Süddeutsche Zeitung. Bild: Flickr / Thomas Angermann CC-BY-SA 2.0

Gerade bei den großen Zeitungen und Magazinen, die vor allem auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, tauchen immer wieder Vorwürfe der Einflussnahme durch die Werbekunden auf. Aussagen eines ehemaligen Redakteurs zeigen nun, dass scheinbar auch die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) eine entsprechende Einflussnahme auf die Artikel vornahm, um wichtige Werbekunden nicht zu verprellen.

Von Marco Maier

Eine redaktionelle Unabhängigkeit sieht anders aus. Wenn nämlich bestimmte Formulierungen in Artikeln gestrichen werden, weil sie Werbekunden verprellen könnten, liegt eine Einflussnahme vor die nicht im Interesse der Leserschaft ist. Ebenso sind speziell gestaltete Beilagen, die vor allem die Großkunden in einem guten Licht darstellen sollen, keine ideale Sache. Doch genau dies wird der Süddeutschen Zeitung nun von einem ehemaligen Redakteur vorgeworfen.

Wie schon Udo Ulfkotte – der selbst bei der F.A.Z. arbeitete – in seinem Buch "Gekaufte Journalisten" aufzeigte, schlägt nun der ehemalige SZ-Sonderthemen-Redakteur Sebastian Heiser in die selbe Kerbe. Demnach würde die SZ gezielt ein positives redaktionelles Umfeld schaffen, um so von den großen Werbekunden besonders beachtet zu werden. Dabei schreckte man offenbar nicht einmal davor zurück, indirekte Anleitungen zur Steuervermeidung zu veröffentlichen – um damit Werbekunden in der Schweizer Bankenszene zu aquirieren. Und das vor dem Hintergrund, dass sich gerade die SZ in Sachen "Offshore-Leaks" und "Swiss-Leaks" entsprechend stark an den Enthüllungen beteiligte.

In seinem Blog drückte Heiser es so aus:

Das darf da allerdings nicht ausdrücklich stehen. Man dürfe das “halt nicht so als globale Schwarzgeldwerbung darstellen, weil dann kriegen wir ein Problem für den Kunden”, sagt der Mitarbeiter der Anzeigenabteilung. Man müsse das “geschickt verpacken”, so “dass jeder rauslesen kann, welche Möglichkeiten er theoretisch hätte, er aber darauf aufmerksam gemacht wird, dass wir das nicht unterstützen und ihm Tipps geben wollen”.

Bei den Sonderthemen-Seiten habe man die entsprechenden Themen so ausgesucht, dass jene Werbekunden die am meisten Geld bezahlt haben auch entsprechend Berücksichtigung fanden. Das heißt: Kauft beispielsweise ein Versicherungskonzern 4 Seiten Werbung, gibt es eine Seite redaktionellen Sonderthemen-Text dazu.

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Rein kommen die Themen, für die Anzeigen geschaltet werden. Die Daumenregel: Für jede viertelseitige Anzeige (Kosten damals: rund 20.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer) erscheint eine Seite über dieses Thema.

Seitens der SZ-Verlagsholding ging man auf die Vorwürfe Heisers, der diese auch mit Tonaufnahmen belegen kann, jedoch nicht ein. Das Medien-Portal meedia.de stellte eine Anfrage, die hinsichtlich der erhobenen Vorwürfe ganz erwartungsgemäß wenig aussagekräftig ausfiel. So heißt es darin unter anderem:

Die Inhalte der Beilagen-Seiten bestimmt die Redaktion, nicht die Anzeigenabteilung. Schon gar nicht können sich Anzeigenkunden Texte in irgendeiner Weise „erkaufen“. Beilagen-Seiten haben in der Regel thematische Schwerpunkte, zu denen die Anzeigenabteilung  Inserate akquiriert. Ausgeschlossen ist eine Kausalität nach dem Motto „Ich, der Kunde bezahle, dafür bekomme ich einen mir genehmen oder werbenden Artikel.“ Für die Beilagen-Redaktion gelten dieselben journalistischen Grundsätze wie für die übrigen Ressorts der Süddeutschen Zeitung – die einer unabhängigen, wahrheitsgemäßen, genauen und sorgfältigen Berichterstattung.

Schlussendlich bleibt jedoch die Frage offen, inwieweit solche Praktiken in der gesamten Medienlandschaft angewendet werden. Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen die Werbegelder immer spärlicher fließen und die Redaktionen den Rotstift spüren, ergeben sich deutlich stärkere Abhängigkeiten von den Werbekunden. Angesichts der sinkenden Auflagezahlen der Zeitungen und Magazine werden nämlich selbst höhere Verkaufspreise kein Gegengewicht schaffen können, um die laufenden Kosten abzudecken.

Umso wichtiger werden damit auch die alternativen Medien, die ein notwendiges Korrektiv zur etablierten Konzernmedienlandschaft darstellen. Wenngleich sich leider manche von ihnen – wie z.B. die DWN – von Medienkonzernen aufkaufen lassen, was sich dann in einer tendenziösen Neuausrichtung bemerkbar macht. Glaubwürdigkeit erreicht man allerdings lediglich mit Authenzität, welche man mit "gekauften" Redaktionen jedoch nicht vermitteln kann. Das gilt sowohl für große Zeitungen wie die F.A.Z und die SZ, als auch für die alternativen Medien, die den großen Medienkonzernen eigentlich ein Gegengewicht sein sollten.

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