Peking stellte ein neues Armee-Weißbuch vor, wonach sich China von seiner alten Militärdoktrin löst. Die Fokussierung auf die Verteidigung der Landesgrenzen und der Küsten ist nicht mehr genug, zumal die USA in der Region immer aktiver werden.

Von Marco Maier

War die chinesische Volksarmee bislang vorrangig auf das Festland und die Küstengebiete beschränkt, sorgt die neue Militärdoktrin nun für eine Ausweitung des Operationsgebietes auf die Region. Vor allem das Südchinesische Meer, welches von der Volksrepublik beansprucht wird, spielt hierbei eine große Rolle. Ebenso soll die Marine auch die Handelsinteressen schützen.

Die mit 2,3 Millionen Soldaten größte Armee der Welt soll demnach schlagkräftiger werden und dem Schutz der "überseeischen Interessen" dienen. Anstelle der bisherigen passiven Landesverteidigung soll nun eine "aktive Verteidigung" im Vordergrund stehen. Allerdings strebe der Staat "keine strategische Expansion" und "keine Hegemonie" an, wie die chinesische Akademie der Militärwissenschaften mitteilte. "Bei der gegenwärtigen strategischen Idee der aktiven Verteidigung wird in den Vordergrund gestellt, wie die militärischen Kräfte für eine gute strategische Situation zur Staatsentwicklung im Ganzen eingesetzt werden. Der strategische Leitungsschwerpunkt wird nun nach vorne verlegt, was eine sehr wichtige Entwicklung darstellt", so Wen Bing von der Akademie.

Vorrangig geht es laut Weißbuch darum, dass die chinesische Marine schrittweise von einer Küstendefensive in eine Verbindung von Küstenabwehr und Tiefseeschutz umgewandelt werden soll. In diesem Sinne sollten strategische Abschreckung und Gegenoffensiven, maritime bewegliche Operationen, maritime gemeinsame Operationen, umfassende Defensive-Operationen und umfassende Logistik verstärkt werden.

"Der Einsatz der chinesischen Marine in der Tiefsee ist ein notwendiger Prozess. Die Marine ist eine globale Seestreitkraft. Eine globale maritime Fahrt ist somit ein natürliches Phänomen. Kein Land wird behaupten, dass seine Marine nur an seiner Küste fahren dürfe. Chinas Marine-Einsatz in der Tiefsee ist eine friedliche Bewegung, also keine Aggression, keine Expansion und keine Aufteilung des Machtumfangs. Er zielt auf den Schutz eigener Interessen und internationaler bzw. regionaler öffentlicher Sicherheitsinteressen ab. Egal wie weit die chinesische Marine fahren wird, will sie nach wie vor die Kooperation pflegen", so Wen Bing weiter.

Damit versucht die Volksrepublik eine andere Linie zu fahren als die USA, deren militärische Doktrin auf eine globale Hegemonie abzielt. Dies zeigt sich auch in der Strategie der chinesischen Luftwaffe, die im Weißbuch nun erstmals offiziell festgeschrieben wurde. Dabei wird betont, die Zielsetzung der chinesischen Luftwaffe werde vom Schutz des territorialen Luftraums auf den verbundenen Einsatz von Offensive und Defensive verlegt. Peking will so dafür sorgen, dass die amerikanischen Ansprüche in der Region keine Gefahr für die legitimen Interessen Chinas darstellen.

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