Der Nisur-Platz in Bagdad nach dem Massaker durch Blackwater-Söldner. Bild: Youtube

Weil sie in Bagdad mit Maschinengewehren und Granatwerfern auf irakische Zivilisten geschossen haben und dabei 17 Menschen töteten, wurden nun vier Blackwater-Söldner vor einem US-Gericht verurteilt. Allerdings gab es nur vergleichsweise milde Haftstrafen. Irakische Opfer sind offenbar weniger Wert als Amerikaner.

Von Marco Maier

Ganze sieben Jahre dauerte es, bis vier Söldner des "privaten Sicherheitsdienstleisters" Blackwater (heute "Academi") vor einem Gericht für ihre Taten verurteilt wurden. Das Gericht in Washington schickt einen von ihnen wegen Mordes lebenslänglich hinter Gittern, die anderen drei Mittäter erhielten wegen Totschlags jeweils bis zu 30 Jahre Haft. Die Geschworenen des Gerichts hatten die vier Angeklagten bereits im Oktober schuldig gesprochen. Nicholas Slatten wurde des Mordes für schuldig befunden, seine früheren Kollegen Paul Slough, Evan Liberty und Dustin Heard des Totschlags. Bei ihnen verhängte Richter Royce Lamberth zusätzlich zu den 30 Jahren Haft für weitere Anklagepunkte jeweils einen weiteren Tag Gefängnis. Die Anklage hatte zwischen 47 und 57 Jahren Haft gefordert.

Damals, am 16. September 2007, hatten die Söldner auf dem belebten Nissur-Platz in Bagdad mit Sturmgewehren, Maschinengewehren und Granatwerfern willkürlich in die Menge gefeuert. Dabei wurden nach Angaben irakischer Ermittler 17 Menschen getötet und 18 weitere verwundet. US-Ermittler sprechen von 14 Todesopfern, die innerhalb einer Viertelstunde des Dauerfeuers zu beklagen waren.

Während sich die Angeklagten während der Verhandlung herauszuwinden versuchten und auf Selbstverteidigung plädierten, weil sie den Fahrer eines herannahenden Autos für einen Selbstmordattentäter hielten, soll einer der Angeklagten vor der Tat (die nur kurz nach dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001) zu einem Bekannten gesagt habe, er wolle "als Rache für den 11. September so viele Iraker töten, wie er kann".

Vor der Verkündung des Strafmaßes sagten Angehörige der irakischen Opfer vor Gericht aus. Fatimah al-Fadwi Kinani, deren neunjähriger Sohn damals starb, sagte: "Ich habe eine Frage an sie. Ich möchte nur wissen, warum sie meinen Sohn getötet haben." Der Vater des Jungen, Mohammed al-Kinani, forderte den Richter auf, "Blackwater und (Anm.: dessen früherem Chef) Erik Prince zu zeigen, was das Gesetz ist".

Der Angeklagte Slough wandte sich an den Vater und sagte: "Herr Kinani, ich konnte und habe ihren Sohn nicht getötet." Sloughs Anwälte hatten argumentiert, ihr Mandant habe eine andere Munition verwendet als diejenige, die den Jungen getötet hatte. Slough kritisierte, er fühle sich "schlichtweg betrogen von einer Regierung, der ich ehrenhaft gedient habe".

Wenn nun schon dieser Angeklagte vor Gericht formuliert, dass er als Söldner einer privaten Sicherheitsfirma der US-Regierung "ehrenhaft gedient" habe, stellt dies natürlich auch eine Mitverantwortung der US-Behörden in den Raum. Immerhin gab es ja staatliche Auftraggeber für den Aufenthalt der Söldner im Irak. Zudem wirken die verhängten Haftstrafen geradezu lächerlich. Hätten sie in den USA dermaßen um sich geschossen, wäre wohl keiner der vier Söldner ohne Todesstrafe davongekommen. Aber irakische Leben zählen für die Amerikaner offenbar weniger.

6 KOMMENTARE

  1. Da haben sich 4 Trottel verurteilen lassen, die Schattenmänner lachen nur drüber, und morgen werden 10 neue Trottel gebohren.

    Abhängigkeit safft "Trottel" , wenn die Bundeswehr der letzte ausbildende Betrieb ist in D-land ist, wird aus dem begabten …hm beispielsweise Kranfahrer eben ein Massenmörder.

    Momentmal das hatten wir doch schon mal?

  2. Bei diesem Fall muß man auch das von den Neocons geschaffene Hintergrundklima betrachten. Iraker wurden pauschal als Terroristen stigmatisiert. Sie wurden in der amerikanischen Medienstimmung praktisch für "vogelfrei" erklärt, die US-Besatzer können mit ihnen machen was sie wollen, straffrei natürlich. Das nahmen einige Männer sehr wörtlich, sie wollten schon immer gern mal Menschen umbringen, hier haben sie die Gelegeneheit und bekommen sogar noch Geld dafür. Man sieht daran auch, was sich für Leute freiwillig bei "Privatarmeen" melden.

    Es zeigt die moralische wie kulturelle Degeneration des US-Amerikanischen Volkes. Es erinnert an SS-Truppen, die in Osteuropa ihre gewalttätigen Triebe ungestraft ausleben durften und wir das aktuell in der Ukraine wiederholt beobachten dürfen, wo z.B. das Massaker in Odessa von den Behörden ausdrücklich für straffrei erklärt wurde. Das Muster ist also immer ein sehr vergleichbares.

    So ist es sicher richtig, wenigstens heute die Täter zu bestrafen. Aber genügt es, nur exemplarisch einige der Ausführenden zu bestrafen? Dazu noch eher milde? Was ist mit denen, die sie dazu ermutigt hatten? Was mit den noch sehr vielen nicht verfolgten Fällen? Die US-Amerikanischen Kriegsverbrechen in Irak wie Afghanistan werden größtenteils ungesühnt bleiben. Stichwort Siegerjustiz. Das Faustrecht des Stärkeren ist das Gesetz, welches über alle anderen geschriebenen Gesetze zu stehen scheint.

  3. Die Drahtzieher aus Regierung und Geheimdiensten gehörten vor das Kriegsgericht gezerrt und lebenslänglich verwahrt für Millionen von Morden, Zerstörungen von Kulturen, Raubzügen und Vertriebenen.

    Die bestialischen Blackwater-Söldner, neu Academi genannt, sind bezahlt und brutal dressiert, sie kommen meist aus der Gosse der USA, haben kaum Ausbildung und Erziehung, und schiessen auf alles, was sich bewegt oder lassen lustbetont mal wieder einen Gebäudekomplex in die Luft gehen. Und dafür gibt es ja auch noch Geld, wunderbar! So trainieren sie auch die IS, die unterdessen den unglaublichen US-Abschaum erkannt haben und eigene Wege gehen. Waffen und Training erhalten sie auch von den Israeli, die ebenfalls eigene Wege eingeschlagen haben.  

    Wenn jetzt vier Blackwater-Söldner verurteilt werden, ist das nur eine billige Show der USA, die ihre ach so unerhörte "Gerechtigkeit" der Öffentlichkeit hiermit präsentiert. Wenn das nicht so bestialisch ernst wäre, wären diese Gerichtsurteile und der ganze Prozess zum Totlachen. Billiger und verlogener geht's wohl nicht mehr.

     

  4. Don Andres@Korrekt, der Fisch beginnt am Kopf zu stinken, und das gesamte weiße Haus der letzten 40 Jahre gehört vor den Den Haager Gerichtshof zitiert und lebenslang eingesperrt.Ob diese 4 Söldner wirklich auch sitzen, oder nur pro forma in einem Gerichtsaal eine Schmierenkomödie über sich ergehen lassen müssen und dann in der Karabik eine gut dotierten Lebensabend verbringen, wer weiß es und wer kontrolliert es?

  5. Merke: Tötest du 17 Menschen, wanderst du in den Knast; ermordest du 1 Mio Menschen, erhälst du vom obärmlichen persönlich eine Belobigung, einen Blechstern ans Revers heftet und darft den Vorsitz in einem "Think Tank" übernehmen und dich über eine lebenslängliche Appanage freuen; das ist so üblich bei Westwertlern und anderen Mordbrennern.

  6. Diese für die USA typische „Innovation“ wird uns ein gutes Stück weit zurück ins Mittelalter bringen. Wer es sich leisten kann, wird die Drecksarbeit von privaten Söldnerbanden erledigen lassen. Das gilt für lokale Warlords ebenso wie für Erfüllungsgehilfen internationaler Konzerne (etwa beim Land Grabbing) oder aktuell für Oligarchen in der Ukraine oder Geheimdienste, die aus taktischen Gründen für bestimmte Operationen keine regulären Verbände einsetzen wollen. Da der menschliche Abschaum, der sich für derlei Dienste unter Vertrag nehmen lässt, außerhalb anerkannter internationaler Konventionen handelt, sollten diese auch für ihn nicht länger gelten. Söldner gehören international geächtet und sollten von professionell agierenden Widerstandsgruppen weltweit gejagt und unschädlich gemacht werden, nicht nur in ihren Einsatzgebieten, sondern vor allem auch am Herkunftsort. Es darf für sie nach erfülltem Mordauftrag kein sicheres Refugium mehr geben. Politiker, die eine vermeintlich rechtliche Grundlage für den Einsatz von Söldnern schaffen, sind als Förderer von Kriegsverbrechen zu verfolgen und vor den internationalen Gerichtshof zu bringen.

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