FIFA-Präsident Sepp Blatter. Bild: Flickr / AsianFC CC-BY 2.0

Ups, they did it again – Die Skandalnudel unter den Sportorganisationen macht erneut von sich reden. Heute wurden in Zürich sechs ranghohe FIFA-Funktionäre im Morgengrauen direkt aus den flauschigen Hotelbetten ihrer 5-Sterne-Residenz heraus verhaftet. Der Vorwurf lautet – wieder einmal – auf Bestechlichkeit.

Von Marcello Dallapiccola

Im Moment tagen Fußball-Funktionäre aus der ganzen Welt im schönen Zürich. Grund ist die anstehende Wahl des FIFA-Häuptlings, der wohl – ob mangelnder Konkurrenz – wieder einmal Sepp Blatter heißen wird. Ein Name, dessen Erwähnung allein schon genügt, um bei so manchem Zeitgenossen Übelkeit auszulösen, gilt doch der seit 1998 im Stile eines Gottkaisers über den weltweiten Fußballverband gebietende Schweizer nicht eben als Symbol für die von der FIFA doch so gerne propagierte Fairness. Besonders gut in Erinnerung ist noch die Eröffnung der WM in Brasilien, wo Blatter in weiser Voraussicht darauf verzichtete, eine Eröffungsrede zu halten – an seine Stelle pfiffen die Brasilianer dann halt ihre Präsidentin Roussef aus.

Blatter selbst wurde jedoch ersten Angaben zufolge jedoch nicht verhaftet – „erwischt“ hat es dafür, neben fünf anderen hochrangigen Funktionären, seinen Vize, Jeffrey Webb. Bezeichnenderweise ist Herr Webb ein Bürger der Cayman Islands, die ja gemeinhin als Steuerhinterziehungs-Paradies bekannt sind … ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

„Schlechte Optik“


Dabei ist es ja bei Weitem nicht das erste Mal, dass von Korruption und Bestechung innerhalb dieser Organisation die Rede ist. Gut in Erinnerung sind noch die WM-Vergaben an Russland und Katar, wo es in beiden Fällen mächtig im Blätterwald rauschte; zwischenzeitlich sah sich die FIFA sogar genötigt, ein „Fairness-Komitee“ einzurichten, um eventuelle Ungereimtheiten zu überprüfen. Ergebnis der Untersuchungen dieser von den FIFA-Gremien selbst zusammengestellten Kommission bisher: Eine „schlechte Optik“ wird zugestanden, darüber hinaus jedoch keine Beanstandungen.

Irgendwann sprach sich dann herum, dass es in Katar im Sommer ja über 40 Grad heiß wird; ob man da überhaupt noch Fußball spielen kann? Nach einen knappen Jahr fruchtlosen Lamentierens musste die FIFA dann zähneknirschend die WM '22 in den Winter verlegen – ein Riesen-Debakel, denn es müssen nicht nur sämtliche Liga-Spielpläne umgeändert werden, auch die Übertragungsrechte für diese Spiele hängen da dran, Sponsorenverträge, und, und, und … wenn man bedenkt, dass so ein Bock in einer international tätigen Organisation geschossen wurde, könnte leicht der Eindruck entstehen, dass den Verantwortlichen der klare Blick auf die Fakten vor lauter Gier komplett vernebelt war.

Sklavenarbeiter?


Gerade im Fall von Katar kann man nur hoffen, dass diese in jeder Hinsicht unwürdige Infamie besser noch Heute als erst Morgen beendet wird. Auch hier weiß man seit Jahren, was für Zustände auf den WM-Baustellen herrschen. Billige Arbeitskräfte aus den Armenhäusern Nepal, Pakistan und Bangladesch sollen dort wie Sklaven gehalten werden und unter der brennenden Wüstensonne dahinsterben wie die Fliegen. Von offizieller Seite – also sowohl von der FIFA als auch von Vertretern der katarischen Monarchie (eine Regierung im „westlichen“ Sinne gibt’s dort nämlich nicht, außerdem herrscht die Scharia) – wird natürlich stets beteuert dass dies alles nur übelste Diffamierungen seien und das Wohl der Arbeiter selbstverständlich im Vordergrund stünde; auch Kaiser Franz entblödete sich schon vor geraumer Zeit nach einem Besuch im Emirat nicht zu der Aussage, er habe „dort keine Sklavenarbeiter gesehen“. Und doch wollen die Berichte über menschenunwürdige Bedingungen nicht und nicht verstummen, es wird von dutzenden, teilweise sogar von hunderten Toten bei den Bauarbeiten gesprochen.


Erst kürzlich war der ehemalige dt. Arbeitsminister Norbert Blüm selber vor Ort um sich ein Bild von der Lage zu machen. Sein Reisebericht bestätigt eindrucksvoll, was ohnehin schon viele ahnten: Doch nicht alles eitel Wonne im Wüstenstaat. Wenn man diese Bilder gesehen hat, ist einem klar, dass sie nur einen vagen Eindruck vermitteln von dem ganzen Schrecken, der dort wirklich vor sich geht.

Sportsmanship ist gefordert


Es ist wie im Großen auch: Eine aus dem Ruder gelaufene, jeder Kontrolle und Rechenschaft enthobene, sich selbst als Elite wahrnehmende Gruppe von Psychopathen versaut mit ihrer Habgier alles, aber auch wirklich alles, was an diesem Sport einmal schön und edel war.

Vielleicht ist ja die bevorstehende Neuwahl Blatters der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt – man stelle sich zum Beispiel nur einmal vor, die Fangruppen europaweit schließen sich zusammen und boykottieren einen Monat lang den kompletten Spielbetrieb. Das taumelnde Monstrum würde wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen, ihr Funktionärs-Apparat würde hinweggefegt wie von einem Wirbelsturm. Es wird sich zeigen, ob die wahren Freunde dieses Sports zu diesem Schritt bereit sind.

1 KOMMENTAR

  1. Ich mag den Blatter und die FIFA beide nicht, korrupt sind die allemal – dies kann man aber weltweit von vielen anderen inklusiv Politiker auch feststellen (oder wie soll man es nennen, wann US-Präsidenten, nach der Wahl den Wünschen der Wahlfinanzierer nach kommen?). Was stossend ist, dass die Verhaftungen von den USA gewünscht wurde, morgens um 6 Uhr waren zwei Reporter der NYT vor Ort um das Ganze zu fotografieren. Um was es hier geht, kann man in der folgenden Pressemitteilung lesen: Sens. Menendez, McCain Call on FIFA Congress to Elect New FIFA President that Would Deny Russia 2018 World Cup. Die USA dürfte auch Blatter ein zu starker Gegner sein!

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