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Europa steht am Scheitelpunkt der Zeiten. Nichts ist mehr so, wie es einmal war, vieles ändert sich. Ob zum Guten oder Schlechten ist Auslegungssache im Blickwinkel verschiedener Standpunkte. Gravierende Änderungen bahnen sich an, das Europa das wir kennen, wird es bald nicht mehr geben.

Von Marcel Grasnick

Wirtschaft, Währung und Geld

Schon Ende der 60er Jahre gab es bereits Pläne zu einer gemeinsamen europäischen Währung. 1970 skizzierte der damalige luxemburgische Ministerpräsident Pierre Werner die Idee einer europäischen Währungsunion. Sein Plan sah bis 1980 die stufenweise Einführung einer Wirtschafts- und Währungsunion vor, die jedoch an den Problemen der damaligen Zeit scheiterte wie Ölkrise und innerpolitische Probleme der Mitgliedsstaaten. Erst 1988 wurde die Idee einer Währungsunion für den europäischen Markt wieder aufgegriffen. Bezeichnenderweise war Pierre Werner auch hier noch aktiv, als Aufsichtsrat der Banque Centrale du Luxembourg trug er aktiv zur Gründung des Europäischen System der Zentralbanken bei

Doch wie schön sich die Väter der Währungsunion sich auch alles ausgemalt haben, es kommt immer anders als man denkt und hofft. Denn auch wenn die Maastricht-Kriterien anfangs ein wichtiger Bestandteil des Euro waren, Schuldenobergrenzen, ausgeglichener Staatshaushalt und dergleichen mehr, so hatten sich doch sehr viele Staaten schon anfangs ihre Haushaltspläne schön gerechnet. Mit mogeln kommt man auf Dauer bekanntlich nicht weiter und so kommt nun, was kommen musste. Viele Staaten stehen kurz vor dem Bankrott und die Politiker haben kein leichtes Spiel, ihrer Bevölkerung weiterhin die Idee dieser gemeinsamen Währung zu verkaufen. Der ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) trat 2012 in Kraft – bezeichnenderweise mit Sitz in Luxemburg. Luxemburg – wir erinnern uns – ist eine der Steueroasen, durch die andere Staaten Milliarden Euro an Steuern von den Konzernen verlieren, also nicht ganz unschuldig in der Hinsicht.

Vielleicht hätten die damaligen Initiatoren des Euro die Gedanken der gemeinsamen Währung zu Ende denken müssen. Denn was sie natürlich nicht bedacht haben, sind unterschiedliche Lebensweisen, unterschiedliche Mentalitäten im Umgang mit Geld. Eine gemeinsame Währung für Europa für den innereuropäischen Handel – die Idee ist nicht so schlecht, aber die Umsetzung war miserabel. Denn als Leitwährung für Europa, aber unter Beibehalt der nationalen Währungen wäre das heutige Dilemma der bankrotten Staaten nicht so extrem aufgetreten – die These habe schon damals aufgestellt. Nur eine schlechte Wirtschaftsleistung kann man nicht mit einer gemeinsamen Währung kompensieren. Das erkennen nun mittlerweile auch viele Bürger Europas und lehnen sich gegen eine gemeinsame Währung auf, die der Großteil sowieso nie wollte. Vielleicht hätten sie uns Bürger einfach mal fragen sollen …

Ethnische Konflikte

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es in Europa eine neue Einteilung der Länder. Grenzen wurden verschoben und ein "Eiserner Vorhang" als Keil mittendurch geschlagen. Die Menschen, die heutige Generationen, sind in 2 verschiedenen Ideologien aufgewachsen, dem Kommunismus und dem Kapitalismus. Doch darüber hinaus wurden Völker in Staaten zusammengepfercht, die niemals zusammengehörten. Wir erinnern uns an den blutigen Jugoslawien-Konflikt, bei dem Serben, Mazedonier, Bosnier und Kroaten, die sich früher einen Staat teilten, nun ihre Souveränität wieder bekommen haben. Schon 1918 gab es Reibereien bei der Gründung des Königreiches Jugoslawien, die im 2. Weltkrieg in einem Bürgerkrieg gipfelten, der nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems erneut ausbrach. Mittlerweile ist Ruhe – weil jede Ethnie ihr eigenes Territorium hat.

Das gleiche Dilemma spielt sich nun in der Ukraine ab, die ebenfalls als ehemalige Grenzregion des Zarenreiches zahlreiche Ethnien aufweist: Polen, Deutsche, Ukrainer, Russen, Weißrussen und Krimtataren. Nach dem Ende des Weltkrieges kam es zu einem Beitritt des Staates "Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik" in die Sowjetunion. Kurze Zeit später wurde der Ukraine dann die Halbinsel Krim aus der russischen Sowjetrepublik überführt, anlässlich des 300jährigen Jubiläums der Vereinbarung von Peresaslaw. Die Krim war nie ein Teil der Ukraine – sie war früher ein Teil des Osmanischen Reiches und wurde nur durch den Russisch-Türkischen Krieg (1768-1774) erst als Unabhängiger Staat, dann als Teil Russlands integriert.

In vielen Regionen Europas gibt es Beispiele für ethnische Konflikte, weil Völker in Staaten gepresst wurden. Die beiden genannten Beispiele sind nur ein kleiner Teil. Solche politischen Entscheidungen gingen schon immer über die Köpfe der Einwohner hinweg. Wen wundert es also, dass immer wieder Konflikte ausbrechen? Statt eine friedliche Koexistenz zu leben, wurde ein Zwangs-Zusammenleben gefördert, dass nicht immer schief gehen muss, was aber durchaus passiert.

Viele Staaten Europas vereinen in sich ethnische Gruppen. Selbst in Deutschland, man denke an die Sorben, Friesen und Bayern. Eine Ethnie bezeichnet damit aber nicht unbedingt abwertend, aber dennoch die unterschiedliche Lebensweise einer eigenständigen Identität als Volksgruppe. Wobei wir in Deutschland quasi ein friedliches Zusammenleben als Vorbild leben, auch wenn es immer noch unterschiedliche Ansichten gibt. Es kann also funktionieren.

Zukunft

Nehmen wir nun einmal an, die Wirtschafts- und Währungsunion war nur ein Vorspiel auf dem Weg in ein einheitliches Europa, quasi den "Staat Europa" – den wir aufgrund der Vorgaben und Regelungen aus Brüssel im Grunde schon haben, dann können wir doch absehen, wie es in Zukunft aussehen wird. Und wer jetzt noch die rosarote Brille trägt, der ist wirklich verblendet.

Vielmehr sollte man sich darauf einigen, dass man anderen Völkern keine eigenen Ansichten aufzwingen kann. Ein friedliches Zusammenleben kann es doch nur geben, wenn jeder den anderen akzeptiert, wie er ist. Und auf welche Weise er leben mag. Ohne die eigene Ansicht aufzwingen zu wollen. Leben und leben lassen ist die Devise. Unterschiedliche Ansichten und Lebensweisen sind eine Bereicherung für Europa. Eine erzwungene Vereinigung dagegen keine optimale Lösung.

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