Sogenannte "Mainstreamjournalisten" werden in Deutschland und Österreich immer unbeliebter. Sie lassen keine Zweifel an ihren "offiziellen" Berichterstattungen zu. Namen zu nennen wäre hier überflüssig. Wir kennen sie alle, die "Systempresse" und die "Lügenmedien". Anstatt sich aber Gedanken darüber zu machen warum es so weit kommen konnte, dass sich "Julia und Otto Normalbürger" lieber im Internet bei alternativen Medien ihre Information holen und deshalb vielleicht bei sich selbst den Fehler zu suchen beginnen, schicken sie ihre Journalisten aus, um die neuen Medien bloßzustellen. 

Von Andre Eric Keller 

Anfang Dezember trafen wir uns zu einem alternativen Medienstammtisch im achten Wiener Bezirk. Ein paar Vertreter von jungen und frischen Internetportalen haben sich zusammengefunden, um sich auszutauschen, um über ihre Tätigkeiten und Absichten zu informieren und im Anschluss miteinander nett zu plaudern. Marco Maier, Chefredakteur vom Contra Magazin, in seiner netten Art und Weise, lud unbekümmert die Qualitätsjournalistin Simone Brunner ein, welche sich Tage zu vor bei uns gemeldet hatte und die Absicht bekundete uns zu interviewen. Im Nachhinein betrachtet – so als wußte ich es bereits vorher – war dies ein Fehler. Wie konnten wir auch so naiv sein, nur im Ansatz daran zu glauben, dass sich eine gelernte, professionelle Journalistin für uns interessiert. Kam sie nur um uns im Nachinein lächerlich darzustellen?

Simone Brunner ist freie Journalistin, hat Slawistik und Germanistik studiert und ist über ein Praktikum in Moskau zum Journalismus gekommen. Sie bereist des öfteren Russland, Weissrussland und die Ukraine, daher auch ihre spätere Kritik an uns, wonach wir noch nicht einmal diese Länder besucht hätten, über die wir schreiben. Neben ihrer Autorentätigkeit beim Osteuropamagazin "Ostpol", bietet sie ihre Recherchen diversen Tageszeitungen und Magazinen an und ist deshalb auch abhängig von den großen Meinungshochburgen. Wer beißt schon die Hand, die einen füttert? Nur zu logisch, dass Fräulein Brunner genauso wenig über unseren Bürgerjournalismus erfreut ist, wie ihre Auftraggeber bzw. ihre Brötchengeber. Haben diese mit sich selbst und deren aufgeblähten Redaktionen schon genug zu tun, beackern nun auch noch Nonkonformisten genau die gleichen Äcker wie sie selbst. Mit dem Unterschied, dass sie es ohne großen oder gar keinen finanziellen Background, gänzlich ohne politische Einflüsse und nur mit sehr dünner Personaldecke tun. Um den Menschen auch andere Sichtweisen bieten zu können, abweichend vom westlichen Einheitsbrei, verbringen die neuen Journalisten und Blogger unendlich viel Zeit mit Recherche im Internet und mit Schreiben von Texten. Idealisten also, die Spaß am schreiben und am vermitteln von Informationen haben und sich auch als Korrektiv zu den Massenmedien sehen.

Nun sitzt sie vor uns, die kleine zierliche Journalistin. Mein Versuch ehrlich und offen mit ihr zu plaudern, wird von ihr irgendwie mit großen Abstand erwidert. Schlussendlich werden nur ein paar Worte zwischen "Apfelsaft gespritzt" und Zigaretten getauscht. Ein wirkliches Interesse kann ich nicht erkennen, so hat es den Anschein dass Brunner eigentlich so schnell wie möglich wieder weg wolle. Tatsächlich war sie auch recht schnell wieder verschwunden, nachdem sie mit unserem Marco Maier einige Worte gewechselt hatte. Freilich hatten wir keine Lobeshymne an alternative Medien erwartet. Was uns aber erstaunt ist die Tatsache, wie Brunner uns – übrigens ganz nach deutschem Vorbild – in Nähe einer Kreml-Propaganda ansiedeln möchte. Hierfür bringt sie ein paar Argumentationen eines Pseudowissenschaftlers, welcher genau nach üblicher Manier, uns ein bewusstes oder unbewusstess Verhalten unterschieben möchte, welches dem Kreml in die Hände spielt. Wir wollen uns auch an dieser Stelle dafür entschuldigen, dass wir eben nicht russophob sind, wie etwa die westlich ausgerichtete "Qualitätspresse".

Ich, Andre Keller, darf ihnen liebes Fräulein Brunner folgendes verraten: Wir brauchen weder Kreml noch eine US-Administration um zu sehen, wo wir mit der derzeitigen NATO-Ausdehnungspolitik und der kriegsgeilen US-Hegemonialpolitik hinsteuern. Wir, die alternativen Medien, sind die Warner und modernen Friedensstifter. Wir übernehmen eure Aufgaben, welche ihr vergessen habt zu erfüllen. Infolgedessen könnte man auch ehrlicherweise bei den Qualitätsjournalisten und deren Auftraggeber die Ursachen in der Frustration der Leser suchen – und sicher nicht in einer Umwälzung der Medienlandschaft, wonach neue, unabhängige und interessensfreie Medien entstehen. Qualitätsjournalismus muss nicht teuer sein. Nein, es genügt wenn dieser ehrlich und authentisch ist. Denn wie unsere Politiker auch, gibt es einige Journalisten, die ob ihrer hervoragenden Ausbildung und gesellschaftlichen Relevanz, ebenfalls an der Stimme des Volkes vorbeihören. Wir sind für die Leser hier, und nicht für die Medienkonzerne. Ich garantiere ihnen, wir sind gekommen um zu bleiben und eines Tages werden wir alternativen Medien einen wichtigen Stellenwert in der europäischen Medienlandschaft einnehmen. Ganz so wie es sich in einer echten Demokratie mit westlichen Werten geziemt, bestehen wir auf Presse- und Meinungsfreiheit. Aber selbst hier sehen wir leider schon Gefahr in Verzug, denn wenn einem neuen Medium nicht mit demokratischen Mitteln beizukommen ist, versucht man es eben mit diversen, schlagkräftigen Diffamierungskeulen. 

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Eine Leseprobe von Simone Brunner über Alternative Medien mit dem Titel "Nichts ist wahr, alles ist möglich" erschienen auf falter.at (Vollständiger Artikel kann ab Montag, 12 Uhr ohne Abo gelesen werden)

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5 thoughts on “Mainstreamjournalisten: Die Hüter und Pächter der Wahrheit”

  1. Dazu kann man nur sagen, daß man nicht mit den Mainstreamnarren auf dem Niveau ihrer Dummheit debattieren sollte, sonst beginnt man ihnen zu gleichen, denn diese Narren glauben fest daran, daß alle anderen auch Dummköpfe sein müssen!

     

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