FIFA-Präsident Joseph Blatter. Bild: Flickr / alegermino CC-BY 2.0

In Zürich wurden sechs FIFA-Funktionäre verhaftet, was die Fußballwelt in Aufruhr versetzt hat. Na endlich, möchte man meinen. Doch wenn man sich mit den Einzelheiten genauer befasst, dann sieht es wie immer so aus, als hätte FIFA-Präsident Joseph Blatter seine Finger im Spiel.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Nur zwei Tage vor den Wahlen zur FIFA-Präsidentschaft werden medienwirksam die Schweizer Behörden von einer US-amerikanischen Staatsanwältin beauftragt, zwei Vize-Präsidenten und weitere vier Funktionäre in einem Hotel zu verhaften. Die Verhaftungen gehen auf FBI-Ermittlungen zurück und Joseph Blatter äußerte sich sichtlich zufrieden. Er habe schon vor über einem Jahr die Ermittlungen initiiert, um die Korruption zu bekämpfen. Die WM in Russland  könnte in Gefahr sein und die im Katar erst recht.

Hundert Millionen US-Dollar sollen allein diese sechs Funktionäre eingesteckt haben und wenn man noch weiß, dass einer von ihnen von den Cayman Islands stammt, dann wird klar, dass es sich um eine Geldwäschemaschinerie handelt. Doch nicht die Schweizer haben hier ermittelt, sondern die US-Behörden. Loretta Lynch hat als Staatsanwältin das FBI mit den Ermittlungen beauftragt und es ist vielleicht kein Zufall, dass sie seit etwa einem Monat Obamas neue Justizministerin ist. Das die Schweizer Banken mit dem FIFA-Funktionär von den Cayman Islands, Jeffrey Webb, einen Konkurrenten beseitigt haben, ist wohl etwas zu weit hergeholt. Aber  die USA haben andererseits sicherlich ein Interesse an einer Diskreditierung der russischen WM 2018. Im Fall der „Wüsten-WM“ in Katar, ist das Ziel möglicherweise eine Austragung in den USA selbst, da ihre Kandidatur bei der Abstimmung 2010 um die Vergabe der WM 2022 gegen den Geldsegen der Scheichs unterlag. Ein Versuch die WM doch noch zu bekommen?

Vor allem anderem aber, dürfte die Präsidentenwahl, die morgen ansteht, einen großen Einfluss auf das Timing der polizeilichen Aktion gehabt haben. Joseph Blatter tritt gegen den jordanischen Prinzen Ali Bin al-Hussein an, nachdem alle anderen Kandidaten bereits im Vorfeld aufgaben. Der der ehemalige Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft und Weltfußballer, Luis Figo, hat letzte Woche erst das Handtuch geworfen. Dabei stellte er noch ein weiteres mal klar, dass der Korruptionssumpf und die installierte Mafiamentalität in dem Milliardenkonzern dem Fußball nur schadet und er im Moment nicht gegen die geballte Macht dieser Organisation ankommen kann. Die UEFA hat inzwischen eine Suspendierung der Wahl gefordert, was Blatter wohl weniger gefallen wird. Er scheint von der Situation zu profitieren und stellt sich selbst als Saubermann dar, der die Korruption bekämpft. Doch fragen sich die Leute wo er all die Jahre war, denn es ist ein offenes Geheimnis, dass er immer schon im Mittelpunkt der Korruption des größten Sportverbandes der Welt stand.

Schade eigentlich, dass Luis Figo mit seinem Projekt nicht bis zum Ende gegangen ist. Er wollte endlich aufräumen, mit all der Korruption und Vetternwirtschaft. Die FIFA ist aber ein weltweites Geflecht, welches aus so vielen Kulturen besteht in denen es zum guten Ton zählt, den „Seinen“ einen Posten zu verschaffen und wo Korruption zum Alltag gehört. Das soll keine Entschuldigung sein. Ganz im Gegenteil ist es eher ein weiterer Grund die Beispielfunktion ernst zu nehmen, die der Fußball für sich beansprucht.

Loading...

Die WM in Russland sollte jedenfalls nicht aus politischen Interessen in Frage gestellt werden. Die USA sollten gar nicht erst daran denken, wieder einmal den Sport als Waffe in ihrem Propagandakrieg gegen Russland zu benutzen. Die Korruption muss bekämpft werden, ohne dabei Millionen von Fans in Russland ihren Traum von der WM im eigenem Land zu verwehren. Es hätte schon lange eine WM in Russland stattfinden sollen. Schließlich gibt es gute Stadien, Infrastrukturen und auch sonst alles, was man für eine erfolgreiche WM braucht. Korruption gab es auch in Brasilien und Südafrika mehr als genug.

Anders verhält es sich mit Katar. Der Wüstenstaat benutzt Sklaven beim Bau der Stadien. Die Hitze ist unerträglich und im Winter zu spielen macht einfach keinen Sinn. Also sollte man den Scheichs zeigen, dass man sich eine WM nicht einfach kaufen kann. Doch das heißt nicht, dass die USA die WM automatisch dafür bekommen. Portugal und Spanien hatten sich zwar nur für 2018 beworben, aber eine erneute Kandidatur kann in aller Ruhe erarbeitet werden und der Vergabeprozess sollte mit nie dagewesener Transparenz erneut stattfinden. Mit Joseph Blatter wird dies aber nicht möglich sein. Leider ist auch nicht damit zu rechnen.

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: redaktion@contra-magazin.com nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

4 KOMMENTARE

  1. Sehr geehter Herr Autor, lesen Sie mal unter diesem Link nach, wie es auch sein könnte:

    http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/schweiz/23257-Angriffe-auf-FIFA-politisch-motiviert.html

    Tatsache ist aber wohl, wenn man die gesamte Politlage beobachtet, dass es auch hier im Grunde um den Krieg US vs. RUS geht.

    Dass der gesamte Fußball weltweit ein einziger korrupter Lumpenball ist, bei dem völlig verdummte sog. Fußballfans – besser wäre zu sagen, sportechauffierte und interessenmäßig am Rande der IQ-Dunkelheit angesiedelte Narren – mit ihren abgesparten Kröten dafür sorgen, dass ein paar wenige Treter, Trainer und Funktionäre Millionengagen abgreifen können, ist schon traurig genug. Es ist einer der Gipfel der weltweiten Verdummungsstrategie der Eliten und Oligarchen gegen die Völker, panem et circensis hieß das im Imperium Romanum, gleiches Strickmuster, 2000 Jahre her. Und der Mensch, die Menschheit? Nichts dazugelernt. Die menschliche Dummheit findet im Zirkus Fußball ebenso ihren individuellen Höhepunkt, wie die Elitenunterdrückung freier Bürger in dieser Kanalisierung der Menschen auf das Banale deren äußersten Tiefpunkt definiert.

  2. Diesmal werden wohl die Stimmen der europäischen Nibelungen treuen Vasallen nicht reichen, die Vorstellungen des selbsternannten Weltherrschers und Fußballzwergs durchzusetzen. Geht es denn wirklich den USA um Fußball, um fairen Sportsgeist? Wollen die USA wirklich etwas gegen Korruption im Berufssport unternehmen?

    Meiner Meinung nach geht es ganz einfach darum:
    Der Blatter ist kein US – Untertan und läßt sich auch nicht von dieser Administration manipulieren. Wäre es anders, wären die korrupten FIFA-Mitglieder
    zwar ein Ärgernis, daß sich regeln ließe, aber ansonsten alles in Ordnung.
    Dieser Fußballverband ist in der Welt eine mächtige Sport- und auch Wirtschafts-Organisation, auf die Washington wenig bis keinen Einfluß hat. Das will man nun wenn möglich ändern.
    Wenn Blatter weg und der Araber gewählt wäre, dann gäbe es wohl noch eine Möglichkeit, irgendwelche Beweise zu konstruieren, daß Rußland nur mit Betrug als Ausrichter 2018 gewählt worden wäre. Dann könnte man Rußland diese Spiele wegnehmen und Rußland demütigen. (Obama: Dafür wird Putin bezahlen).
    Man hätte Rußland einen großen Schaden, nicht nur wirtschaftlich zugefügt.
    Die bisher verhängten US/EU-Sanktionen haben offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung. Mit einer solchen Entscheidung wäre auch ein höherer Einfluß über die UEFA auf die FIFA gesichert.
    Das wäre die Antwort auf die Frage, warum gerade jetzt.  

    Nicht zu vergessen, in ein paar Tagen beginnt der G 7 Gipfel. Im Raum stehen die ungeklärten Spionage-Affären der NSA und des BND. Es ist natürlich störend, wenn sich der selbst ernannte Weltpräsident Obama unangenehmen Fragen seiner "Partner" stellen müßte. Macht er das nicht, könnte der Gipfel zum Maulwurfshaufen verkommen. Dann hätte Merkel über 300 Mio. Euro in diesem Maulwurfshaufen versenkt. Aber macht nichts. Wir haben es ja für solche Darstellungen. Wie viele Schulen hätte man da von Grund auf sanieren können?

    Also es mußte ein Aufreger her! Eine Sache, mit der man von diesem unschönen Geheimnisverrat über die "Aufklärung" der "Freunde und Partner" eventuell ablenken kann.

     

    Daß die USA mit den eingeleiteten Strafverfahren gegen einige gewiß korrupte FIFA – Funktionäre gegen internationales Recht verstoßen, wissen sie und nehmen es ganz bewußt in Kauf.
    Aber sollte es so sein, daß diese verhafteten Personen in die USA ausgeliefert und dort verurteilt werden, ist das eine sehr gute Einnahmequelle für den
    Staatshaushalt der USA. Mit Gerichtsurteil würden die Bestechungsgelder und deren Erträge durch das US-Gericht eingezogen.
    Darüber hinaus werden wohl sehr hohe Geldstrafen neben den vielleicht Freiheitsstrafen verhängt.
    Welches dieser Länder, aus denen diese dann verurteilten Männer stammen, werden sich wohl den USA über die Überweisung der Gelder verweigern.
    Es geht wohl, wie bereits durch die USA zur Kenntnis gebracht, um einige hunderte Millionen USD. Eine schöne zusätzliche Einnahme für die klamme
    Staatskasse der USA. Also ein Bombengeschäft.
    Klappt dieser Cup, kann man dann die nächste Reihe in Angriff nehmen und die Welt nicht nur langsam daran gewöhnen, daß das Strafrecht der USA auf der ganzen Welt zu gelten hat.

    Die übrige Welt ist aber nicht berechtigt, straffällige US-Bürger zu verfolgen und vor Gericht zu stellen.
    Eine für die USA wohl sehr wichtige Erweiterung des angestrebten TTIP und anderer gleichgelagerter Abkommen zur Aufrechterhaltung der unipolaren Welt.
    Und dieser Unipol sind – na selbstverständlich – die USA, die US-Administration. Nach dem Motto, das Schicksal dieser Welt wird in Washington bestimmt.
    Und die europäischen Vasallen müssen und dürfen gewisse Aufgaben übernehmen.
    Dann wäre ein großer Schritt getan und man könnte sich die Unbotmäßigen in Moskau und Peking vornehmen.

  3. Die auf Druck Israels von der US Regierung inszenierte Hypokrisie um Korruption und Geldwäsche hat nun doch noch ihr Ziel erreicht. Kurz vor dem zweiten Wahlgang zieht Palästina seinen Antrag auf Ausschluss Israels aus der FIFA zurück.
    http://www.spiegel.de/sport/sonst/fifa-kongress-palaestina-zieht-antrag-auf-ausschluss-israels-zurueck-a-1036281.html

    Dieser Punkt ist also vom Tisch – und morgen spricht kein Mensch mehr von dem Affentheater. – Bleibt nur noch die Frage ob und wie die eingesperrten Managers wieder entlassen werden.

    Wenn die Justiz der USA sich wirklich aktiv mit der Bekämfung von Korruption beschäftigen würde, wäre sie mit den Fällen im eigenen Land für die nächsten 1000 Jahre erst einmal voll ausgelastet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here