Bild: Wikimedia /JJ55 CC-BY-SA 3.0

Mit der Hypo Alpe Adria scheint sich ein Präzedenzfall entwickelt zu haben, der das internationale Finanzsystem offenbar ins Wanken bringen könnte. Auch wenn es sich hierbei "nur" um ein paar Milliarden Euro handelt, so sorgt die Verkettung via Kreditausfallsversicherungen für Angst auf den Finanzmärkten. Nicht umsonst wird sogar ein "Bail-in" angedacht, mit dem man die Anleger und Sparer zur Kasse bitten möchte.

Von Marco Maier

Als das österreichische Finanzministerium und die Finanzausfsichtsbehörde FMA am 1. März mitteilten, dass die Heta Asset Resolution abgewickelt werde und ein Konkurs nicht auszuschließen sei, gab es auf den Finanzmärkten eine Schrecksekunde. Denn schon am nächsten Tag wurden fällige 25 Millionen Euro für ein Schuldscheindarlehen eines institutionellen Gläubigers nicht zurückbezahlt.

Die Heta Asset Resolution als "Bad Bank" der zwangsverstaatlichten Hypo Alpe Adria, dem ehemals sechstgrößten Kreditinstitut Österreichs, könnte nun zu einem Präzedenzfall werden. Denn nachdem die Republik schon 5,6 Milliarden Euro in die Hypo steckte, will sie kein Geld mehr für die Pleitebank aufwenden. Doch der Heta-Konkurs könnte weitere 20 Milliarden Euro (rund 6 Prozent des österreichischen BIP) kosten. Allerdings haftet das Bundesland Kärnten mit 10,7 Milliarden Euro für die finanziellen Verpflichtungen, wobei das Land damit selbst in die Zahlungsunfähigkeit schlittern würde.

Dies hat zur Folge, dass im Zuge der Abwicklung des Desasters Kreditausfallsversicherungen fällig werden. Diese werden wie andere Wertpapiere auch auf den Finanzmärkten gehandelt und haben schon bei der Finanzkrise 2008 (Immobilienkredite) eine bedeutende Rolle gespielt. Durch die ganze Finanzmarktkaskade wäre der Schaden jedoch deutlich höher als nur die 20 Milliarden Euro.

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Aus diesem Grund wird nun sogar schon über einen "Bail-in" nachgedacht. Das heißt: Die Einlagen von Anlegern und Sparern könnten teilweise konfisziert werden, um dem nach wie vor massiv angeschlagenen Finanzsektor nicht einen neuen Schlag auszusetzen und einen Dominoeffekt zu verhindern.

Sollte dieser Bail-in tatsächlich stattfinden, wäre dies jedoch die nächste Phase der globalen Finanzkrise, die nach wie vor existent ist. Denn wie wir schon an den ganzen Schuldenexplosionen bei den Staaten sehen, haben die Bail-outs durch die Regierungen lediglich zu einer Verschiebung der Finanzprobleme geführt. Die Banken wurden auf Kosten der Steuerzahler gerettet. Nun jedoch soll die "Blaupause Zypern" auch im Herzen der EU angewendet werden: in Österreich.

Damit jedoch könnte ein Selbstläufer entstehen. Denn Österreich verwaltet angesichts des Bankgeheimnisses auch viele ausländische Gelder. Sollten die Einlagen wie in Zypern für Bankenrettungen herangezogen werden, könnte dies einen Bankrun auslösen und sich sogar auf die ganze Eurozone auswirken. Immerhin schien Zypern nur ein Sonderfall gewesen zu sein. Doch wenn selbst das "reiche" Österreich zu einer Teilenteignung greift, hat das eine enorme Symbolwirkung.

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