Russlands Präsident Putin mit Österreichs Präsident Fischer. Bild: Fotodienst der russischen Präsidentschaftskanzlei

Am 6. Februar veröffentlichte die österreichische Tageszeitung "Die Presse" einen Gastkommentar des Schweizer Professors für Osteuropäische Geschichte, Andreas Kappeler. Darin kritisierte er die Haltung der österreichischen Politik in Sachen Ukraine-Konflikt und Sanktionen gegen Russland. Gerade als Historiker sollte er jedoch erkennen, welches Regime er da in Kiew unterstützt.

Von Marco Maier

Jedes Land hat seine eigenen Interessen, die von der jeweiligen Regierung entsprechend vertreten werden sollten. Außenpolitisch mag Österreich zwar trotz der Verankerung der Neutralität in der Verfassung stets eine starke Westbindung gehabt haben, doch auch die Verbindungen in den östlichen Teil des Kontinents – speziell nach Moskau – waren schon aus historischer Sicht stets ein unerlässlicher Teil des politischen Selbstverständnisses der Alpenrepublik.

Wenn nun Professor Kappeler in seinem Gastartikel kritisiert, dass sich Vertreter der Österreichischen Bundesregierung – namentlich in Form von Bundeskanzler Faymann und Außenminister Kurz – gegen die Sanktionen der EU gegen Russland aussprechen, so mag das zwar in Sachen Meinungsfreiheit erlaubt sein, erzeugt jedoch gleichzeitig Irritationen. Gerade als Bürger eines ebenfalls neutralen Landes sollte er sich in Sachen Vorwürfen gegenüber der österreichischen Politik und dem Verhältnis unseres Landes zu Russland etwas zurücknehmen.

Er schreibt über die "gern beschworene historische Verbundenheit Österreichs mit der Ukraine, mit den ehemaligen habsburgischen Kronländern Galizien und Bukowina". Gut, wir haben eine gewisse historische Verbundenheit mit diesen Regionen, die nun Teil der heutigen Ukraine sind. Dennoch haben wir auch eine historische Verbundenheit mit Russland, die wir nicht aufs Spiel setzen sollten, nur weil diverse Cliquen in Brüssel und Washington unbedingt die Feindschaft des Kremls wünschen. Und: Was ist mit der historischen Verantwortung Österreichs? Wer auf die Verbundenheit mit einigen Regionen setzt, sollte auch die Verantwortung ansprechen. Denn wenn eine radikal-nationalistische Führung in der Ukraine tobt, die sogar unter Verwendung von NS-Symbolen einen blutigen Krieg gegen Teile der eigenen Bevölkerung führt, sollte man sich auch in Wien (wie auch in Berlin) damit ehrlich auseinandersetzen – und vor allem als Historiker entsprechende Rückschlüsse ziehen.

Gerade als Historiker sollte man hier doch die vielen Aspekte bedenken, die gerade im aktuellen Konflikt rund um die Ukraine einfließen. Nur weil Galizien und die Bukowina vor rund 100 Jahren noch Teil eines längst zerfallenen österreich-ungarischen Staates war, dürfen wir keinen Tunnelblick entwickeln. Haben wir angesichts dieser Geschichte unseres Landes dann auch die Pflicht, uns in die Politik von Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bosnien-Herzegovina, Kroatien, Slowenien oder Italien einzumischen, nur weil diese Länder früher ganz oder teilweise Teil des Habsburgerreiches waren? Sollten wir nicht vielmehr darauf achten, wie die tatsächliche und aktuelle politische Lage ist und dementsprechend reagieren?

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Man kann der Österreichischen Bundesregierung sicher in einigen Bereichen vorwerfen, dass sie nicht wirklich im Interesse der hierzulande lebenden Menschen handelten, doch wenn es um die Politik in Sachen Russland und Ukraine geht, so zeigt sich zunehmend eine vernünftige Haltung die eines neutralen Staates würdig ist. Denn Wien versucht sich zumindest in einer neutralen Politik, die mit beiden Seiten konstruktive Gespräche führt. Welchen Weg Bern diesbezüglich gehen will, bleibt den Schweizern überlassen. Doch als Schweizer der in Wien an einer staatlichen Universität Geschichte lehrt, sollte zumindest ein Grundmaß an Respekt gegenüber der politischen Haltung seines Gastlandes zeigen. Österreichs Ablehnung von Saktionen gegen Russland hat zwar auch handfeste wirtschaftliche Gründe, ist jedoch gleichfalls ein Ausdruck eines politischen Verständnisses, welches auf Dialog und Verhandlungen setzt.

Wenn Professor Kappeler schon von den Bedürfnissen von 45 Millionen Menschen in der Ukraine spricht, sollte er sich auch jene Millionen Menschen ins Gedächtnis rufen, die von den ukrainischen Regierungstruppen bombardiert und beschossen werden. Ebenso sollte jene Million an Ukrainern, die vor den Schergen der rechtsextremen Söldnerbataillone und Soldaten nach Russland flohen, nicht vergessen werden. Weder Waffenlieferungen an Kiew noch Sanktionen gegen Russland können diesen Krieg beenden, der Schätzungen zufolge schon mindestens 50.000 Menschen das Leben kostete. Und so muss man sich fragen, ob Professor Kappeler auch in den 1930er-Jahren die Nationalsozialisten in Deutschland mit der gleichen Vehemenz verteidigt hätte, wie er es heute mit dem radikal-nationalistischen Regime in Kiew tut.

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3 KOMMENTARE

  1. bitte gebt all den idioten eine rolle klopapier,und zeigt ihnen den weg zum mobiklo.die zipfen mich so an,dass ich deren existenzberechtigung ernsthaft anzweifle.die,die nur gewalt,tod und verdruss sääen, sollte man entfernen dürfen

  2. Poroschenko hat die Geschlossenheit der EU ganz lieb mit seiner Schnapspralinenfabrikantensouveränität eingefordert, aber Fischer wird nicht süchtig nach Merkels Wackeldackellob…

    Ich komme aus der Landwirtschaft, und da denke ich bei den neuen Möglichkeiten landwirtschaftlicher Produktion der Ukrainer für Österreich erst einmal an Senf. Aber das Senfgeschäft hat Mautner Markhof schon lange an uns Bayern verkauft…und Mike und Stefan Durach ist Manns genug, ihre Geschäfte für Develey ohne NATO und Merkel und auch ohne die Diktatorenmelker aus der Schweiz zu tätigen.

    Der brachiale Stil der Faschisten wurde in Österreich besser überwunden als in Deutschland. Österreich hat mit allen Parteien Neutralität gelebt, auch wenn von rechts die Neutralität an sich gerne in Frage gestellt wurde.

    Die neue Straßenbahn in Wien kommt aus Kanada. Warum denn nicht wie mancherorts in Russland von Siemens?! Hat Bombardier dem Häupl ein schöneres Rot kredenzt?

    Anfangs war Heinz Fischer ein alter Heini, den schon lange keiner mehr sehen konnte. Aber nun hat er Profil gewonnen und Österreicher wieder stolz auf ihre couragiertere Form der Neutralität stolz werden lassen. Da können wir Nachbarn schon mit stolz sein und uns schämen ob der Dumpfdämlichkeit eines Ministerpräsidenten, der zwei Orchester von Weltrang zusammen in einen Altbau pferchen will, damit er sich nicht die Gehirnwindungen beim Beurteilen neuer Pläne verbiegen muss…

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