Menschliche Gewohnheiten

Gewohnheiten verleiten uns Menschen dazu, Dinge gedankenlos zu tun, ohne uns über den Sinn derer bewusst zu sein. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Von Marcel Grasnick

Wer kennt es nicht? Morgendlich führt der erste Weg zur Kafffeemaschine, dann weiter ins Bad und zurück in die Küche, um sich der Sucht nach dem braunen Gebräu zu ergeben. Wahrscheinlich gefolgt von dem Ritual in Verbindung des Kaffees mit dem zu inhalierenden Nervengift. Jeden Morgen der gleiche Weg, die gleiche Teppichkante, über die gestolpert wird. Ein Automatismus, der sich über Jahre bewährt hat, weil er ehedem mal sinnvoll war. Der Weg wird gegangen, ohne großartig darüber nachdenken zu müssen. Morgens funktioniert der Denkapparat sowieso noch nicht so richtig, muss erst auf Touren kommen. Da kommen die Gewohnheiten schon sehr gelegen. Ganz pragmatisch betrachtet, wie wir Menschen so sind.

Aber mit den Gewohnheiten hört es dann nicht auf, nein, es geht munter weiter. Oder auch nicht munter, aber es geht so weiter. Jeden Morgen der gleich gewohnte Arbeitsweg, jeden Morgen die gleiche Stelle, an der man in die Bahn steigt. Jeden morgendlichen Arbeitsweg der gleiche Kiosk, an dem die Zeitung geholt wird – natürlich die gleiche wie immer. Und aus Gewohnheit werden auch immer die gleichen Seiten überblättert… Aus Gewohnheit regt Mensch sich dann auch gleich wieder über die gleichen Desaster menschlicher Natur auf.

Gewohnheiten erleichtern uns den Tag oft und an vielen Stellen. Wir brauchen uns über Banalitäten nicht den Kopf zerbrechen, sondern den Alltag in vielen Dingen nehmen, wie er läuft. Aufregung dazwischen gibt es genug und genau dann ist auch der Punkt erreicht, an dem wir uns den gewohnten Ablauf der Geschehnisse wünschen. Weil jede Spur, die uns vom gewohnten Weg durch den Tag anbringt, immer auch eine neue Orientierung bedeutet. Und sich neu orientieren heisst Kraft aufzuwenden. Die man doch eigentlich sparen will.

Doch sollte bei alledem auch bedacht werden, dass der gelegentliche und sprichwörtliche Blick über den Tellerrand hinaus durchaus vielverprechend sein kann. Nichts zwangsweise muss.

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Und doch gibt es immer und immer wieder viele Menschen, die trotz besserem Wissen an alten Gewohnheiten festhalten. Da wird immer noch aus Gewohnheit dieselbe Zeitung gekauft, auch wenn man weiß, das da nur Müll drin steht. Da werden aus Gewohnheit immer noch die gleichen Nachrichten-Sendungen in der Glotze konsumiert, auch wenn bewiesen wurde, dass die Wahrheit verdreht und verbogen wurde. Da wird immer noch die gleiche Partei der Arbeiter gewählt, obgleich diese es nur noch den Namen nach ist.

Die Erde dreht sich weiter, dass Universum steht ebenfalls nicht still. Dinge ändern sich und ebenso sollte man gelegentlich nicht nur über seine Gewohnheiten nachdenken, sondern diese auch mal anpassen, ändern. Den Blick über den Tellerrand werfen und die Suppe mal nicht mit der Gabel auslöffeln. Auch wenn es oft sehr schwer ist, an den Gewohnheiten zu arbeiten.

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Ein Kommentar

  1. Schlage ernsthafte Seitensprünge vor – manchesmal ergeben sie sich auch von alleine -, die motivieren, beleben, regen zum Überdenken an, stellen Vieles berechtigterweise in Frage und lenken in neue Richtungen. Nichts macht so schnell alt und krank wie schiefe Beziehungen – erst recht dann, wenn man vor lauter Gewohnheit und Bequemlichkeit nichts ändern will.

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