Nach Islamisten-Massaker: Kenia will somalische Flüchtlinge abschieben

Weil die Lage im weltweit größten Flüchtlingslager außer Kontrolle geraten ist und Islamisten dort neue Terroristen rekrutieren, will Kenia viele Flüchtlinge wieder über die Grenze abschieben. Das Massaker an einer Universität mit 147 Toten lässt der Regierung kaum eine Wahl, etwas gegen die Gefährdung der Bevölkerung zu unternehmen. Allerdings gelten durch die damit entstehenden Ressentiments alle somalischen Flüchtlinge als potentielle Terroristen.

Von Marco Maier

Das unweit der Grenze zu Somalia liegende Flüchtlingslager Dadaab, in dem derzeit rund eine halbe Million Flüchtlinge aus Somalia leben, gilt als Hochburg für die Rekrutierung und Ausbildung von Terroristen der somalischen Islamistenmiliz Al-Schabaab. Diese hatte an einer Universität in der Stadt Garissa ein Massaker verübt, bei dem insgesamt 147 Menschen ermordet wurden.

"Wir haben Probleme mit den Flüchtlingen, das ist eine Tatsache", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Mwenda Njoka. "Wir werden ihre Zahl reduzieren, so dass wir die Camps besser managen können." Selbstverständlich würden die Somalier aber nicht in von der Al-Schabaab kontrollierte Gebiete geschickt. "Unschuldige Menschen sollen nicht wegen der Islamisten leiden", so Njoka. Dennoch geraten dadurch sämtliche Flüchtlinge unter Generalverdacht, mit der islamistischen Miliz zu kooperieren.

Insgesamt wurden seit Beginn des Jahres schon 3.000 Flüchtlinge wieder nach Somalia zurückgeschickt. Bald schon soll das riesige Flüchtlingslager komplett geschlossen werden, wie Njoka betonte. Indessen demonstrierten in Kenias Hauptstadt Nairobi am Rande einer Mahnwache rund 200 Studenten für die Opfer des Terrorangriffs. Sie warfen der Regierung des Landes vor, nicht genügend für den Schutz der Bevölkerung zu unternehmen.

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