Mit Alexis Tsipras hat Europas politische Linke eine neue Ikone gefunden, vor allem jene in den Krisenstaaten Südeuropas. Nach dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza hat er hohe Erwartungen zu erfüllen. Für das EU-Establishment hingegen ist er der personifizierte Schrecken, zumal er sowohl die EU als auch die Eurozone ins Wanken bringen kann.

Von Marco Maier

Für manche Menschen in Europa ist Tsipras beinahe schon ein neuer Che Guevara. Ihm und seinem Linksbündnis Syriza wird zugetraut, die vom politischen Establishment aus Konservativen, Sozialdemokraten und Liberalen beinahe an den Abgrund geführte Europäische Union zu erneuern. Beinahe könnte man schon eine Analogie zu den Comics von Asterix und Obelix daraus basteln. Nur dass dieses Mal Brüssel und nicht Rom den Kontinent beherrscht und es nicht die Gallier sondern die Griechen sind, die dem Imperium Widerstand leisten.

Doch die großen Ambitionen der neuen Regierung aus der linken Syriza und der rechten ANEL müssen sich erst beweisen; das politische und wirtschaftliche Wunschdenken sich erst einmal realpolitisch umsetzen lassen. Für Brüssel stellt sich hieraus die Frage, ob das neue Griechenland – sinnbildlich – nur ein kleines kläffendes Hündchen, oder vielleicht doch ein scharfer Dobermann ist. Bislang hat es den Anschein, als ob sowohl die Motive als auch die Intention hinter der Syriza-Politik aufrichtig sind.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass der Spekulant und politische Unruhestifter George Soros zu den Unterstützern (interessant auch das hier) des Linksbündnisses gehört. Doch überall dort, wo er sich in die Politik einmischt, geht es um die finanziellen Eigeninteressen des Multimilliardärs und dessen Ambitionen, politische Veränderungen zugunsten der global agierenden Finanzoligarchie herzustellen. Vielleicht ist es auch deshalb kein Zufall, dass der neue Finanzminister, Yanis Varoufakis, als in England ausgebildeter Ökonom enge Verbindungen zur City of London hat und sich dort auch kurz nach der Regierungsbildung für Gespräche einfand.

Hierbei muss man sich fragen, wie umfangreich die Verbindungen der sozialistischen Linken mit den kapitalistischen und plutokratischen Machtzentren dieser Welt überhaupt sind. Wie sehr können die politisch links orientierten Menschen den ganzen Linksparteien überhaupt noch vertrauen, wenn sich diese – wie im Beispiel Syriza – dann als Trojanische Pferde der Finanzoligarchie erweisen?

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Sicher, nicht jeder Syriza-Funktionär gehört zum Dunstkreis der Plutokraten und Finanzoligarchen. Allerdings sollte man ein scharfes Auge auf die Worte und Taten der politisch Verantwortlichen werfen. Wer weiß schon, welche Ziele sie wirklich verfolgen. Denn was in den Hinterzimmern der Macht ausgearbeitete wird, gelangt nur selten an die Öffentlichkeit. Vor allem dann, wenn sich zwei politische Kräfte auf einen Plausch treffen, die sich eigentlich spinnefeind sein sollten – wie es beim Linksbündnis Syriza und dem Finanzoligarchen Soros der Fall ist.

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14 thoughts on “Syriza & Soros: Wenn der Sozialismus auf die Finanzoligarchen trifft”

  1. Finanzoligarchen und Sozialisten gehören zusammen, denn  Sozialismus ist der Humus, auf dem die Gelder für die Oligarchen wachsen. Nur die normalen Bürger bleiben auf der Strecke, verdienen wenig und müssen überdies einen Großteil ihrer Verdienste an den Staat abliefern, natürlich unter dem Vorwand der sozialen Gerechtigkeit.

    Und was die neue griechische Regierung auch mit dem festesten Rückgrat und dem größten Mut nicht zu bieten vermag, ist ein Staat, der nur soviel ausgibt, wie er selbst einnimmt – eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden normalen Haushalt, nur unsere Politiker haben vergessen, wie das geht. Seit Jahrzehnten bedienen sie ihre Klientel aus Geldern, die mit Schulden bereit gestellt werden. Und mit den ersten Eurorettungen muß auch der dümmste erkennen, daß die Gewinne privat sind, während Verluste mit Hilfe willfähriger Politiker sozialisiert werden. Insgesamt erleben wir seit einigen Jahren die größte Umverteilung von unten nach oben, die unsere Welt je gesehen hat.

    1. Da haben sie etwas grùndlich falsch verstanden. Googeln sie mal was Sozialismus bedeutet. Der "Humus" auf dem die Vermògen der der Oligarchen wachsen nennt sich Kapitalismus (welcher d.Zt. schon feudale Zùge angenommen hat). Sozialismus = Sozial, genau dieses soz. System wird zur Zt. mit grossem Eifer wieder abgeschafft. (Renten, Billig- statt Tariflohn, 40+ statt 36 Std/Woche, KV, Bildung & Ausbildung usw. usf.) Das sind kapitalistische Charaktere, die uns unter dem Deckmantel Sozial verkauft werden. Der Mensch soll den Sozialismus hassen. Wo kàmen wir hin, wenn jeder nach Leistung bezahlt werden mùsste o. jeder der was im Kopf hat gratis studieren dùrfte? Wo kàmen wir hin, wenn die Konzerne fùr die durch Automatisierung arbeitslos gewordenen sorgen mùssten. Wo kàmen wir hin, wenn jeder die gleiche Gesundheitsfùrsorge erhalten wùrde. Da hàtten wir den Soz. und wàren auf dem Weg zum Kommunismus. Das wàre das AUS fùr Oligarchen & Co und damit so etwas nie passiert, muss der Sozialismus weiter verteufelt werden.

      1. Was Sie beschreiben ist die Deutsche Wirtschaft der BRD ab den 50er und 60ern. Das dies Sozialismus war wäre mir neu.

        Was heute aber als Kapitalismus bezeichnet wird hätten wir in dieser Zeit als Faschismus und 200 Jahre zuvor als Feudalismus bezeichnet.

        Sind Kommunisten wirklich der Gegensatz?
         

        Sollte sich im Sozialismus nicht jeder so einbringen wie er kann und dafür helfen ihm andere? Wo hatten wir dies und wo hat es seit beginn der Menschheit funktioniert?

         

        In der Familie, in regionalen Gruppen, bei Völkern, kurz in der kleinen Gemeinschaft.
         

        Warum sind es gerade die Kommunisten und andere Sozialisten die diese kleinen sozialistischen Einheiten bekämpfen?

        Deren Modell endet dagegen so: Eine Bürokratie oder Machtstruktur wo sich jeder Angestellte nur an die Vorschriften hält bzw. den Vorgesetzten unterwirft. Auf den 1. Blick verspricht dieses System Ordnung und Sicherheit.
        Es entstand aber ein Pyramidensystem der Macht, bei dem nur die Spitze übernommen werden muss. Dies tun die Großbanken und ein paar Großkonzerne gerade. Damit sind die politischen Sozialisten nur die andere Seite der neoliberalen Medaille, die den Neoliberalen die Macht auf dem Silbertablett serviert haben.
        Ein Rückzug in regionale oder familiäre Bande ist der Masse kaum noch möglich da dieses Fundament von den 68er, Sozen, u.a. systematisch zerstört wurde. Die Falle ist zu.

        1. Die deutsche Wirtschaft war nie sozial (jedenfalls nicht die westl.). Der Westen hat sich seinen Wohlstand mit Billiglòhnern aus dem Osten und Schulden aus den USA aufgebaut. (fùr Letzteres hat die BRD auch gleich seine Souverenitàt verpfàndet) Waren wurden zu Niedrigstpreisen importiert, genauso wie Arbeiter (Tùrken). Nach der Wiedervereinigung brachen das weg und der Wohlstand ein. Man konnte das noch ein wenig mit dem Ausverkauf des Ostblocks, einer versteckten Wàhrungsreform (Euro) und Schròders Agenda (Hartzt 4) kaschieren aber langsam ist der Nullpunkt auch hier erreicht. 

          1. Wir haben die armen Türken importiert und ausgebeutet? Soweit ich weiß wollte dies die Mehrheit der Westdeutschen nicht. Dafür kam und kommt die Rassismuskeule.
            = Wenn wir Türken wollten wären wir Ausbeuter aber wer gegen den Import war ist halt Rassist. Also immer schuldig.

            Den Euro wollte das Volk auch nicht. Der wurde von Frankreich (Politik) mit Hilfe diverser Banker und Handlangern erzwungen, Kritiker diffamiert.
            Natürlich ist Deutschland am Desaster wieder Schuld, glaubt man diverser ausländischer Politiker und Medien.
            Logisch, wir exportieren die Waren, einige EU-Länder machen dafür Schulden, welche wir mit Rettungsgeldern bezahlen sollen. Geld weg, Ware weg.

            Genau das stört mich an den Sozialisten:
            1. Schuld sind immer die anderen.
            2. Gebt uns mehr Steuern und Macht, damit wir Gerechtigkeit schaffen können.
            Kaum haben sie diese Macht entrechten sie die eigenen Leute weiter und schanzen sich den dicksten Teil der Steuergelder selbst und ihren Genossen zu. Die Krümel bleiben für die Armen.

            Heute ein neues Beispiel dieses Neoadels, Stadt Pleite aber 260.000 Euro für 130 Luxusstühle:

            http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/torben-grombery/parlamentsbestuhlung-pleitestadtstaat-plant-kauf-von-designerstuehlen-im-wert-von-26-euro.html
             

    2. treffender hätte man es nicht sagen können. ohne sozialistischen staat keine (signifikante) gewaltanwendung seitens der oligarchen möglich, ohne gewaltanwendung keine umverteilung, ohne umverteilung keine abzocke bei der zentralstelle (subventionen, bankenrettungen, staatsverschuldung), ohne abzocke nur zu recht verdiente kapitalansammlungen.

      1. Kurz gesagt : Sozialismus = Kapitalansammlung ?

        Auf welchem Stern lebst du denn ? 

        Der Kapitalismus schaufelt ja wohl das Geld nach"oben"

  2. Syriza hat doch bereits den Bock zum Gärtner gemacht:

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/02/01/schulden-plan-syriza-regierung-heuert-us-investmentbank-lazard-an/

    Erst helfen US-Banken Griechenland in den Euro und damit ins wirtschaftliche und finanzielle Desaster. Danach wurde es in den ESM gedrängt und nun sollen wieder US-Investmentbanken helfen? Die Bank gewinnt immer!

    Hier und da noch ein paar Kredite, die die Griechen eh nicht zurück zahlen können. Macht nichts, die Banken nehmen auch die Öl- und Gasfelder in Zahlung, andere Sachwerte gehen auch. Dafür wurde von den Banken das Geld aus dem Nichts geschöpft, sprich in den PC getippt. Diese Geldschöpfung ist ein Verbrechen.

    Solange Menschen nicht lernen, dass man Geld, dass man nicht hat, nicht ausgeben kann ändert sich daran nichts. Auch eine staatliche Geldschöpfung ist nur ein Aufschub. Nachdem die Politik ein Papiergeldsystem an die Wand gefahren hat (alle Papiergeldsysteme scheiterten in der Geschichte) kommen die Polikter bei Privatleuten und verkaufen Land und Volk an diese.
    Dem Volk ist dies anfangs auch egal, Hauptsache Geld. Bis die Masse aufwacht ist es leider zu spät.

  3. Was ist Kommunismus? Es ist der gelungene Schachzug des neuen Geldadels gewesen, die bisherige Oberschicht durch Aufwiegelung der Unterschicht zu beseitigen und sich dafür an ihre Stelle zu setzen. Diese Taktik wurde schon im alten Rom angewandt.

    Der verbleibende Feind, der noch das nötige Mehrprodukt hat, um sich ggf. in der Freizeit zur Wehr zu setzen, ist die Mittelschicht.

  4. Hier sind noch zwei Interessante Beiträge zum neuen Finanzminister von Griechenland, den Mathematiker/Ökonomen Yanis Varoufakis

    Ein Interview auf 3sat aus dem Jahr 2012, da konnte er wahrscheinlich offener was zur Lage sagen als heute in seinem Amt:
    http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=31434

    Und das zweite ist aus der LeMonde diplomatique zu seiner Buchvorstellung von 2012 – Der globale Minotaurus – Die USA und die Ursprünge der Finanzkrise:
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2012/02/10.mondeText.artikel,a0068.idx,23

    Mir scheint es als hätte er schon eine grobe Ahnung was da passiert (ist). Zumal er beispielsweise auch bei der gestrigen Pressekonferenz in Frankreich meinte: "Man hat sogar zu viel Kredite erhalten.."
    http://www.tagesschau.de/ausland/griechenland-finanzkrise-109.html

  5. Warum die "Kommunisten" in Griechenland sich ausgerechnet Lazard NY anvertrauen, sich von denen beraten lassen? Ben Bernanke würde vermutlich Antworten: "Well, it's tradition. Long term tradition." Das ganze Theater "passt" ja auch so unglaublich gut zu dieser Meldung: http://www.timesofisrael.com/new-greek-finance-minister-accused-of-anti-semitism/

    In der Mathematik spricht man in so einem Fall von starker, aber negativer, also umgekehrter Korrelation. Entscheident ist aber nicht ob positiv oder negativ ("links" oder "rechts", dass glauben nur die Unwissenden), entscheident ist hohe (+1/-1) oder niedrige Korrelation (nahe 0) – oder gar keine Korrealtion (0). Oder anders gesagt: Kapitalismus und Kommunismus sind lediglich zwei Seiten der gleichen Münze. Entscheident ist, wer sie in der Tasche hat. 

  6. wie kann es sein das deutschland eines der sozialsten wenn nicht sogar das sozialste land der welt und alle nur am jammern sind ? habt ihr eine ahnung wie es bei anderen aussieht ? mein ihr wirklich dehnen gehts besser als euch ? glaubt ihr wirklich das die anderen die gleiche basis haben aber die machens nicht so gut wie in deutschlan?

    wurde deutschland nicht von tuercken , italienern, griechen ja eigentlich von der ganzen welt wider aufgebaut ? haben nicht die kinder derer die widervereinigung mitbezahlt ? man sollte auf sowas stoltz sein.

    hoert auf zu jammern und teilt dise erfahrung

     

    1. Mit Mythen sollte man seine Meinung nicht unterlegen. Lesen Sie mal ein Abwerbeabkommen, die sind so hart geschrieben weil man sie sonst nicht GEGEN die Bevölkerung durchsetzen konnte. Niemand hat Hilfe verlangt, es war nämlich keine Hilfe sondern das immer gleiche, Lohndrückerei. Es ging einzig und allein darum die Löhne zu drücken und das ist nicht im Sinne der Bevölkerung die zu diesem Zeitpunt übrigens schon 15 Jahre Wiederaufbau geleistet hat. Die Menschen kamen ins Wirtschaftswunder, nicht zu Ruinen.

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