Diverse Zeitungen. Bild: Flickr / Javier Micora CC BY 2.0
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Wir Menschen sind schon ein komisches Volk. Anstatt uns an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen, haschen wir gierig nach jeder schlechten Nachricht, die uns nur auf irgendeinem Wege erreichen kann. Je schlimmer, desto besser. Um dann in Gedanken die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und zu stöhnen, wie ungerecht die Welt doch ist – oder das Leben. Wie grausam und unberechenbar die Natur ist, die wir zu zähmen versuchen – vergeblich natürlich. Wie ungerecht wir Menschen uns gegenüber anderen Menschen verhalten, um dieses Unrecht dann anständig zu verurteilen, aber dennoch zu bequem sind, etwas dagegen zu tun.

Von Marcel Grasnick

Wer einmal die Nachrichten aufmerksam verfolgt, wird zu einem Großteil nur schlechte Nachrichten sehen. Gut und Schlecht sind dabei zwei Begriffe, die nur eine Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln sind. Was für den einen eine Gute Nachricht ist, kann der Andere nicht verstehen. Dabei ist es doch kulturell einfach zu verstehen, besagt schon allein das Sprichwort "Andere Länder, andere Sitten". Was uns an Werten eingebläut wurde, durch Eltern, Schule und Gesellschaft, löst in anderen Regionen der Erde nur ein Kopfschütteln aus. Wer zum Henker sind wir dann, anderen unsere Werte eintrichtern zu wollen? Was erlauben sich die Menschen, die meinen, ihr eigenes Wertesystem sei nur das einzig wahre und richtige?

Die Medien ziehen daraus ihre Bilanz. Naturkatastrophen werden ausgeschlachtet bis ins kleinste Detail – natürlich nur und Achtung Ironie – damit wir (un-)mündigen Bürger korrekt informiert sind. Doch so gesehen, was nützt mir eine umfassende Information über eine Katastrophe am anderen Ende der Welt? Als Otto Normalbürger kann ich doch eh nichts tun, außer Bedauern auszudrücken. Und was nützt den Betroffenen das Bedauern? Rein gar nichts. Was nützt es zu wissen, dass US-amerikanische Polizisten ein Mädchen in einer Polizeistation quasi hingerichtet haben, außer dass das Bild, das ich als Konsument von Nachrichten eh schon von den Amerikanern habe, nur bestätigt wird? Und das persönliche Bedauern gegenüber dem Teenager, der nun viel zu früh zu Grabe getragen wurde?

Wir Menschen sind so gestrickt – oder wir wurden so gestrickt, wer weiß das schon. Schlechte Dinge bleiben uns besser im Denkkasten erhalten als Gute. Jeder weiß, was am 11.09.2001 passiert ist, doch kann sich noch irgendwer an etwas Gutes an diesem Tag erinnern? An die Tage davor oder danach? Die Wenigstens werden wahrscheinlich noch positive Erinnerungen an den Zeitraum haben.

Schlechte Nachrichten erwecken in uns das Gefühl, dass das Leben weitergeht, dass etwas passiert. Die Gedanken fangen an zu rotieren, man kann über etwas nachdenken, analysieren und wird sich der Gefahren bewusst, die im Umfeld lauern. Es könnte ja einen selbst treffen. Doch nein, halt, doch nicht. Wir leben ja nicht in einer Region, in der so etwas passieren kann. Mit der Angst lässt sich eben Geld verdienen, dass wissen nicht nur die Medien. Unser Überlebensinstinkt ist zu gut ausgeprägt, als dass wir schlechte Nachrichten ignorieren können. Dabei ist es unerheblich, wie viele Opfer in den schlechten Nachrichten gezählt werden. Die Nachricht allein ist wichtig.

Gute Nachrichten erwecken dagegen nur einen kurzen Moment der Freude, wenn überhaupt. "Oh toll, super" – Das war es dann auch schon. Und im schlimmsten Fall wird sogar die gute Nachricht zu einer schlechten, wenn Neid mit im Spiel ist. Und das Spiel mit dem Neid, da sind wir Menschen Meister darin.

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