Oppositionelle Politiker in der Ukraine sind offenbar weniger Wert als russische Oppositionelle. Während man bei Nemzow und Nawalny medial ein Fass aufmacht, sterben ukrainische Oppositionspolitiker wie die Fliegen. Und niemanden interessiert es.

Von Marco Maier

Der oft beschworene Gleichheitsgrundsatz scheint bei den deutschen "Qualitätsmedien" keine Rolle zu spielen, wenn es um Oppositionspolitiker geht. Zumindest dann nicht, wenn es sich dabei um russische und ukrainische Oppositionelle handelt. Dies wird umso deutlicher, als die (angeblichen) Suizide von acht ukrainischen (Ex-)Mitgliedern, bzw. Mitarbeitern der oppositionellen "Partei der Regionen" des ehemaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch hierzulande kaum eine Rolle spielen.

  • So soll sich die ehemalige Direktorin des Staateigentumsfonds der Ukraine Valentina Semenjyuk-Samsoneko am 27.08.2014 angeblich mit einem Kopfschuss umgebracht haben.
  • Am 26.01.2015 soll sich Mykola Serhiyenko, ehemaliger Chef von Ukrsalisnyzja Boss, mit einem Jagdgewehr selbst erschossen haben.
  • Oleksiy Kolesnyk, ehemaliger hochrangiger Regionalpolitiker in Kharkow soll sich am 29.01.2015 selbst erhängt haben.
  • Ebenfalls selbst erhängt haben soll sich am 25.2.2015 Sergey Walter, ehemaliger Bürgermeister von Melitopol.
  • Am 26.02.2015 soll nach offiziellen Angaben Oleksandr Bordyuh, aktiver stellvertretender Polizeichef von Melitopol, an einem plötzlichen Herzanfall gestorben sein.
  • Mit einem Sprung aus dem Fenster soll sich am 28.02.2015 Mykhaylo Chechetov, stellvertretender Vorsitzender der Partei der Regionen, und ehemaliger Direktor des Staatseigentumsfonds, das Leben genommen haben.
  • Stanislav Melnik, ehemaliger Ministerpräsident, Partei der Regionen, soll sich am 10.03.2015 mit einem Gewehr in seinem Bad erschossen haben.
  • Und der letzte in der Reihe jener Oppositioneller die sich (angeblich) selbst das Leben nahmen, ist am 12.03.2015 Oleksandr Peklushenko, ehemaliger Gouvernor von Saporischschja. Er soll Selbstmord durch einen Genickschuss begangen haben. Ja, sie haben richtig gelesen: Selbstmord durch Genickschuss.

Zwar wurden Ermittlungen aufgenommen, doch wenn sie nach dem selben Muster verlaufen, wie jene zu den Todesschüssen am Maidan oder dem Pogrom von Odessa, werden die Ergebnisse ohnehin so ausfallen, wie es sich die regierende Clique in Kiew vorstellt. Dementsprechend wenig Interesse besteht auch bei unseren "Qualitätsmedien", in dieser Sache etwas nachzuhaken. Immerhin zählt die Kiewer Oligarchenriege ja zu den "Guten".

Gäbe es eine solche Häufung von (angeblichen) Suiziden bei russischen Oppositionspolitikern, wäre der mediale Aufschrei in etwa so groß, wie beim Nawalny-Prozess oder bei der Ermordung des Kreml-Kritikers Nemzow. Davon kann man mit ziemlicher Sicherheit ausgehen. Denn russische Oppositionelle sind viel mehr Wert als jene in der Ukraine. Gleiches Recht für alle gilt hier nicht.

Angesichts des Umstands, dass diese PdR-Politiker zum Umfeld Janukowitschs gehörten, sowie ausgewiesene Kritiker der aktuell regierenden Clique waren, darf auch über inszenierte Suizide spekuliert werden. Immerhin sind die Umstände zumeist recht dubios. Ganz zu schweigen davon, dass in den letzten Monaten auch einige Helfershelfer des "Rechten Sektors" ermordet wurden. Um es nach Friedrich von Schiller zu sagen: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen!"

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Nun stellt sich die Frage, wie viele Oppositionelle und "HiWis" aus der extremen Rechten des Landes noch durch fremde Hand aus dem Leben scheiden werden. Immerhin scheint es sich hierbei um eine teilweise verdeckte "Säuberungsaktion" zu handeln, in der unliebsame politische Gegner aus dem Weg geräumt werden. Sowohl die ehemaligen Gegner wie jene von der Partei der Regionen, als auch die ehemaligen Unterstützer auf dem Maidan in Form des Rechten Sektors und anderer rechtsextremer Gruppierungen.

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8 KOMMENTARE

  1. 1) Zu Mykhaylo Chechetov möchte ich noch Folgendes ergänzen.

    Wenige  Tage vor seinem mysteriösen Tod am 28.2. wurde er aus der Haft gegen Zahlung einer sehr hohen Kaution (5 Millionen Griwna) entlassen. Bezahlt jemand eine hohe Kaution, um sich danach aus dem Fenster seiner Wohnung im 17. Stock zu stürzen?

    Er war am 21.2. arrestiert worden, nachdem er Wahlbetrug in großem Ausmaß bei der Rada-Wahl im Oktober nachgewiesen hatte.

    2) Bei Oleksandr Peklushenko sollte das Datum wohl 12.03.2015 heißen!

    • so machten es die Nazis und so machen es die Amis. Nazis und Amis sind ein und das selbe! Nur das der neue Hitler diesmal auch von der Hautfarbe braun ist. Wenn Europa nicht so langsam aufwacht, haben wir den dritten Weltkrieg, dank der schönen“ Demokraten“ (Supernazies) aus Amerika.

  2. Ja, das ist merkwürdig.

    Es stellt sich die berechtigte Frage -weil es eigentlich ganz offensichtlich ist, dass der pöhse Putin nur der übliche Täter sein kann- warum die CIA und ihre hiesige befehlsgewohnte Medien-Kamarilla diese Steilvorlage nicht nutzt.

    Eine echt verpasse Chance insbesondere für unsere Staats- und Dummfunker.

    Waren diese möglicherweise wieder einmal zur "Weiterbildung" nach Langley oder ins Nato-Killer-Hauptquartier abgeordnet, um die neuesten zeichnerischen Ergüsse von Kerry's jüngstem Sohn zu bestaunen und mit denen von Colin Powells kleiner Tochter zu vergleichen, die Saddams Atomwaffen so bildlich dokumentierte?

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