Brasiliens Bevölkerung fordert Ende der Korruption – Teil 2

Das brasilianische Volk ging wieder auf die Straße. Wie vorausgesehen, war der Protest von der konservativen Opposition mitorganisiert. Offiziell haben die Menschen sich über Facebook verabredet, ohne Einfluss von Parteien oder anderen Interessengruppen. Doch es ist den meisten Teilnehmern klar und ein offenes Geheimnis: Aecio Neves ist nicht bereit, die Wahlniederlage hinzunehmen. Die USA unterstützt ihn dabei und viele sind bereit, auch unkonventionelle Mittel anzuwenden, um einen Machtwechsel herbeizuführen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

In über 150 Städten Brasiliens und in einigen Städten im Ausland kamen insgesamt rund 2,5 Millionen Demonstranten zusammen, um die Absetzung der gerade erst im Oktober 2014 wiedergewählten Präsidentin Dilma Rousseff zu fordern. Allein in São Paulo waren schätzungsweise mehr als eine Million Menschen aufmarschiert. Die meist der Mittelklasse angehörenden Demonstranten waren in den Nationalfarben grün und gelb gehüllt, was auf starke nationalistische Tendenzen hindeutet. In Teil 1 interviewte das Contra Magazin eine Aktivistin und hatte ein zweites Interview für nach den Protesten verabredet, um zu erfahren wie die Demonstranten den Nutzen ihrer Aktion einschätzen. Rochele Rego hielt sich gerne an ihr Versprechen.

Contra Magazin: Hallo Rochele. 2,5 Millionen Menschen waren auf der Straße?
Rochele Rego: Hallo liebe Contra Magazin-Leser! Ich glaube es waren mehr. Ganz Brasilien war auf der Straße. Jetzt heißt es abwarten.
CM: Der erste Teil hat viel Interesse geweckt.
RR: Ich freue mich, dass eure Arbeit den Menschen zeigt, dass wir ein anderes, ein neues Brasilien fordern.
CM: Dilma Rousseff hat die Korruption zur Chefsache gemacht aber ich habe das Gefühl, dass die Demonstranten ihr das nicht abnehmen.
RR: Wir glauben ihr kein Wort. Wir wollen das sie geht. Absetzung oder Militärintervention. Der Strom ist 22 Prozent teurer geworden. Egal welche der beiden Möglichkeiten auch immer, Absetzung oder Militärintervention, beides würde zu Neuwahlen führen.
CM: Aber ein Militärputsch? Wollt ihr das wirklich und wissen die Menschen was das bedeutet?
RR: Kein Putsch, nur die Amtsenthebung. Die Verfassung sieht ein Eingreifen der Militärs vor, ohne ihnen dadurch die Regierungsgewalt zu übertragen.
CM: Aber ist das nicht ein Risiko? Die Militärs in Brasilien sind nicht gerade zimperlich und könnten ihre eigene Agenda haben.
RR: Alles wäre besser als das, was wir im Moment haben.
CM: Das klingt aber so, als wäre die Korruption nur ein Vorwand, um eine verlorene Wahl mit Gewalt noch mal zu drehen. Wird eure Bewegung nicht von Aecio Neves und den USA genutzt, um die Macht zu erlangen und dann gerade so weiter zu machen, wie immer?
RR: Mag sein. Aber Dilma, Lula und das verbrecherische Gesindel der PT muss weg.
CM: Sollte es nicht das Ziel sein, eine korruptionsfreie Regierung zu schaffen?
RR: Korruption wird es in Brasilien immer geben, so viel ist klar. Aber so wie Dilma und Lula das Land kaputt machen, kann es jedenfalls nicht weiter gehen. Ich glaube nicht, dass – wer auch immer nachfolgen mag – es jemals wieder eine so schädigende Regierung geben kann. Unsere Wirtschaft ist ein Chaos. Wir haben die höchsten Zinssätze der Welt.
CM: Glaubst du, dass die Brasilianer eine neue Regierung besser kontrollieren können und wenn ja, wie?
RR: Über die Wahlen. Doch müssen wir das Wahlgesetz ändern, da die elektronischen Wahlurnen zu leicht zu manipulieren sind. Wir müssen wieder zur traditionellen Wahl zurückkehren, da mit meinem Stimmzettel immer ein tastbarer Beweis für meine Stimme besteht.
CM: Gab es denn Probleme, gar Manipulation, bei Dilmas Wahl?
RR: Absolut! Meine Stimme ist verschwunden und ich war kein Einzelfall. Wir haben auf der Demo auch gefragt, wo unsere Stimmen geblieben waren.
CM: Gab es denn keine Untersuchung durch die Wahlkommission? Unabhängige Beobachter haben keine Beanstandungen gemacht.
RR: Sie konnten keine Beweise finden, aber das waren alles "Pucha Saco" (Stiefellecker) der Dilma! Ein Grund mehr, diese Verbrecher aus dem Amt zu jagen.

Rochele möge mir verzeihen, doch es scheint als hätten die Menschen eine Leichtgläubigkeit, die sie für Manipulationen besonders empfänglich macht. Fast schon schockierend, die Aussage, dass eine Militärintervention nicht zu einer Militärdiktatur führen würde. In einem Land und einer Region, in dem die USA (Dollar-) imperialistische Ansprüche stellt, hat die Propaganda, die über die sozialen Netzwerke auf eine leise und doch effektive Art, in die Herzen der Menschen. Denn es ist umstritten, ob die Verfassung eine Militärintervention überhaupt vorsieht. Wenn dem so sein sollte, so meinen Konstitutionalisten doch, dass es weit schwerwiegendere Gründe geben muss, wie die bloße Verdächtigung der Präsidentin, von dem Machenschaften ihrer Parteimitglieder gewusst zu haben und das Gerücht, selber in den Bestechungsgelder-Skandal der Petrobras verwickelt zu sein.

Es ist ein schon so oft gesehenes Schauspiel. Die Regierung, die nicht 100 Prozent nach der Pfeife der mächtigen Interessensgruppen tanzt, fällt schnell in Ungnade. Wäre da nicht das Bündnis der BRICS, welches einer Vereinigung der westlichen Interessensgruppen gegenübersteht, und Brasilien hätte längst eine US-freundliche Regierung. Was wir erleben, ist die Revolte einer Mittelschicht, angestiftet von einer Elite, die sich in die "gute alte Zeit" zurücksehnt. Dilma Rousseff hat in ihrer Jugend gegen die Diktatur gekämpft, war eine von vielen politischen Gefangenen und auch die Folter blieb ihr nicht erspart. Obwohl das Land eine beispiellose Entwicklung durchgemacht hat, vor allem seit dem Lula da Silva und seine PT (Arbeiterpartei) der Armut den Kampf angesagt hat und auch gegen die Bandenkriminalität und Drogenkartelle mit harter Hand vorgegangen ist.

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Die weltweite Krise, die unter anderem auch mit Madoff in den USA ihren Anfang nahm, hat aber nicht nur Europa in die Hände der Spekulanten und Opportunisten gespielt, sondern die ganze Welt. Zu allem Übel zeigte sich die lasche Haltung der Parteien gegenüber der Korruption und Vetternwirtschaft. Dies wird jetzt benutzt, um der Regierung der Brasiliens einen Strick zu drehen. Dabei wird vergessen, dass in den Petrobras-Skandal Angehörige beider Lager verwickelt sind. Das ganze Land ist – traditionell – ein einziger Korruptionssumpf, wobei so ziemlich alle die etwas zu entscheiden haben, die Hand aufhalten. Nicht vergessen sollte man dabei, dass die Hand, die gibt um zu bekommen was sie will, ohne ein Anrecht darauf zu haben, ist genauso schuldig.

Wichtiger wäre es, die Korruption aufs härteste zu bekämpfen. Dilma hat verstanden, dass ihr politisches Überleben, ja vielleicht sogar ihr Leben selbst, davon abhängt, dass sie in ihrer Partei, in den Staatsbetrieben, in der Verwaltung und im öffentlichem Leben generell "aufräumt" und die fauligen Mangos aus dem Obstkörbchen nehmen. Eine Mammutaufgabe, die bereits in Angriff genommen wurde.

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6 Kommentare

  1. Was heisst    Elite ??  Das  sind  wir  das arbeitende Volk.    Der Skandal mit dem  Kauft der "refinaria "in Pasadena USA  mit vielen  Milliarden mehr als es wert  war  und andere "Refinaria"   Abreu e Lima im Norden Brasiliens  genauso.Bau von Haefen in Cuba,Uruguay :,wir selbst haben keine  gute Haefen,Diese Partei  hat keine Ahnung   von Economia, man kan nur  so viel  Geld ausgeben wie man besitz.  In der DDR  waren die Laeden leer  ich habe es  selbst miterlebt, in Venezuela geht es  auch ,  die Planwirtschaft  funkltioniert  NICHT. Noch nie war die Lage so  schlech.Wer spricht  von den Milliarden die in die Copa-Fussballwetmeisterschaft verausgegeben wurde? Bei  sehr schlechte Bundesstrasssen voll Loecher, und  jetz   sind die Preise gestiegen von Strom.Strom, Wasser .In unseren   Stadt Blumenau  sind wichtige Krankenhausgeraete kaputt. Es ist keine Geld da.Bin deutschbrasilianer und  bitte um Verrzeichnis fuer mein schlechtes  deutsch…

    1. Lieber Leser. Ich respektiere natürlich deine Meinung. Ich wollte nicht einseitig berichten und meiene Freundin Rochele hat mir ihre Meinung beschrieben. Ich habe aber auch andere Aussagen und wie immer gibt es mehr wie eine Sichtweise auf die Dinge. Doch ich möchte klarstellen, dass die Mittelschicht auf der Strasse war. Meiner Meinung nach wird sie von der Elite ausgenutzt. Was war Brasilien vor Lula? Wir haben eine Weltweite Krise, die in den USA ihren Anfang hatte, von dort aus gesteuert wird und mit Angstschürendem Populismus und unter dem gleichem Vorwand der Korruptionund der Ausgaben von Geld, das man nicht habe, wurde in Europa eine gemässigt Sozialistische Regierung nach der anderen zum Fall gebracht. Das Resultat war überall ein Ausplündern der sozial schachen Bevölkerung und eine Bereicherung der Millionäre. Dilma hat keine Planwirtsxhaft, keine Kommunistische Diktatur, keinen Einparteienstaat. Also was nsoll das mit der DDR? Hier in Portugal sind die Taschen der Menschen leer. Das erwartet Brasilien unter Aécio Neves!

      Daí, falo com alguma experiência. É a minha opinião e tenho razões para acreditar nisso. De qualquer forma, amigo, sua opinião é bem vinda, porque ademito sempre k eu possa estar errado e k a razão esteja com outras pessoas. Um abraço para o Brasil.

      1. Olá Amigo, que  bom que  você respeita a livre opinião. In 1959  in  Berlin Ost mah sah ich ueberall mangel an primär Produkte.Ich fragte  : gibt es hier keine Zitronen? Antwort :°Ja,  erst am Montag weil  wir  wieder ein großen Export  von  Roentgen Filmen nach Italien  exportieren.°   Es mußte was  geschehen in Brasil, weil so ging es auch nicht  weiter. Wir konnten meines Erachtens eine Fraby

        1. …Es mußte  was  geschehen im  Lande, ich habe persöhnlich  Lula  getrofen  er war noch Kandidat. Er  er zu Macht kam   half  er die Armen,  und meines  erachtens hat er eine zukunftige Franzözische Revolution hier  erstickt.  Am Anfang bessert sich  sehr die lage der Armen,pobres e miseraveis. dann wurde er durch die Verhältnisse korrompiert. Viele Menschen  die  bei  ihm  und er selbst  haben sich  finanziell $ehr erhoben  und ganz langsam  wendete sich die  wirstschaftliche Lage des Landes.Nach mehr als 12 jahren  hat die Dilma ( PT) eine + –  64 % rejektion von den Brasilianern. Die  LKW Frachter  gehoeren sie  auch zur  Elite ?? Ganz Brasil stande  still  weil diese  arme LKW Transport Fahrer  zuwenig für ihren Einsatz bekammen. In dem Sowyetischen Sektor  von Berlin wohnte ich drei Monate in 1959. Eine lange Reihe von Menschen stande da  wie  heute in Venezuelaund ich fragte"was  es hier los ?  "Wir warten auf  Zitronen  die heute ankommen, weil  es wieder möglich war  Roentgen Filme nach Italien  zu exportieren"  Es ist mir klar daß Aecio neves  nicht der Erlöser ist." Dos males o  menor" Unsere  Fahnen und Farben sind grün-gelb und nicht  rot…Eles foram com muita sede ao pote…Gruß  werner henrique tönjes

  2. Die USA unterstützen Neves. So so, alles klar, Neves scheint ein guter Speichellecker zu sein, der von den USA bezahlt ist und diesen willig dienen wird. Die USA fördert offensichtlich ein Kesseltreiben gegen die brasilianische Regierung und die gegenwärtige Präsidentin Brasiliens. Das nennt man "Einmischung in innere Angelegenheiten eines Landes", was nach Völkerrecht nicht zulässig ist und den Respekt vor dem Willen der brasilianischen Bevölkerung völlig vermissen lässt. Nein, von Demokratie haben die USA keinen blassen Dunst, auch wenn sie ihre demokratische Verfassung als die beste der Erde halten. Auch hier zeigt sich mal wieder, was auf Papier geschrieben ist, muss nicht zwangsläufig etwas mit den realen Verhältnissen zu tun haben.

  3. Korruption gab  es immer hier in Brasilien  .Früher  waren   Hunderrtausende, dann Millionen,  jetz Mlliarden.  Noch nie in der Geschichte Brasiliens seit der Endeckung des Landes  wurde so viel" mit dem fixen Daumen und  die vier rotierende Finger ") " gearbeitet" (liebe Leser, bitte mal versuchen )Ausserdem wenn  geschrieben steht  :  So und so viel ,wissen wir gleich dass es etliche male  mehr  sein wird,egal  was staalich finanziert wird. Das schlimmste ist  dass die Korruptionsgelder mit  sehr wenigen Ausnahmen  Nie  zurück  bezahlt  werden. Viele Krankenhäuser  wurden geschlossen  wegen  Geldmangel , überall fehlen Medikamente,man sieht die Zustaendnisse in den Korridoren der Krankenhäuser wo viele Kranke auf dem Fussboeden  dahinliegen ,  wer nicht glaubt besucht  mal die Grosstaedte  Rio  oder Säo Paulo. es ist nicht alles Gold was glänzt. …Von Fussball  und Samba kann mann man nicht leben.  Panen et  circencis…

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