Bausünden: An den Bedürfnissen der Menschen vorbei gebaut

In Deutschland tut sich einiges. Wo man auch hinsieht, überall sind Baustellen zu sehen, wachsen neue Gebäude gen Himmel – und nicht immer sind diese schön anzusehen. Aber davon einmal abgesehen: die städtebauliche Planung passt sich dem Zeitgeist an. Modern soll es werden, hell und nach Möglichkeit geräumig. Jedes Fleckchen Brachland wird in den Großstädten genutzt, um neue Häuser zu platzieren. Doch da gibt es ein paar Fehler in der Planung. Nehmen wir speziell als Beispiel einmal Hamburg.

Von Marcel Grasnick

Gut, oder besser, nicht gut – die Stadtväter haben sich entschieden, sich und der Stadt ein neues Denkmal zu setzen. Das es nun zum Denkmal für Hohn und Spott aus der Bevölkerung wurde, damit wurde natürlich nicht gerechnet. Ein Milliardengrab ist sie geworden, die neue Elbphilharmonie. Grund für gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Stadt und bauausführenden Firmen. Die Gerichte sind ja absolut in unserer heutigen Zeit unterlastet, möge man meinen, um sich solcher spezieller Querelen anzunehmen.

Ein Denkmal muss gesetzt werden, um neue Besucher anzulocken. In Hamburg sind eben noch nicht genug Touristen, auch wenn die Hafengegend die Geldquelle für den Senat ist, Menschenmassen sich an sonnigen Tagen über die Landungsbrücken schieben. Nein, die Stadt braucht ein neues Wahrzeichen. Das alte, der Michel oder offiziell auch Sankt Michaeliskirche genannt, ist nicht mehr zeitgemäß und ausreichend.

Der Wahnwitz geht aber auch noch weiter, von bereits genanntem Desaster einmal abgesehen und dürfte auch in jeder größeren Metropole so in der Art erkennbar sein. Denn wenn gebaut wird, dann doch nicht nach Bedarf. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Städte, ohnehin schon vollgestopft mit sinnlosen Bauten, mal sinnvolle bekämen würden. Ein neues Bürogebäude muss her – es gibt ja noch nicht genug leerstehende. Aber für die steuerliche Abschreibung der Firmen macht es eben schon Sinn. Die Immobilienmagnate haben noch nicht genug, da geht noch was, dass muss mehr werden.

Aber wenn dann tatsächlich doch neue Wohnungen gebaut werden, die zudem dringend gebraucht werden, dann ist die Planung schon wieder fehlerhaft. Stolz verkünden die Stadtväter, oder auch offiziellen Stadtnarren, man weiß es eben nicht so ganz genau, dass ganz ehrgeizig für die kommenden Jahre 11.000 neue Wohnungen geplant sind. So weit, so gut. Doch dass der Großteil davon unbezahlbare Eigentumswohnungen oder exklusive Objekte sind, die sich Otto Durchschnitt oder Erika Normal nicht leisten können, geschweige denn beide zusammen womöglich noch mit einer Anzahl Kinder dran, das geht in den stolz verkündeten Pressemitteilungen unter. Dass Stadtbild soll modernisiert werden und verkommt doch nur zu einer bunten Ansammlung aus Beton, Chrom und Glas. Aber dieses Thema an sich ist ja schon alt.

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Dass bei einer Wohnungsbesichtigung gelegentlich bis zu 50 oder mehr Interessenten auf der Matte stehen, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden. Und dass der Vermieter sich dann wohl die für ihn genehmste Variation herauspickt, dürfte ebenso klar sein: Zahlungskräftig, keine Kinder, keine Tiere, seriös. Also kurz gesagt, Angehörige der gehobenen oberen Mittelschicht. Doch für diese werden schon die prunkvollen Neubauten hingesetzt, die oftmals und sehr lange leer stehen. Ein Dilemma. Klar, es gibt auch Sozialwohnungen und den Bedarfsschein von Amts wegen, doch wo bleibt die – nennen wir sie einmal so – untere Mittelschicht? Eine bezahlbare Wohnung in einer Metropole zu finden gleicht da schon dem sprichwörtlichen Sechser im Lotto. Glück und Zufall sind die wichtigsten Helfer bei der Wohnungssuche, egal wie dringend es ist. Es gibt viele freie Wohnungen und noch mehr Interessenten, doch leisten kann sich diese freien Wohnungen in der heutigen Zeit noch kaum jemand. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Immobilienblase platzt.

Doch damit nicht genug der Nörgelei. Denn selbst bisherige Szene-Stadtteile mit ihrer besonderen Ausstrahlung werden "latte macchiatorisiert", wie sich eine Bekannte so wortfein ausdrückte. Das heisst, sie werden dem Zeitgeist angepasst. Schön, die Häuser werden modernisiert, bekommen eine neue Dämmung oder neue Fenster und Heizung – aber natürlich erst, wenn die alten Mieter mit den billigen Alt-Mietverträgen "rausgemobbt" wurden. Um dann die Wohnung für den zigfachen Preis wieder zu vermieten. Juppies raus und seriöse Mieter rein. Alte Strukturen aufbrechen, Lebensgefühl zerstören um jeden Preis der Modernität. "Wir wollen das Lebensgefühl erhöhen und das Stadtbild moderner gestalten, damit sich alle Menschen wohlfühlen können". Natürlich auf Kosten der Spiritualität, die in vielen Vierteln im Laufe der Jahre gewachsen ist. Hauptsache die Mieten steigen, die Umsätze und Gewinne der Wohneigentümer. Ob es nun von den Nutzern, den Mietern, gewünscht wird oder nicht.

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3 Kommentare

  1. Die Städte sind grottenhäßlich. Die schönen alten Gründerzeitstraßen werden verhunzt mit mehrstöckigen Neubauklos, barocke Kirchen umzingelt, überall schießen die Plattenbauten aus dem Boden in der Stadt wie auf dem Land. Kornrad Lorenz sagte schon früher über die Städte, von oben sähen die aus wie Krebsgeschwüre.

    Das heißt, die Zukunft gestalten und der Charakter der Städte ist doch der einer schmuddeligen Wohngemeinschaft, wo das Treppenhaus müffelt und er Abwasch 3 Wochen vor sich hingammelt.    

    Die Elbphilharmonie hätte Hamburg sich gar nicht leisten dürfen wegen der Schuldenbremse. Der Bundesrechnungshof hat die Planung des öfteren kritisiert. Sie ist eine Zuammenarbeit der Stadt mit privaten Unternehmen zum Schaden der Stadt. Deshalb ist die so überteuert.  
    Dasselbe Prinzip von privat und öffentlich wird auch bei den Autobahnen angewandt. Deshalb werden die nicht fertig und sind am Schluß total überteuert.

  2. es ist nicht nur bedarf… wenn man die zinsen auf 0 fixiert, müssen sachwerte gekauft werden, was ihre preise schnell steigen lässt. außerdem sind die kredite billig, was auch viele käufer generiert. die folgen der rettungspolitik für banken und staaten. das geht so weiter, solange das system läuft. die zinsen können sie nicht mehr steigen lassen, weil dann die schulden sofort nicht mehr bedienbar sind.

    1. Fazit: Deflation.

      Sachwerte,vor allem das Gold, werden ihr Waterloo erleben.

      Das Inflationsgerede während der Finanzkrise war gesteuert, ein Täuschungsmanöver, weil sonst die Fonds ausgestiegen und die Börsen abgesoffen wären. Gerade die massiven kurzfristigen Kredit, Ratenkredite für 0 Prozent auf Fernseher, Kühlschränke und der Einzug des Leasings zeigen das Manko der Kreditwirtschaft, es herrscht Mißtrauen, langfristig will sich keiner mehr binden.

      Japan wäre längst untergegangen mit Auslandsschulden. Die Staatsanleihen sind fast vollständig in der Hand der Bevölkerung. 

      Praktisch tariert Draghi nur noch die richtige Fallhöhe aus.

      Drum prüfe, wer sich ewig bindet ..

       

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