Churchill wollte 1945 gemeinsam mit den in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten und SS-Angehörigen neue Divisionen aufstellen, um so zusammen mit den Amerikanern nun gegen die Sowjetunion zu kämpfen. So macht auch dessen Aussage "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet" in Bezug auf Deutschland einen Sinn. Das Ziel, die UdSSR gleich mit Deutschland zu zerschlagen, wurde nämlich nicht erreicht.

Von Oleg Gorjunow, Übersetzung: Solveigh Calderin

3. Weltkrieg Bild 2Im Frühling 1945 befand sich die Welt am Rand des Beginns des 3. Weltkrieges. Der Premierminister Großbritanniens nahm den Plan der Operation „Undenkbar“ an, dem zufolge Großbritannien und die USA am 1. Juli 1945 einen plötzlichen Angriff gegen die sowjetischen Streitkräfte führen sollten.

Über alle Einzelheiten der geheimen Absprache der Verbündeten Stalins in der Antihitlerkoalition erzählte der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der UdSSR, der ehemalige Berater Gromykos Rostislaw Alexandrowitsch Sergejew dem Telekanal Swjesda: „Churchill überkam im Frühjahr 1945 Angst. Er verstand zu dieser Zeit, dass der Sieg im Krieg gegen Hitler Stalin errang. Und er hatte Angst, dass die sowjetischen Streitkräfte weiter gehen, und Europa erobern. Aber tatsächlich gab es nichts dergleichen in den Absichten der Sowjetunion.“

3. Weltkrieg Bild 1Auf diesem Foto ist das Titelblatt dieses Planes. Dieses Dokument mit der Kopfzeile „Absolut Geheim“ beinhaltet auch den Plan „Undenkbar“. Auf dem letzten Blatt steht das Datum – 22. Mai 1945.

„Dieser Plan war so sehr geheim, dass weder die Aufklärung noch diplomatische Quellen irgendetwas über ihn aufklären konnten. Churchill selbst hat sogar neun Jahre nach dem Ende des Krieges kein Wort darüber in seinem Buch „Der zweite Weltkrieg“ erwähnt“, sagt der Veteran des diplomatischen Dienstes Sergejew.

Deutsche KriegsgefangeneDer undenkbare Plan Churchills schlug vor, dass am 1. Juli 1945 47 britische Divisionen, sollte die sowjetische okkupierte Zone Deutschlands erobern, mit Unterstützung von Panzern Dresden, Berlin und Breslau einnehmen, und in Polen einzumarschieren. Die Briten wollten die Luftwaffe der UdSSR vernichten, das Baltikum vom Meer her blockieren und Diversionen im sowjetischen Rücken organisieren. Sie planten kriegsgefangene Deutsche zu benutzen – aus Soldaten der SS und der Wehrmacht sollten 10 – 12 Divisionen formiert werden und an die Front zurückgeworfen werden: „Sie werden sich freuen, gegen die Bolschewiken zu kämpfen“, – das ist ein Zitat aus der Operation „Undenkbar“

Es war geplant, den Krieg gegen die UdSSR zum 1. Januar 1946 abzuschließen – das heißt „alles in allem“ wurden insgesamt fünf Monate gegeben. Es war geplant, Stalin zum Neuen Jahr 1946 in Moskau am Verhandlungstisch zum Friedensschluss zu gratulieren.

„Die Hauptaufgabe Churchills bestand 1945 darin, die Amerikaner zur Teilnahme an dieser abscheulichen – im Grunde aber abenteuerlichen – Operation zu überreden. Den englischen Premier quälten allem Anschein nach keinerlei Gewissensbisse. Seit 1941 war er „notgedrungen“ Verbündeter der UdSSR. Die Vereinbarungen über die Eröffnung der Zweiten Front begann Churchill ausschließlich aus Angst darüber, dass die deutschen Streitkräfte Großbritannien okkupieren könnten. Als unsere Streitkräfte am Ende des Krieges nach Berlin kamen, beschloss er, dass ihn keine Bündnispflichten mehr hielten“, bestätigt Rostislaw Sergejew.

Drei „diplomatische“ Fehler an der Kriegsfront

Am 6. Mai 1945 verletzte die 16. Panzerdivision der Dritten US Armee, die General George Patton kommandierte, die Vereinbarungen von Jalta mit der UdSSR grob, indem er die Stadt Pilsen einnahm, die sich im Zentrum der sowjetisch okkupierten Zone befand. Das Ziel der Amerikaner war vor allem der Komplex der Skoda-Werke, dort befand sich das Zeichenbüro Hans Kammlers, Obergruppenführer SS, der für das Programm der nazistischen Wunderwaffen verantwortlich war. Nach sechs Tagen, am 12. Mai 1945 marschierte die Rote Armee in Pilsen ein, aber die Offiziere Pattons weigerten sich, den Russen die Kontrolle über die Stadt zu übergeben. Nur die offene Drohung eines der Kommandeure der sowjetischen Spezialeinheiten, Hauptmann Jewgenij Oljesinskij, der zufällig oder nicht, versprach „die Amerikaner mit Bajonetten hinauszuwerfen“, zwang die Amerikaner, sich zurückzuziehen – in den Westen.

„Churchill überredete in dieser Zeit den neuen Präsidenten der USA Truman, der Roosevelt auf seinem Posten abgelöst hatte, die Einnahme Berlins und Prags durch die sowjetischen Streitkräfte um jeden Preis zu verhindern“, sagt der Diplomat.

Stalin ChurchillAm 22. Mai 1945, gerade an dem Tag, als in London der Plan „Undenkbar“ angenommen wurde, begannen Soldaten des 13. Britischen Korpus Viertel von Triest einzunehmen, in denen sich jugoslawische prokommunistische Gruppen unter der Leitung Bros Titos befanden. Das war schon eine offene Herausforderung der UdSSR, denn Stalin versprach, „Jugoslawien jede Unterstützung zu leisten“. Indem sie den Kampf nicht aufnahmen, die Jugoslawen sich zurückzogen, könnte somit den Beginn des dritten Weltkrieges verhindert haben.

Soldaten„Nehmen wir das berühmte Treffen an der Elbe vom 25. April 1945 – denn sie kommt aus derselben Reihe der sozusagen „diplomatischen“ Fehler an der Kriegsfront. Sehen Sie, nach der Vereinbarung von Jalta, hätten die amerikanischen Streitkräfte einige hundert Kilometer entfernt von dem Ort, an dem sie sich mit den Soldaten der Roten Armee trafen, stehen bleiben müssen. Nun, sie verbrüderten sich, fotografierten sich und, so sagt man: „Good bye, America!“ Wegen der Elbe sagten uns die Verbündeten: Aber Ihr müsst uns Wien überlassen. Nun, wir überließen es auch, wenn auch erst nach den Vereinbarungen von Potsdam“, erinnert sich Rostislaw Alexandrowitsch.

Die Rote Armee ist stärker als alle!

Die englischen Militärs, indem sie den Plan der Operation „Undenkbar“ aufstellten, wussten unzweifelhaft, dass in England bald Wahlen sein würden, die Churchill verlieren könnte. Darum beeilten sie sich nicht, die „Frühlingseskalation“ in den Beziehungen zwischen Großbritannien und der UdSSR zu begünstigen. Es gab auch noch einen Grund der Militärs, den Plan nicht nur „undenkbar“, sondern auch „unerfüllt“ zu machen: Der Krieg war beendet, viele träumten vom Frieden, darum überzeugte das Komitee der Vorsitzenden des Stabs Großbritanniens Churchill, dass ein Blitzkrieg nicht gelingt – es würde ein langwieriger Krieg. „Die Russen nehmen Norwegen, Griechenland und möglicherweise die Türkei mit dem Irak… vor ihnen erweisen sich Holland und Frankreich ungeschützt“, wurde in dem Geheimdokument gesagt, dass sie ihrem Premierminister auf den Tisch legten.

Truman"Eine große Rolle in dieser Geschichte spielte das diplomatische Amt der Sowjetunion. In den USA arbeitete damals auf dem Posten des Botschafters Andrej Gromyko, in Großbritannien – Iwan Majskij. Der Türkei brachte Sergei Winogradow von einem Marsch auf Russland ab, in Tokio bremste Jakow Malik die militärischen Absichten so gut er konnte. Nicht ohne Grund erhielt jeder von ihnen nach der Beendigung des Großen Vaterländischen Krieges den Leninorden. Die ganze Welt „applaudierte“ 1945 den sowjetischen Streitkräften, die nicht an ihren Grenzen stehenblieben, aber zum Preis riesiger menschlicher Verluste Europa befreiten“, sagt der ehemalige Assistent A. Gromykos.

Zur Idee des plötzlichen Überfalls auf die Sowjetunion verhielten sich auch die amerikanischen Streitkräfte kühl. Sie informierten ihre Leitung darüber, dass Stalin in Antwort auf den Überfall ein Militärbündnis mit Japan abschließen könnte, das durchaus mit einem schlimmen Blutvergießen enden könnte. Das wiederum nützte dem gewählten Präsidenten Truman überhaupt nichts.

„Gut, wenn Sie damit rechnen, dass sie uns mit Japan helfen müssen, so mögen sie helfen, aber wir beenden damit die Freundschaft zu ihnen“, antwortet Truman seinen Militärs.

Die Verhinderung des Dritten Weltkrieges, der durch Churchill im Frühling 1945 geplant worden war, ist zweifellos das Verdienst der sowjetischen Soldaten, die durch extreme Anstrengungen Berlin genommen haben. Die glänzende Erfüllung des Planes Schukows zum Sturm der deutschen Hauptstadt, setzte einen fetten Punkt hinter den amoralischen Plan Churchills. Der Große Sieg im Kampf mit dem Faschismus Deutschlands, der mit der vollkommenen und bedingungslosen Kapitulation der Streitkräfte der Wehrmacht beendet wurde, hat zweifelsohne den Eifer des britischen Premiers abgekühlt. Die Operation „Undenkbar“ rechtfertigte seinen Namen vollkommen.

Der Artikel erschien im russischen Original bei tvsvezda.ru

5 COMMENTS

  1. Das ist eine uralte Geschichte und keine neue Meldung, das ist so alt, wie die Kapitulation im Mai 1945 und hat einen entsprechenden Bart (Die gefangenen Deutschen wieder bewaffnen und dann zusammen gegen die Sowjets). Vom Propgandalügengedröhn des russischen Schreibers fang ich dann mal gar nicht erst an.

    • Nun Ihr Kommentar, Marcus Junge, zeigt überdeutlich, dass dieser Artikel, gerade heute mitten ins Herz der ewig Gestrigen und kriegshetzenden Russophoben von angloamerikanischen Gnaden wie Sie trifft und also auch genau zur rechten Zeit wieder ins Gedächtnis der Menschen gerückt wird!

      Ihnen und Ihresgleichen, den Kriegshetzern, fällt ja nun auch wirklich nichts Neues mehr ein, um Russland und jeden, der Ihre Raub- und Mordzüge nicht gutheißt zu diffamieren, als das, was Sie und Ihresgleichen seit 150 Jahren immer und immer wieder tun: Die anderen mit dem eigenen Dreck bewerfen!

      Das verfängt nur immer weniger. Haben Sie das noch nicht bemerkt?

    • Ich kann nirgends erkennen, dass dort steht, dass es eine Neuigkeit ist. Soll also jede Meldung genau einmal erscheinen und danach in den Archiven verschwinden? Jeder Mensch der lebt, hat ein Recht darauf, zu wissen, wie die Vergangenheit war. Mit jeder Veröffentlichung werden Menschen diese zum ersten Mal hören. Aufklärung und Vermitteln von Wissen ist wichtig und kein Privileg von Zeitgenossen.

  2. Pff, der Zeitpunkt des Artikels ist ideal gewählt, immerhin kommen doch jetzt, zumindest im alternativen Bereich, mehr und mehr Informationen ans Licht, die eine Revision von WK I und II immer notwendiger erscheinen lassen.

    Die Info ist weder neu noch sonderlich überraschend, aber sie verdeutlicht einmal mehr, von was für Menschen wir uns anführen lassen.

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