Wir leben im Überfluss. Manch einer mag es nicht glauben, doch es ist einfach so. Wir leiden keinen Hunger. Wir machen uns keine Sorgen, ob wir morgen etwas zu essen haben, wir machen uns mehr Gedanken darum, was wir aus unseren gut gefüllten Kühlschränken morgen essen sollen. Es ist immer nur die Frage, wonach der Sinn steht, worauf wir Appetit haben. Und was nicht mehr in den kulinarischen Kram passt, wandert in den Müll.

Von Marcel Grasnick

Halt, Stop! Es wandert in den Müll? Warum? Diese Frage lässt sich durchaus einfach beantworten: Weil wir es uns leisten können und weil wir es gewohnt sind, satt zu sein. Noch zumindest. Die Bevölkerungszahl der Erde explodiert weiter. Theoretisch könnten wir noch mit den heutigen Mitteln jeden Menschen satt bekommen, wäre da nicht der Luxus der habenden Menschen in den "reichen" Staaten und der Hunger in der sogenannten Dritten Welt.

Und was machen wir, die wir es uns erlauben können? Wir werfen Lebensmittel weg, weil sie uns nicht passen, weil sie uns nicht schmecken, weil sie nicht in unsere Ideologie passen. Und wir haben dabei auch die in großes Vorbild: die Lebensmittelkonzerne, die viel produzieren, in der Hoffnung, auch viel davon verkaufen zu können. Und wo landet das Essen, das nicht verkauft wird? Im Müll. Gelegentlich auch zur Weiterverarbeitung zu Tierfutter oder Biogas. Überfluss fördert Überdruss. Dem einfachen Essen sind wir schon überdrüssig geworden, es muss immer ausgefallener werden. Der Trend geht zwar schon in die gegenteilige Richtung, doch auch Bio und Fairtrade werden in Mengen produziert, um die Märkte zu sättigen. Und wir Konsumenten sind schon übersättigt.

Und um dem Ganzen die Krönung zu geben, werden die Richtlinien für die Lebensmittelindustrie immer weiter verschärft. Der bürokratische Aufwand für Gastronomen ist bereits enorm. Lebensmittel wandern in die Tonne, weil gesetzliche Richtlinien es verlangen. Gut, es ist zum Schutz der Verbraucher. Doch auch da kann es arg übertrieben werden.

Es ist traurig, dass selbst gemeinnützige Organisationen nicht einmal Lebensmittel annehmen, die entweder offen produziert wurde (nur originalverpackte Ware) oder kurz vorm "ablaufen" des Mindeshaltbarkeitsdatums sind. Was ist nun besser: Der Obdachlose, der in der Mülltonne sein Essen sucht oder der Obdachlose, der zwar vom Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufene Lebensmittel bekommt, die aber noch gut sind? (Das Mindeshaltbarkeitsdatum ist nichts anderes, als die vom Hersteller zugesicherte Haltbarkeit).

"Laut einer 2012 vorgestellten Studie für das Ernährungsministerium landen in Deutschland jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Davon stammen 6,7 Millionen Tonnen von Privathaushalten. Rechnerisch entspricht dies pro Bundesbürger (Basis: 81,8 Millionen Mitglieder von privaten Haushalten) 81,6 Kilogramm, wie die Autoren der Universität Stuttgart erläuterten. Der Rest fällt bei Lebensmittelindustrie, Handel und Großkunden wie der Gastronomie an." (Klamm)

4 KOMMENTARE

  1. Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, aber Mähdrescher mit einer Ernteleistung von 78 Tonnen Getreide pro Stunde fahren lassen

    In einer Stunde holt ein moderner Mähdrescher 78 Tonnen Getreide ein. 78 Tonnen pro Stunde entsprechen 78.000 Kilogramm pro Stunde.

    Und wieviel Kilogramm Brot je Stunde brauchen 7,1 Milliarden Menschen, um satt zu werden?

    Ein Mensch benötigt je Tag einen Brennwert von rund 2.000 kcal. Brot hat einen Brennwert von ca. 200 kcal* je 100 Gramm. Ein Brot mit einem Gewicht von 1.000 Gramm kommt also auf einen Brennwert von 2.000 kcal. Ein benötigter Tagesbrennwert von 2.000 kcal für einen Menschen entspricht pro Stunde im Durchschnitt 83,33 kcal oder 41,66 Gramm.

    7,1 Milliarden Menschen benötigen je Stunde 295.833 (zweihundertfünfundneunzigtausendachthundertdreiunddreißig) Tonnen Brot, um satt zu werden.

    Um 295.833 Tonnen Getreide je Stunde einzuholen benötigt man 3.793 Mähdrescher mit einer Ernteleistung von jeweils 78 Tonnen Getreide je Stunde. Die Mähdrescher können völlig automatisch per Satellitennavigtion (GPS) die Felder abernten.

    Aber den Menschen erzählt man “Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen”.  Leute laßt Euch doch nicht immer so unheimlich schrecklich verarschen. Brot müßte es jetzt schon für lau geben. Aber der Mensch lebt ja bekanntlich nicht vom Brot allein. Nicht zu begreifen, daß es immer noch soviel Hunger auf der Welt gibt bzw. Getreide ins Meer geschüttet wird, um die Preise hoch und stabil zu halten oder schlimmer noch : “Heizen mit Weizen”.

    * kcal = kilo Kalorie (1 kcal=4,1868 kJ); kJ = kilo Joule

    https://aufgewachter.wordpress.com/2014/01/18/wer-nicht-arbeitet-soll-auch-nicht-essen-aber-mahdrescher-mit-einer-ernteleistung-von-78-tonnen-getreide-pro-stunde-fahren-lassen/

  2. Kapitalismus gescheitert / Grundversorgung kommt

    Wenn man ein neues System will muß man das alte System loslassen. Laßt das alte System los und stellt die Bücher in die Bibliothek in das Regal für gescheiterte Wirtschaftswissenschaften. Vielleicht werden die Bücher in der Schiffs-Bibliothek der Enterprise im 24. Jahrhundert der Ausleih-Renner als Nachtlektüre auf welchem Irrweg die Menschen im 21. Jahrhundert waren.

    https://aufgewachter.wordpress.com/2014/02/20/kapitalismus-gescheitert-grundversorgung-kommt/

  3. Wir wissen wer die meisten Lebensmittel wegwirft!
    WIR SIND ES NICHT!
    Wir wären ja auch blöd, wenn wir bei den heutigen Preisen etwas wegwerfen würden!
    Es sind Edeka, REWE, Kaisers!!!
    Die Aussortieraktionen finden immer nach Geschäftsschluß statt,
    damit die Kunden nicht sehen, was da alles in die Container geworfen wird!
    Es wird alles aussortiert, obwohl das MHD noch gar nicht abgelaufen ist!
    Von allem wird mindestens das 3-5-fache weggeworfen!
    Wenn man sich darüber beschwert, gibt es mal an 3 Tagen Sonderangebote und dann
    ist das auch wieder vorbei!

    Die sogenannten Tafeln sind ein Mythos, was uns das Personal auch bestätigt hat!
    Ganze Kisten landen in den Müll-Containern!
    Alle 3 Tage kommt abends ein grauer LKW von der Lebensmittelverwertung,
    in den alles gekippt wird! Aus allem wird dann Schweinefutter oder sonstwas gemacht!

    Diese Lügerei, dass der Verbraucher so viel wegwerfen würde, ist ungeheuerlich!
    Der Handel spart am Personal und wir bezahlen alles doppelt und dreifach!

  4. Es gibt immer noch viel zu viele Menschen, die nur aufgrund eines abgelaufenen MHD Lebensmittel wegwerfen. Und was macht die Gesellschaft? Eine Bekannte von mir, eine Bedürftige, meint dazu: Mülltonnen zu "räumen" ist verboten und wird geahndet". Wenn also wir die Lebensmittel wegwerfen und dafür Obdachlose verhaften, die hungern und deswegen Lebensmittel in den Mülltonnen suchen … 

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