmal so sehr von Hollands Sozialisten unterscheidet.

Sollte dieses Szenario Wirklichkeit werden, wäre jedoch nicht nur die Eurozone Geschichte. Auch die EU selbst könnte so angesichts der in vielen Länder erstarkenden Fliehkräfte dann auseinanderbröseln. Ganz zu schweigen von den daraus resultierenden wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen auf die EU-Mitgliedsländer. Es zeigt sich damit immer deutlicher, dass nicht Griechenland ein potentieller Sprengsatz für die EU und die Eurozone ist, sondern vielmehr Frankreich. Der Riese auf tönernen Füßen.

5 KOMMENTARE

  1. Das ist halt die Nebenwirkung das die EU Kommunistisch geworden. Deutschland hat unter Vizekanzler Gabriell auch ein Linksruck eingeführt.Wären die Ratingagenturen objektiv, hätte Sie wegen den Schulden auch die USA heruntergestuft. Für mich ist die USA auch ein Griechenland.

  2. "Es zeigt sich damit immer deutlicher, dass nicht Griechenland ein potentieller Sprengsatz für die EU und die Eurozone ist, sondern vielmehr Frankreich."

    Und Italien kommt gleich hinterher.

  3. Jetzt zeigt sich dass die Forderung Franreichs, dass Deutschand als Preis für die Wiedervereinigung mit Mitteldeutschland (DDR) seine monetäre Unabhängigkeit aufgeben und eine Gemeishaftswähung zustimmen mußte, aus rein politischen Gründen und aus Neid und Angst vor der Deutschen Stärke gestellt wurde.  Es war Francios Mitterand der die Gmeinschaftswährung forderte weil er es mit dem Stolz Frankreichs für unvereinbar hielt, dass die Bundesbank die Zinsen für Europa bestimmte. Und dass Deutschland die stärkst Währung und stärkste Wirtschaft hatte. Darum wollte er das Deutsche Wirtschaftspotential  für die EU nutzbar machen und auf ale EU Staaten umverteilen. Francion Mitterand hatte sich damals auch auf die Beschlüße des Abkommens von Potsdam von 1945 berufen, in dem Deutschland nur ein durchsnittlicher Wohlstand aller Eurpäischen Staten,, ausgenomen GB, zugestanden wurde. Und genau diese Umverteiung des in Deutschland erbeiteten Wohlstandes auf die ander Euro Staaten erleben wir heute mittels Hilfakete Target 2 Transfer und die die Aufnahme von Eu Arbeitslosen in das Deutsche Sozialsytem:

     

    • Nun ja, wenn man es genau nimmt, müsste man auch sämtliche Teilzeit-/Minijob-Kräfte hernehmen, die eigentlich voll arbeiten wollen.

      Eine andere Berechnungsart wäre jene in Vollzeit-Äquivalenten. Ergo: Man nimmt die ganzen in Deutschland angefallenen Arbeitsstunden eines Jahres und teilt sie durch die Jahresarbeitszeit eines Berufstätigen mit 40 Stunden pro Woche. Die Anzahl der daraus resultierenden Vollzeitstellen wäre dann eigentlich der Faktor, der die eigentliche Beschäftigtenzahl darstellt. Denn so viele Vollzeitjobs stellt die deutsche Volkswirtschaft in Wirklichkeit zur Verfügung. Im Vergleich zur Gesamten „Erwerbsbevölkerung“ ergibt sich dadurch dann eigentlich die reale Beschäftigunsquote. Dies könnte man dann auch mit anderen Ländern ins Verhältnis setzen.

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