Geldadel & Finanzoligarchie: Vermögen in Deutschland stark konzentriert

Auf dem Papier mag Deutschland ein reicher Staat sein, doch bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass die Vermögen sehr ungleich verteilt sind. Ein Großteil der Deutschen hat keine nennenswerten finanziellen Reserven. Etwas besser sieht es bei der Einkommensverteilung aus.

Von Marco Maier

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt in einer heute veröffentlichten Studie auf, wie sehr die Ungleichheit bei den Vermögen in Deutschland vorangeschritten ist. Damit relativiert sich die Aussage deutlich, dass Deutschland ein reiches Land ist, zumal der Großteil der Bevölkerung von diesem statistischen Reichtum gar nicht profitiert.

Demnach besitzen die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung rund 60 Prozent des gesamten Nettovermögens, während die ärmsten 60 Prozent der Bevölkerung gerade einmal noch 6 Prozent des gesamten Vermögens besitzen. Viele Haushalte sind sogar einfach nur noch verschuldet. Dabei muss man bedenken, dass gerade bei den Superreichen nur grobe Schätzungen gemacht werden können. Das reichste Prozent besitzt demnach so zwischen einem Viertel und einem Drittel des gesamten Nettovermögens in Deutschland.

Zwar sind die Einkommensunterschiede in Deutschland nicht so stark ausgeprägt wie im OECD-Durchschnitt, da die Umverteilung durch Steuern und Sozialabgaben dies ein wenig dämpft, doch an der Oligarchenriege, die ihre Imperien durch Erbschaften weitergeben, ändert dies nichts. Auch wenn die obersten 10 Prozent der Einkommensbezieher im Schnitt "nur" etwa 6,6-mal so viel verdienen wie die untersten 10 Prozent (OECD-Schnitt: 9,6 zu 1), so sind es vor allem bei der Finanzelite die ganzen Vermögenswerte, die dann den Ausschlag geben. Ganz zu schweigen davon, dass es gerade die Oberschicht leicht damit hat, ihre Einkommen "steuerschonend" zu erwirtschaften, während vor allem die marginalisierte Mittelschicht dem Zugriff des Fiskus voll ausgeliefert ist.

Das Problem dabei ist dennoch der Umstand, dass die Lebenserhaltungskosten sehr hoch sind. Dadurch ist es für die breite Masse der Bevölkerung kaum möglich, überhaupt nennenswerte finanzielle Reserven zu schaffen. Ein Aufstieg in die "Top 10" ist aus eigener Kraft ohnehin kaum machbar, da die Wirtschaft Deutschlands ohnehin fest in den Händen der Finanzoligarchie – auch aus den USA – liegt, die durch ihre Steuertricks und die vorhandenen finanziellen Ressourcen auch enorme Vorteile besitzen.

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Damit zeigt es sich, dass das Steuersystem vor allem auf auf den Besitz und nicht auf die Einkommen fokussiert sein sollte. Leistung soll sich lohnen und ein gutes Leben ermöglichen, nicht Raffgier und Anhäufung von Besitztümern, die dann an kommende Generationen vererbt werden und einen Geldadel formen. Denn das was wir derzeit haben ist nichts weiter als ein neofeudales System. Doch wie sagte schon Volker Pispers (sinngemäß): In Deutschland ist es nicht möglich Gesetze zu etablieren, die 90 Prozent der Menschen nützen würden.

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Ein Kommentar

  1. Die Politik wird durch Geldspenden der Lobby eben daran gehindert, anständige Gesetze zu machen. Und die Briefkasten-Firmen, tragen mit dazu bei, dass unsere Regierungen erpressbar sind. Andere Gesetze müssen her. Und Politiker müssten einen „Ethik- Eid“ ablegen. Vor allem die Justiz, sollte mehr Demokratie wagen, und mit der Phrase „Im Namen des Volkes, ergeht folgendes Urteil“ nicht so verschwenderich umgehen. Es wäre oft besser, diese Floskel in „Im Namen des Establishments ergeht folgendes Urteil“ zu ersetzen. Die Reichen nehmen sich die besten Anwälte, die Armen den Pflichtverteidiger, so dass die Phrase „Wir leben schließlich in einem Rechtsstaat“ (meistens von denen ausgesprochen, die auf den Rechtsstaat scheißen), mit Gerechtigkeit nichts mehr zu tun hat. Dass das Recht in anderen Ländern noch mehr geschändet wird, ist kein Freibrief dafür, dass man hier nichts mehr zu machen brauchte.

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