Das AKW Tihange in Belgien. Bild: Flickr / Andreas Krischer CC-BY-ND 2.0

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die beiden Atomreaktoren des belgischen AKW Doel in Flandern und des AKW Tihange in Wallonien von tausenden Rissen übersät sind. Nun wurde auch ein Reaktor des französischen Atomkraftwerks Fessenheim stillgelegt, nachdem Leitungen im Maschinenraum barsten. Marode Atomkraftwerke werden zusehends zu einem gewaltigen Sicherheitsrisiko in Europa.

Von Marco Maier

Wie Untersuchungen ergaben, wurde beim Bau der Atomreaktoren vor rund 30 Jahren im belgischen Doel und im wallonischen Tihange offenbar schon fehlerhaftes Material verwendet, so dass die tausenden Risse nicht auf Materialermüdung zurückzuführen sind. Dies teilten der Betreiber Electrabel und die belgische Atomaufsicht FANC mit. Damit stellen die Atomkraftwerke geradezu tickende Zeitbomben dar.

13.000 Risse mit bis zu 18 Zentimenter Länge zählte man nun in Doel, nachdem man bei Messungen 2012 noch 8.000 Risse mit maximal 9 Zentimentern Länge registrierte. In Tihange stieg die Zahl der Risse von 2.000 auf 3.150, deren Länge von 6 auf 15,5 Zentimeter. Als ein mögliches "globales Problem der Atomkraftwerke" hatte Jan Bens, Leiter der belgischen Atomaufsicht FANC, die Risse in den Druckbehältern bezeichnet. Insgesamt besitzt Belgien an den Standorten Doel und Tihange sieben Nuklearreaktoren, die im Zuge des Atomausstiegs nacheinander abgeschaltet werden sollen. Doch bis dahin bleibt das Risiko von Hüllenbrüchen bestehen – und steigt sogar von Monat zu Monat weiter an.

Indessen vermeldet auch Frankreich die Abschaltung eines Nuklearreaktors. Der Reaktorblock 1 der Anlage in Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze wurde am Samstag stillgelegt. Grund dafür sind undichte Rohrleitungen außerhalb der Nuklearzone. Reaktorblock 2 sei am Samstag wegen geplanter Wartungsarbeiten für mehrere Wochen stillgelegt worden.

Loading...

Das Atomkraftwerk ist das älteste Frankreichs und seit 1977 in Betrieb. Angesichts der Sicherheitsbedenken hinsichtlich der völlig veralteten Anlagen sollte bald schon die Stilllegung erfolgen. Präsident Hollande versprach zwar, Fessenheim abzuschalten, doch einen endgültigen Termin nannte er nicht. Damit wird der Schrottreaktor wohl noch mindestens bis Ende 2016 am Netz bleiben.

Angesichts der potentiellen Gefahr infolge von größeren Unfällen in den Atomkraftwerken sollte es eigentlich klar sein, dass solche Schrottreaktoren schnellstmöglich vom Netz genommen werden. Insbesondere die vielen Uralt-AKW stellen hierbei eine enorme Bedrohung für die Gesundheit dar, zumal sich die radioaktive Strahlung – wie es schon Tschernobyl zeigte – sehr schnell über den Kontinent verteilt.

Bitte unterstützen sie uns!

Wenn Sie liebe Leser, uns unterstützen wollen, dann tun sie das am besten mit einer Spende oder mit einem Dauerauftrag mit dem Kennwort "Contra Magazin" auf folgendes Konto: IBAN: DE28 7001 1110 6052 6699 69, BIC: DEKTDE7GXXX oder per Paypal und Kreditkarte. Wir bedanken uns herzlich!

Loading...

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here