Deutschland: Immer weniger reguläre Jobs

Willkommen im Prekariat und der ungewissen Zukunftsaussichten. Die Zeiten, in denen unbefristete Stellen Normalität waren, sind längst schon vorbei. Innerhalb der letzten 20 Jahre nahm die Zahl der Teilzeitkräfte, geringfügig Beschäftigten, Zeitarbeiter und befristet Eingestellter um ganze 70 Prozent zu. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Von Marco Maier

Ein Haus bauen oder eine solide Familienplanung? Für viele Menschen in Deutschland ist das angesichts der oftmals prekären beruflichen Verhältnisse gar nicht mehr möglich. Trotz der angeblich "robusten Konjunktur" und der relativen wirtschaftlichen Stärke des Landes profitieren immer weniger Menschen davon. Sie sind für die Konzerne lediglich "Humankapital", ein Euphemismus für "Menschenmaterial".

Waren im Jahr 1993 noch 4,4 Millionen Menschen atypisch beschäftigt, so stieg die Zahl bis 2013 auf ganze 7,6 Millionen an. Ein sattes Plus von rund 70 Prozent. Der Anteil der atypisch Beschäftigten stieg in der Zeit den Angaben zufolge von 13,1 auf 21,4 Prozent. Dass es insgesamt mehr abhängig Beschäftigte gibt, ist vor allem auf die immer weitere Verbreitung von Teilzeitjobs zurückzuführen. 2013 arbeitete demnach fast jeder vierte Beschäftigte in Teilzeit.

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Demgegenüber ist der Anteil der Normalarbeitnehmer an den Erwerbstätigen in diesem Zeitraum von 76,8 auf 67,5 Prozent gesunken. Demnach waren 1993 noch 25,9 Millionen Arbeitnehmer in Vollzeit oder Teilzeit mit einer Wochenarbeitszeit von mindestens 21 Stunden, einem unbefristeten Job sowie einer vollen sozialen Absicherung beschäftigt. Im Jahr 2005, als Hartz-IV in Kraft trat, sank die Zahl sogar auf 22,1 Millionen ab. Danach stieg sie trotz Wirtschafts- und Finanzkrise bis zum Jahr 2013 wieder auf 24,06 Millionen an.

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Wie man deutlich erkennt, verschlechterte sich die Situation für die Arbeitnehmer in diesen beiden Jahrzehnten dramatisch. Und das, obwohl Deutschlands Wirtschaft in diesem Zeitraum insgesamt betrachtet stark gewachsen ist. Mit dazu beigetragen hat auch Hartz IV, welches von der damaligen rot-grünen Regierung beschlossen und auch von den nachfolgenden Regierungen nicht mehr in Frage gestellt wurde.

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3 Kommentare

  1. "…und auch von den nachfolgenden Regierungen nicht mehr in Frage gestellt wurde." – Wenn man weiß, dass die ganzen Spitzenpolitiker neben ihrer Parteizugehörigkeit Mitglieder in den gleichen merkwürdigen Clubs und Vereinigungen sind, erklärt sich von selbst warum das nicht mehr in Frage gestellt wurde. Wir können Wahlen in Deutschland einstellen. Egal, welche Partei man wählt, es kommt immer der gleiche neoliberale Inhalt dabei raus. Ich hoffe das hat nun auch der dümmste Bauer endlich kapiert.

    1. Richtig, sie sind alle nur einem Herrn udn Meister verpflichtet …. nämlich der Wallstreet und City of London und sie dienen nur einem…. ihrer eignen Geldbörse !

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