Als Luiz Felipe Scolari, ehemaliger Nationaltrainer Brasiliens und Portugals, bei der EM 2004 die K.O.-Phase als die Phase des “Mata-Mata” (Töte-Töte) bezeichnete, wurde er missverstanden. Es war ganz gewiss kein Aufruf zur Gewalt, sondern nur der Hinweis, dass der Verlierer für den Rest des Turniers “gestorben” ist. Der Spruch blieb jedenfalls und einige meinen es wörtlich nehmen zu müssen. In der Runde der letzten 32 der Europa League und der letzten 16 in der Champions League, haben wir die Elite des europäischen Fußballs, bei der Portugiesen und Deutsche wie immer eine gute Figur machten. Was man allerdings von Feyenoords Fans halten soll, die nach einem 1:1 beim AS Rom die Altstadt verwüsteten? Für mich sind das keine Fans!

Von Rui Filipe Gutschmidt

Noch bevor wir zu den wichtigsten Punkten aus portugiesischer Sicht kommen, muss ich zum Tiefpunkt vorspulen, bei dem lange nach dem Abpfiff wohl über 100 “Fans” randalierend durch die Straßen von Rom zogen. Die “Fans” von Feyenoord werden allerdings teuer dafür bezahlen. Tatsächlich bin ich dafür, diese Chaoten von den Stadien fernzuhalten. Wenn sie den Lambrusco nicht vertragen, sollten sie lieber Wasser trinken. Aber diese Leute werden den Menschen die im Fußball einen friedlichen Wettbewerb sehen und den Sportler und die Teamarbeit bewundern, ihre Freude am Spiel nicht vermiesen.

In der Europa League gab es ein direktes Aufeinandertreffen zwischen einer deutschen und einer portugiesischen Mannschaft. Der VfL Wolfsburg empfing Sporting Lissabon, was auf den ersten Blick als ein eher ausgeglichenes Duell galt. Doch auf den zweiten Blick sieht man, dass Sporting Lissabon starken Schwankungen unterliegt und eine gewisse Abhängigkeit des Genies von Nani, der von Manchester United an den Verein seiner Jugend ausgeliehen wurde, abhängig ist. Auch der VfL Wolfsburg kam verstärkt aus der Winterpause und holte sich mit André Schürrle einen deutschen Nationalspieler – und dadurch Weltmeister – von Chelsea London. Sporting hatte diese Saison in der Champions League Gruppenphase schon das zweifelhafte Vergnügen, als Schürle für das Team von José Mourinho das 2:0 beim 3:1 Sieg der Engländer erzielte. Dieses mal hat Schürrle das Tore schießen dem Toptorjäger des VfL überlassen: Bas Dost. Das 4:0 gegen den FC Bayern hat die Verantwortlichen von Sporting aufhorchen lassen und auch das 5:4 gegen Leverkusen zeigte den Lissabonnern, was sie zu erwarten hatten.

Doch Trainer Marco Silva hatte seine Truppe gut eingestellt und die ambitionierte junge Mannschaft von Sporting hatte sogar die bessere Chance in der ersten Hälfte, nachdem Nani bei einem schnellem Konter einen 40-Meter-Pass spielte und Carrillo in Szene setzte. Doch der Peruaner, bereits von einem Abwehrspieler bedrängt, verfehlte das Tor nur knapp. Immer noch mit dem 0:0 auf der Anzeigetafel, fällte der israelische Schiedsrichter Alon Yefet die umstrittenste Entscheidung der Partie. Ausgerechnet der portugiesische Nationalspieler Vieirinha, im Dress der Wölfe, spielte den Ball im eigenem Strafraum mit der Hand. Doch so eindeutig das Handspiel auch war, so unglaublich war des Schiedsrichters Blindheit. Kann natürlich vorkommen, aber bereits in der Champions League Gruppenphase hatte Sporting Lissabon Ähnliches in Deutschland erleben müssen. Damals hatte Schalke 04 die Lissaboner Löwen mit 4:3 bezwungen – nach einer Schiedsrichterleistung bei der man sich wirklich fragen musste, ob das mit rechten Dingen zu ging.

Tatsächlich hat der umstrittene Präsident von Sporting, Bruno de Carvalho, damals das Spiel reklamiert und dabei schwere Vorwürfe gegen den Sponsor von Schalke und der Champions League, Gazprom erhoben, da etwas gedreht zu haben. Der Schiedsrichter war aus Russland und die Krise in der Ukraine spitzte sich zu. Dass Sporting jetzt in Deutschland wieder Opfer einer groben Fehlentscheidung wurde, gibt Bruno de Carvalho wieder mal Gesprächsstoff. Es wundert mich daher um so mehr, dass sich bisher nur die Spieler und Trainer Marco Silva dazu geäußert haben. Doch war ihnen auch bewusst, dass Wolfsburg nicht deshalb das Spiel gewonnen hat. Bas Dost machte in der zweiten Hälfte alles klar, indem er zwei Tore für den VfL Wolfsburg machte. Völlig zu recht gewann das deutsche Team also das Hinspiel mit 2:0. Aber auch wenn das bedeutet, dass Sporting das Rückspiel mit 3 Toren unterschied gewinnen muss, geben sich die jungen Wilden von Sporting Lissabon noch nicht geschlagen und versprechen am 26. Februar 2015 ein großes Spiel für Lissabon.

Am Mittwoch war der letzte “Überlebende” der portugiesischen Vereine in der Champions League an der Reihe. Der FC Porto, Dauergast im  Achtelfinale der CL, musste beim FC Basel antreten. Die Schweizer mögen ja den FC Liverpool auf den 3. Platz in der CL-Gruppenphase verwiesen haben, doch ist das Team von Trainer Lopetegui trotzdem Favorit für das Weiterkommen. Viel gibt es eigentlich nicht zu erzählen, über das Spiel, welches mit einem Tor für Basel begann, bei dem Gonzales bei einem schnellen Konter Alex Sandro überlief und dem ihm entgegenkommendem Fabiano keine Chance ließ. Von da an spielte nur Porto und der Ball zappelte insgesamt noch 3 mal im Netz des FC Basel. Doch nur beim dritten Mal zählte es. Der erste Torjubel der Drachen aus Porto verhallte recht schnell, da Tello wohl tatsächlich im Abseits war.

Doch als Casimiro im Strafraum eine unvollständige Abwehrleistung nutzte, gab der Unparteiische das Tor. Allerdings bekam er nach fast zwei Minuten den Hinweis, dass Marcano und Jackson, eigentlich im passiven Abseits, dem Torwart die Sicht versperrten und daher das Tor irregulär war. Da nun mal aller guter Dinge drei sind, machte Danilo das 1:1 indem er einen Handelfmeter verwandelte. So geht Porto also guter Dinge in das Rückspiel. Schwer wird dabei aber die Überzeugungskraft des Trainers gefordert, wenn er die Konzentration seiner Spieler hochhalten will. Paulo Sousa, der portugiesische Trainer vom FC Basel weiß, dass seine Spieler viel mehr leisten müssen, wenn sie ins Viertelfinale kommen möchten. Nach dem Rückspielen sind wir jedenfalls schlauer.

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