Der Armeedienst Gottes

Das evangelische Frauenbegegnungszentrum am Römerberg hat die palästinensische Christin Sumaya Farhat-Naser eingeladen. Die Wissenschaftlerin arbeitet als Friedensvermittlerin im Westjordanland und stellt ihr neues Buch „Unter dem Feigenbaum“ vor. Ich bewundere den Lebensmut dieser Frau, die seit Jahrzehnten unter der israelischen Besatzung leidet. Am schlimmsten seien die zionistischen Christen, sagt sie. Sie hätten allein in Jerusalem sieben missionarische Zentren. Mit großem Erfolg würden sie den Menschen beibringen, dass die Politik Israels – Landraub, Vertreibung und Entrechtung der Araber – dem Willen Gottes entspricht.

Wie israelische Politiker das Alte Testament in die Gegenwart zoomen, um die Geschichte Gottes mit „seinem Volk“ weiterzuführen, darüber schreibt Shlomo Sand in Die Erfindung des Landes Israel: „In nicht allzu ferner Vergangenheit wurde ausgerechnet das Buch Josua von breiten zionistischen Kreisen, deren prominentester Vertreter sicherlich David Ben-Gurion war, allen anderen biblischen Büchern vorgezogen, und das, obwohl viele Intellektuelle seit den Tagen der Aufklärung sich wegen der in ihm geschilderten Vernichtungsaktion (besser: „Vernichtungsgebot“, Anm. d. A.) vom Buch Josua distanziert haben. Die Geschichte der Besiedlung und Rückkehr des „Volkes Israel“ in sein verheißenes Land hauchte den Gründervätern des Staates Begeisterung und Tatendrang ein, sie stürzten sich regelrecht auf die inspirierenden Analogien zwischen der biblischen Vergangenheit und der nationalen Gegenwart.“ Der Autor verweist anschließend auf die hohe Präsenz des Buches Josua in der heutigen jüdisch-israelischen Gesellschaft.

Viele Juden in Israel leben in einer vormodernen Glaubenswelt, wie es sie in Deutschland zuletzt vor Martin Luther gegeben hat. Sumaya Farhat-Naser sagt in Bezug auf ihre alltäglichen Erfahrungen unter der Besatzung: „Was früher der Kommunismus war, ist heute die Religion!“

Pflugscharen zu Schwertern

Christliche Zionisten rennen in Israel offene Türen ein. Laut der letzten Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts (IDI) von Oktober 2013 (also vor dem Gazakrieg, Anm. d. A.) unterstützen 57,7 Prozent der jungen jüdischen Israelis (Alter 18-24) eine „sanfte ethnische Säuberung“, sprich eine Regierungspolitik, die arabische Israelis zur Auswanderung drängt.

Die Rechtsfaschisten in der Knesset lieben übrigens die Internationale Christliche Botschaft Jerusalems (ICEJ), die für zionistische Christen die Funktion eines Brückenkopfs hat. Hier bedankt sich der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu persönlich bei dem Missionszentrum für die „Freundschaft und Großzügigkeit während der Militäroperation Fels in der Brandung“ im Sommer 2014.

Die Staatsterroristen

Israelische Rechtsfaschisten und christliche Zionisten verfolgen exakt die gleiche Ideologie: Sie nehmen das Alte Testament als Grundbuch für den Staat Israel, was bedeutet, dass das heutige Israel die in der Bibel beschriebenen Landesgrenzen einzunehmen hat. Es gibt in Israel praktisch keinen einzigen Tag, an dem nicht israelische Panzer Häuser von Palästinensern/Muslimen planieren.

Nach Amos Oz, einem israelischen Schriftsteller, Journalisten und Mitbegründer der politischen Bewegung Peace Now, „sind die Wurzeln von Groß-Israel in der Likud-Partei und deren historischen Vorläufern zu suchen – also unter säkularisierten jüdischen Nationalisten.“ Die Likud-Partei ist in Israel so regelmäßig an der Macht wie Bayern München Deutscher Meister wird, ohne die Idee von Eretz Israel/Groß-Israel ein einziges Mal wirklich aufgegeben zu haben. Unter Eretz Israel verstehen Zionisten im Prinzip ganz Palästina. Auf offiziellen israelischen Landkarten gibt es das besetzte Westjordanland  nicht mehr. Es ist bereits als israelisches Staatsgebiet ausgewiesen.

Kalifat des Schreckens

Wie viele Millionen Christen und Juden gibt es wohl weltweit, die ihren Glauben nicht religiös-spirituell begreifen, sondern ethnozentrisch-territorial, indem sie aus Mitgliedern der jüdischen Religionsgemeinschaft aus unterschiedlichen Nationen, bzw. aus sich selbst, ein jüdisches Volk machen und es an einen bestimmten Landstrich auf dieser Erde binden?

Das Douglas E. Goldman Jewish Genealogy Center http://www.bh.org.il/databases/jewish-genealogy/ in Tel Aviv gibt Besuchern „die Möglichkeit ihre Abstammung zu erforschen, ihre eigenen Familienbäume für zukünftige Generationen aufzuzeichnen und zu bewahren, indem sie ihren eigenen Zweig dem Familienbaum des „jüdischen Volkes“ hinzufügen.“ Bereits 5 Millionen Personen seien in der expandierenden Datenbank aufgenommen worden. Die Vorstellung, dass es sich bei Juden um Religionsangehörige  und nicht um Stammesmitglieder handelt, scheint in der jüdischen Welt nicht allzu weit verbreitet zu sein, wenn man bedenkt, dass es weltweit nur ca. 14 Millionen Juden gibt. Und ich dachte immer, die wesentliche Konsequenz aus der Zeit des Nationalsozialismus ist die für alle verpflichtende Überzeugung, dass Juden nicht anders sind.

Israel wird zunehmend zu einem christlich-jüdischen Terror-Kalifat! Ähnlich wie bei dem Islamischen Staat ergeht der Ruf an alle Gläubigen/Juden – über die Nationengrenzen hinweg – zur wahren Religion/Judentum/Israel zurückzukehren.
Nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen werden in Israels Gefängnissen aktuell Tausende von Palästinensern/Muslimen gefoltert.

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1 KOMMENTAR

  1. Eine kleine Lektion in Logik für die katholische Kirche. In ihrer Theologie mußte Jesus am Kreuz sterben, um die Menschen zu erlösen. Das Kreuz als Symbol der menschlichen Auferstehung und Befreiung. Nun irgendjemand mußte daher Jesus ans Kreuz befördern. Judas hat ihnen den Gefallen getan.Sie sollten ihm dankbar sein, denn ohne Judas kein Kreuzestod und damit keine Auferstehung und in der Folge keine Erlösung. Übrigens war Jesus selbst Jude und sie hätten ihn daher mit ablehnen müssen. Aber soweit haben sie nicht gedacht. Am liebsten hätten sie einen Jesus aus der Gegend von Rom oder Padua gehabt…

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