Sanktionen: Der Lohn für strategische Menschenopfer?

Gestern, am Tag der Friedensvereinbarungen von Minsk, gab es zwei Nachrichten, die zwar äußerlich nicht miteinander in Verbindung stehen, aber inhaltlich unbedingt zusammen gesehen werden sollten. Der Focus berichtete von einer Initiative Hollands, in der gefordert wurde, dass es im Zuge der Verhandlungen in Minsk keine Amnestie für die Täter von MH17 geben solle.

Von Wilfried Michalski

So heißt es dort: "Zur Zeit kennen wir die genauen Fakten noch nicht, aber für die Niederlande bleibt es Priorität, dass die Täter verfolgt und bestraft werden müssen." Das niederländische Parlament forderte die sofortige Klärung und eine Garantie, dass die strafrechtlichen Ermittlungen ungehindert fortgesetzt werden." Wer wollte eine solche Forderung nicht für absolut berechtigt halten? Wer wollte nicht "dass die Täter verfolgt und bestraft werden müssen".

Doch wem bleibt nicht bei dieser Forderung der fade Beigeschmack, dass man sich beim "Täter verfolgen" in etwa so benimmt, wie in dem Witz, in dem jemand im Schein einer Laterne seinen verlorenen Schlüssel sucht und angesprochen, ob er ihn denn hier verloren hätte, antwortet: Nein, verloren habe er ihn da hinten. Aber da sei es zu dunkel zum Suchen!

Nach allem, was derzeit an Fakten zu MH17 geboten wird, muss man darauf schließen, dass eine "Klärung" zwar lautstark "gefordert", aber nicht tatsächlich angestrebt wird. Denn sonst lägen die Fakten auf dem Tisch und in Folge derer keine Sanktionen gegen Russland! Das muss in aller Eindeutigkeit festgestellt sein: Alle Sanktionen im Zusammenhang mit MH17 sind bisher durch keine wirkliche Beweislage gestützt! Reichen also für gravierendste Maßnahmen der EU gegenüber Russland bloße Verdachtsmomente? Wo bleibt da der mindestmögliche Rechtsanspruch "Im Zweifel für den Angeklagten"? Vor allem, was wird mit einem solchen Vorgehen begünstigt?

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Oder legt der Umstand, dass  die Sanktionen gegen Russland immer noch aufrechterhalten werden, den in der Logik unvermeidlichen Umkehrschluss nicht nahe, dass der 'Absturz' (neutrale Formulierung) von MH17 ein 'strategisches Funktions-Ereignis' war? Wenn es das nicht war, wenn man auch nur den leisesten Verdacht ausräumen wollte, dass es, wem auch immer, gelingen könnte, eine zivile Katastrophe als 'Hebel-Ereignis' einzusetzen, dann müssten die Sanktionen gegen Russland SOFORT beendet, oder zumindest bis zur "Klärung" ausgesetzt werden!

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Kommt es nicht zu einer umgehenden Beendigung der Sanktionen, so ergeht ein fatales Signal an alle diejenigen, die vor dem strategischen Einsatz ziviler Katastrophen zur Lenkung politischer Maßnahmen nicht zurückschrecken! Das sollte niemand unterschätzen. Diese Nachricht wird mancherorts besser verstanden als uns allen lieb sein dürfte: Es FUNKTIONIERT! Man kann mit zivilen Katastrophen die Ereignisfolge der Politik bestimmend prägen!

Man kann ganze Staatengemeinschaften lenken und dahin bringen, sich in Kombattantenschaft zu den eigenen Absichten zu begeben!  Im Verbund mit einer Presse, die sich gleich in Manier von 'Wort-, Begriffs- und Bildhyänen' auf den ausgemachten Feind stürzt, funktioniert das ganz besonders gut. Als signifikantes Beispiel sei nur der SPIEGEL-Titel "Stoppt Putin Jetzt" genannt.

Das holländische Eingeständnis "Zur Zeit kennen wir die genauen Fakten noch nicht", sollte zumindest dazu führen, dass die bloße Möglichkeit, dass MH17 in strategischer Absicht herbeiereignist wurde, eine in der Analyse unvermeidliche Verdachtsoption wird! Und das im öffentlichen Diskurs! Wenn nicht die Sanktionen die im Kontext von MH17 verhängt wurden sofort aufgehoben werden, steht der Vorwurf der 'strategischen Menschenopfer' im Raum – und ins gerne hochgehaltene 'Europäische Haus'.

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Leider ist man in dem 'Haus' offensichtlich weit von jeder wirklichkeitsnahen Politik entfernt – um nicht zu sagen, von allen guten Geistern verlassen! Oder was soll man davon halten, wenn gerade gestern, also an dem Tag, an dem man wenigstens ansatzweise ein Quäntchen Friedenshoffnung hegen durfte, von "weiteren Sanktionen" und "Strafmaßnahmen" gegen Russland die Rede war?! Was ist das für eine Politik, wenn in einer Situation, in der man in zaghaftesten Begründungen annehmen darf, dem Europäischen Großkonflikt, inklusive realer Kriegs-Möglichkeit, durch Verhandlungen gerade noch von der Schippe gesprungen zu sein, dass ausgerechnet da von weiteren „Strafmaßnahmen“ gesprochen wird, wenn auf russischer Seite nicht den EU-Erwartungen gefolgt werden sollte?

Was ist da los? Was rauchen die da? Es steht zu fürchten, dass die nicht einmal was 'rauchen'. Die sind so! Die sind so dumm-dreist! So hingabewillig an die transatlantischen Vorgaben, dass über den Hebel Ukraine der Konflikt mit Russland unbedingt gefahren werden muss, dass sie hier das Boot wieder mit Wasser voll schütten, das sie eben erst in Minsk mühsam über 17 Stunden 'ausgelöffelt' haben. Wer könnte es der russischen Seite verübeln, wenn sie angesichts dieser gespaltenen Zungen schlichtweg mal die Schnauze voll hat?!?

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7 Kommentare

  1. Für eine Gruppe von Menschen rund um Merkel ist das alles absolut logisch, denn ich beschuldige diese Leute der Verschwörung zum Krieg. Angestiftet durch die Atlantikbrücke begann die Adenauerstiftung an der Seite der CIA in Kiew mit der Inszenierung des Putsch. Auch die politische Ausbildung der Gruppe Klitschko auf der Krim wurde von der Adenauerstiftung geplant und bezahlt. Dabei flossen auch Steuergelder. Der akademische Austauschdienst wurde als Börse missbraucht. Interessant die Federführung aus den Reihen der NRW CDU. CIA und Newland entschieden wer Koch und wer Kellner sein sollte(Fuck the EU). So wurden Jazenjuk und die NAZIS die treibende Kraft beim Ausverkauf der Ukraine an Bonzen und Banken. Mann hatte aber ein Hermelin gefangen und versuchte das Fell des Bären zu verteilen. Dieser vollzog mit der "Anektion" der Krim den Enthauptungsschlag gegen die USA. Auch wir Deutschen sollten uns merken: " Wenn es nicht um eine Kleinstinsel in der Karibik geht, verlieren die USA jeden Krieg." Die USA haben bis heute nicht gelernt, wer den 2. Welkrieg gewonnen hat und das jeder Sieg letztendlich am Boden von der Infanterie gewonnen wird. Jemanden mit Atomwaffen zu bedrohen, der selber über 10 Jahre weiter entwickelte Raketen verfügt und die elektronische Oberhand besitzt, ist ein Großmaul ohne gleichen.
     

  2. Der Satz im Artikel: "…..von allen guten Geistern verlassen." beschreibt die Situation für mich sehr treffend.

    OT: Ich würde gerne die Einschätzung Anderer wissen zu der momentanen Regierungsarbeit. Die Informationen, die ich lese, drehen sich fast ausschließlich um die Ukraine und Griechenland sowie bis vor ein paar Tagen um Pegida. Seit den "Ermahnungen" in ihrer Jahresansprache, hat Frau Merkel auch nicht mehr "zum Volk" gesprochen.

    Alle zwei Wochen erscheint ein Artikel zur Maut. Ab und zu einer zur Datenspeicherung (weil es ja in Frankreich so gut geklapppt hat), die wir ja auch so "dringend" brauchen. Ansonsten habe ich das Gefühl seit langen Wochen keine Infos über Innenpolitik zu erhalten, z.B. über Renten, Familienpolitik, prekäre Arbeitsverhältnisse, Infrastruktur, TTIP etc. Was machen sie den ganzen langen Tag. Ist die Weihnachtspause ausgeweitet worden und ich habe das verpasst?

    1. Nun ja, innenpolitisch bietet Deutschland momentan nicht gerade sehr viel. Da ist selbst im kleinen Österreich viel mehr los. Ich werde mal schauen, ob ich etwas Interessantes aus diesem Bereich ausgraben kann.

  3. Es wirkt auf den ersten Blick verwunderlich, dass die Sanktionen jetzt nach Minsk noch erweitert wurden. Sinn ergibt es aber, wenn man folgendes in Betracht zieht. Die USA und die willfährigen Europäer, verfolgen das gleiche Ziel, nämlich Russland wieder auf Jelzinstandart zu bringen und dem Westen zur Ausbeutung darzubringen. Nur in der Wahl der Mittel ist man nicht einig. Während die USA auch einen Krieg, der ganz Europa erfasst, in Kauf nehmen würde, versuchen die Europäer dies zu verhindern und mehr auf Sanktionen zu setzen. Es wird, unabhängig was passiert, eine weitere Verschärfung der Sanktionen geben, dazu genügen den Europäer auch die unsinnigsten Gründe, weil sie mehr und mehr durch die unverholenen Kriegsdrohungen aus den USA , unter Druck gesetzt werden.  Nicht umsonst betonte Obame kürzlich, dass der US Wehretat größer ist als der , der nachfolgenden zehn Nationen zusammen. Auch sagte er, bestimmt auch an die Europäer gerichtet, dass dIe USA manchmal massiv Druck ausüben müssten, wenn andere Länder nicht das tun, was die USA verlangten.

    Unter dieser Sichtweise wir einem bewußt, wie zielgerichtet und ausdauernd , die Ziele von den USA verfolgt wurden und werden. Auch ein Widerstreben von einigen Nationen in Europa würde nichts mehr ändern. Zudem gehen die USA jetzt auch unverholen dazu über, Ihre Stärke auch verbal, wie die Beispiele der Aussagen Obamas zeigen, zu demonstrieren. Die Welt ordnet sich den USA unter, oder Krieg und Elend.

    1. "…wird einem bewußt, wie zielgerichtet und ausdauernd , die Ziele von den USA verfolgt wurden und werden". Das ist mit Sicherheit ein starkes taktisches Plus für die Amerikaner. Sie haben eine Strategie, die über einige Jahrzehnte angelegt ist …und über einige 'Präsidenten', die mit allerhand American-Electainment  ins Amt gehievt werden, sehr gezielt verfolgt wird. Mit den dienlichen Assistenzen der westlichen Think-Tank-Medien (auch "Qualitätspresse" genannt), werden die Strategien dann gefahren. Im Kern dürfte der Kreis derer von 'need to know', die also die tieferen Zielsetzungen kennen, sehr begrenzt sein. Der Rest ist 'embedded' und strategisch gesetztes Fußvolk.
      Zu den tieferen Absichten ggf. noch hier im Magazin der Artikel: http://www.contra-magazin.com/2015/01/der-grosse-krieg-im-off-der-zukunft-und-sein-vorspiel-der-ukraine/

  4. Seit Jahrzehnten hat die USA Länder erpresst und notfalls die Amtsinhaber beseitigt. Es funktioniert und jeder kuscht vor der Weltmacht. Man gebe bei Google den Namen Steven Geyer und das Datum 12.06.2002 ein. Man findet den Artikel das die USA 2002 den Niederlanden mit einer Invasion gedroht haben sollte ein amerikanischer Bürger von dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt werden. Denkt man an Malaysia die es gewagt haben Bush und Andere der Kriegsverbrechen anzuklagen dann könnte man das verschwinden des Malaysias Flugzeug im März und den Abschuss der MH17 in der willkommenen ukrainischen Lage auch in andere Bahnen lenken. Bis jetzt hat Amerika nur Tod und Zerstörung in die Länder gebracht. Sie morden weiter weil es keiner wagt sich ihren verbrecherischen Machenschaften in den Weg zu stellen

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