Sanaa, die Haupstadt des Jemen. Bild: Wikimedia / Ferdinand Reus CC BY-SA 2.0

Die momentane kritische Lage im Jemen sorgt teilweise für Panik an diversen Märkten. Während die Börsen mit Kursrückgängen reagierten, zog der Ölpreis an. Dafür gibt es auch einen wichtigen Grund.

Von Marco Maier

Seit 2013 herrscht im ehemals geteilten Jemen ein Bürgerkrieg. Sowohl schiitische Milizen der Huthi und radikal-sunnitische Kämpfer eines Al-Quaida-Ablegers bekämpfen die Zentralregierung und sich gegeneinander. Sunnitische Stämme schlossen sich zudem noch der Al-Quaida an, obwohl sie nicht derart radikal sind, um die schiitischen Huthi-Rebellen zu bekämpfen.

Doch als Ölproduzent selbst ist Jemen mit einer täglichen Produktion von 133 Millionen Barrel (weltweit Rang 39) zu unbedeutend, um solche Verwerfungen zu verursachen. Vielmehr liegt dies an dem Umstand, dass das Land an einem Schnittpunkt der Transportwege von Öl liegt. Vor allem das Erdöl aus Saudi-Arabien wird durch die rund 27 Kilometer breite Meeresstraße Bab al-Mandab ("Tor der Tränen") transportiert.

Die viertmeist befahrene Wasserstraße der Welt, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, liegt zwischen Jemen, Dschibuti und Eritrea. Gleichfalls ist sie ein Abschnitt, in dem die Piraterie ein großes Problem darstellt. Infolge der Ausweitung des Konflikts wird nun befürchtet, dass sich dieser Transportweg schließt.

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Öltanker, die vom Persischen Golf kommen, würden dann nicht mehr den Suezkanal erreichen können. Davon betroffen wäre insbesondere Asien: Schiffe, die aus Europa oder Nordafrika kommend Öl und andere Güter nach Asien transportieren, wären bei einer Schließung des Bab al-Mandab gezwungen, den weiten Weg unterhalb der Süspitze Afrikas zu nehmen. Ebenso Schiffe, die Güter aus Asien nach Europa liefern.

Das dürfte auch ein wesentlicher Grund für das Eingreifen der Saudis, der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars und Kuwaits sein, die mit der Unterstützung des nach Aden geflohenen, sunnitischen Präsidenten des Landes vor allem den schiitischen Rivalen Iran im Zaum halten wollen, der wiederum die Huthi-Rebellen unterstützt.

Nun stellt sich die Frage, wie es weitergehen wird. Immerhin stellen die Schiiten zwischen 35 und 40 Prozent der jemenitischen Bevölkerung, die sich jedoch durch die sunnitische Führung benachteiligt sehen. Hinzu kommt die – wie in Libyen bestehende – Stammesgesellschaft, die eine nationale Einigung massiv erschwert.

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2 KOMMENTARE

  1. Solange die Araber ihre sektiererischen Religionsstreitereien und ihre mittelalterlichen Stammesfehden machtgierig gegeneinander austragen sowie ihre Rachegelüste weiter munter untereinander kultivieren, solange sind sie den Grossmächten gnadenlos ausgeliefert.

  2. Jammerschade um dieses wunderschöne vielschichtige Land u. seine freundlichen Menschen..

    Wäre gerne noch öfter hingefahren.   Prof. Dr. G. W. Schuster

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