Günter Grass ist tot und trotzdem muss es gesagt werden

Jetzt kann man wohl von ihm keinen Skandal mehr erwarten. Großes Aufsehen erregte er 2012 mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss..". Jetzt verstummt der deutsche Dichter für immer. Die Einen sahen in ihm einen Antisemiten, die Anderen einen Warner vor einen großen Krieg. Doch auch an Israels Politik muss Kritik geäußert werden dürfen.

Von Andre Eric Keller

Was Günter Grass bis 2012 schrieb, blieb den Menschen kaum in Erinnerung, so schien es. Denn an diesem 10. April 2012 traute sich Grass etwas, was kaum jemand zu schreiben wagt. Sein Gedicht in der Süddeutschen Zeitung löste einen Skandal aus. Ein Aufschrei ging durch die gesamte Weltpresse, Hinz und Kunz meldeten sich zu Wort. Kritik an Israel und an deren Siedlungspolitik, das geht gar nicht. Israels Existenz vielleicht noch anzuzweifeln, das ist dann der mediale Selbstmord. Zeitgleich darf man aber palästinensische Kinder und Frauen töten und die Palästinenser selbst im größten Freiluftgefängnis wie Tiere halten. Wie man mit Palästinensern umzugehen hat, bewies uns Israel eindrucksvoll zuletzt 2014. 

Der Iran, welchen wir seit George Bush jun. "der Achse des Bösen" zuordnen, hat keiner Fliege etwas zuleide getan und muss deshalb jahrzehntelang sanktioniert werden. Wegen angeblichen Besitz von atomwaffenfähigen Materials. Beweise konnten natürlich bis heute nicht gefunden werden. Israel aber, hat ein Atomwaffenarsenal welches den ganzen Nahen Osten wegzusprengen vermag. Die Frage welches von den beiden Ländern gefährlicher ist, erübrigt sich eigentlich. Jedoch über Gut und Böse bestimmen nicht wir. Und dann kommt Deutschland ins Spiel. Deutschland welches bis in aller Ewigkeit wegen seiner unrühmlichen, dunklen Zeit, in der Schuld Israels stehe, liefert Atom-U-Boote zum Schleuderpreis eben dorthin. 

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Warum sollte man aber das nicht ansprechen dürfen? Warum gilt man sofort als Antisemit, wenn man mit Israels Politik nicht einverstanden ist. Hier wird über einen Kamm geschert, denn Israels Politik hat nichts mit den Juden selbst zutun. Besser einmal zu oft gewarnt vor einer Regierung wie der Israelischen, als einmal zu oft weggesehen. Reden wir über weitere Tatsachen. Es gibt einen Hass auf die Palästinenser. Viel mehr noch. Es wird von Seiten Israels ein Genozid an den Palästinensern betrieben. Langsam und klammheimlich wird dieser vorangetrieben. An einer Zweistaatenlösung ist Netanjahu sowieso nicht interessiert. Seine Lügen dahingehend sind erst im letzten Wahlkampf wieder ans Tageslicht gekommen. 

Wir dürfen uns über kein Thema den Mund verbieten lassen. In Zeiten wie diesen wird es immer wichtiger Dinge anzusprechen, wovon Andere Angst haben sie nur zu denken. Wenn wir dahingehend uns selbst Verbote auferlegen, können wir die Meinungsfreiheit bald begraben. Und andernfalls müssen wir uns eines Tages wieder die Frage gefallen lassen: "Warum in Gottes Namen, habt ihr nichts gesagt oder getan?"

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Günter Grass war kein Antisemit, sondern ein Warner. Ein Mensch der schon viel gesehen hat und mitgemacht hat und deshalb genau weiß, wie er die Signale deuten muss. Das müssen wir erst lernen und darum braucht es Menschen wie Günter Grass. Möge er in Frieden ruhen. 

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2 Kommentare

  1. Günter Grass konnte besser schreiben als dichten, aber er hat sein Talent geschickt genutzt, für Aufruhr zu sorgen und trotzdem nicht aus dem System zu fallen. Das Glück für die Kulturkritiker: Günter Grass kann verehrt werden, aber als Waffe ist er nicht zu gebrauchen. Dafür sei Dank.

     

     

  2. Günther Grass hatte mit der Kritik recht. Auch wenn das Volk einer Regierung wählt, ist sie deswegen nicht immer verantwortlich für deren grobe Verfehlungen, denn in Israel herrscht für die Bevölkerung wie für die Palästinenser eine Ausnahmesituation, und zur Wahl stehen meist nur selten akzeptable "Volksvertreter", die ihre wahren Absichten hinter Lügen und leeren Versprechungen verbergen. Und manchmal kann Kritik von außen den Israelis auch die Augen öffnen.Daß Grass in jungen Jahren bei der SS war und somit seine Kritik moralische Integrität vermissen lasse, ist für mich ein Einwand, der vor dem Hintergrund des Rechtes eines Menschen, sich zu entwickeln und auch eine Neuausrichtung in seinen Gedanken und Handlungen in die Wege zu leiten, kaum Bestand haben dürfte. Aber so, wie Deutschland ein ewiger Sünder sein muß, hat sich Israel die Rolle des ewigen Opfers zugelegt, die die Kritik an manchen nicht zu tolerierenden Entscheidungen der Regierungen Israels wie ein moralischer Spiegel zurückrflektiert. Ein Staat per se kann diese Rolle des Opfers gar nicht übernehmen, da es Israel noch gar nicht gab. Ich möchte hier auf keinen Fall das berechtigte Mitgefühl mit jüdischen Opfern und deren Sensibilität antasten, aber die Instrumentalisierung des Leids durch einen erst später gegründteten Staat als Harnisch gegen berechtigte Kritik ist aber ebenso zu verurteilen. Und schadet Israel weitaus mehr wie der kurzsichtige Vorteil, den es aus dem scheinbaren Kritikverbot zieht.

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