Brasilien: Demonstrationen gegen Rousseff und den Petrobras-Korruptionsskandal

In Brasilien gingen am Sonntag rund 1,5 Millionen Menschen auf die Straßen, um gegen die Regierung der erst kürzlich wiedergewählten Präsidentin Dilma Rousseff zu protestieren. Das Staatsoberhaupt rief dazu auf, ohne Gewalt zu demonstrieren. Der US-freundliche konservative Oppositionsführer Aécio Neves unterstützte die Demonstranten.

Von Marco Maier

Die brasilianische Regierung unter Präsidentin Dilma Rousseff beweist demokratische Stärke. Während es in manch anderen lateinamerikanischen Ländern bei Demonstrationen gegen die Regierungen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Protestierenden und den Sicherheitskräften kommt, übt man sich im größten Land Südamerikas staatlicherseits in Zurückhaltung.

"Ich schätze die Tatsache, dass heute in Brasilien Menschen frei demonstrieren können. Ich werde allerdings keine Gewalt akzeptieren und dies verhindern. Ich bin für Demokratie und hoffe, dass Brasilien am Sonntag seine demokratische Reife beweisen wird", so Rousseff auf ihrem Facebook-Account. Damit zeigt sie, dass sie die Proteste, die von diversen Bürgergruppen und Oppositionskräften initiiert wurden, respektiert. Etwa 200.000 Menschen beteiligten sich an den Gegenprotesten, um so ihre Unterstützung für Rousseff zu bekunden.

Grund für die Demonstrationen ist hauptsächlich der Korruptionsskandal rund um Schmiergeldzahlungen beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras. Hierbei soll die sozialistische Partei Rousseffs verwickelt sein. Korruption zählt in Brasilien – wie in ganz Lateinamerika – nach wie vor zu einem der gravierensten politischen Probleme, so dass auch der gewaltige Parteiapparat der Staatschefin nicht davor gefeit ist.

Die Demonstrationen werden vor allem von Bürgern der Mittel- und Oberschicht getragen, die eher zu den Unterstützern des gescheiterten konservativen (und US-freundlichen) Präsidentschaftskandidaten Aécio Neves gehören. Dementsprechend nutzte der Oppositionsführer auch die Gunst der Stunde und unterstützte die Demonstranten. Dabei könnte nicht einmal er garantieren, dass es unter seiner Führung nicht zu ähnlichen Auswüchsen gekommen wäre.

Loading...
Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.