Ägyptischer Luftangriff in Libyen. Bild: Youtube / Al Jazeera
Ägyptischer Luftangriff in Libyen. Bild: Youtube / Al Jazeera

Libyen: Der von der NATO kaputtgebombte Trümmerhaufen

Seit 2011, als die NATO die Gegner Gaddafis mit Bomben und Granaten unterstützten und der Staatsführer schlussendlich vom Mob ermordet wurde, zerfällt das einst wohlhabende Land. Nun will insbesondere Italien eine neue militärische Intervention vorantreiben.

Von Marco Maier

Vom einstigen Wohlstand ist heute nicht mehr viel zu sehen. Rivalisierende Clans und islamistische Gruppen, die unter Gaddafi noch im Zaum gehalten wurden, versuchen die Macht im Land an sich zu reißen. Doch dies fordert einen enormen Blutzoll, so dass inzwischen wohl rund ein Viertel der Bevölkerung aus dem Land geflohen ist. Auch die Ölförderung ist faktisch zum Erliegen gekommen.

Vier Jahre nach dem von der NATO unterstützten Sturz von Gaddafi funktioniert in Libyen gar nichts mehr. Es herrscht nur noch Chaos und Anarchie, weil die ständigen Machtkämpfe der einzelnen Gruppen zu einem Machtvakuum führten, welches keine Fraktion für sich entscheiden kann. Die Übergangsregierung selbst ist zerstritten und nur ein Puppentheater ohne Autorität.

Nun verlangt die italienische Regierung eine miliärische Intervention der NATO. Ägypten hat bereits Luftschläge durchgeführt, nachdem Islamisten ägyptische Kopten hinrichtete. Indessen unterstützen Saudi Arabien und Vereinigten Arabischen Emirate eine Seite im Bürgerkrieg, die Türkei und Katar eine andere. Selbst die USA überließen dort Waffen an islamistische Gruppen.

Der von den USA - insbesondere von der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton - forcierte Regime Change wurde als "humanitäres Eingreifen" getarnt. Eine "Politik, die auf der richtigen Seite der Geschichte war und im Einklang mit unseren Werten sowie unseren strategischen Interessen in der Region stand", so Clinton darüber. Doch das "demokratische und pluralistische Libyen" war von Anfang an eine Illusion, die an den realpolitischen Gegebenheiten scheitern musste.

Doch selbst wenn die NATO erneut interveniert - was soll das bringen? Ein paar erneute Luftschläge stellen die Ordnung nicht wieder her und das Land militärisch zu besetzen ist keine Option. Selbst eine Invasionstruppe von 50.000 Mann wäre angesichts der dortigen Lage nicht fähig, selbst nur die Küstengebiete dauerhaft zu befrieden. Vom hohen Blutzoll ganz zu schweigen, den diese Truppe dann erleiden müsste.

Was bleibt ist die Tatsache, dass es die USA und deren NATO-Erfüllungsgehilfen einfach ordentlich vergeigt haben. Darunter leiden dürfen Millionen von Menschen, die nun in einem politischen und wirtschaftlichen Trümmerhaufen leben müssen, während sie unter der Regierung Gaddafis noch zumindest Frieden und materielle Sicherheit erfahren konnten.

image_pdfimage_print

3 Kommentare

  1. Die Nato ist der verlängerte Arm der USA. Der Name NATO steht für: Nord Antlantische Terror Organisation! Alles für den Frieden, Demokratie und Wohlstand! Was für Kriegstreiber und Lügner!

  2. Prof. Dr. G. W. Schuster

    War im Okt. 2009 selbst 4 Wo. in Libyen auf Einladung eines Freundes, kam 4.500 km mit

    Landcruiser durchs ganze Land. Libyen war ein blühendes Land u. echter Sozialstaat,

    Gesundheitswesen, Schule, Studium alles gratis, Tel. Strom, Benzin (6 cts /l) fast umsonst.

    Manmade Riverprojekt hatte 1/3 des Landes begrünt u. fruchtbar gemacht. NATO hat bewußt alles zerstört u. Libyen in einenfayled state verwandelt. Ein Verbrechen !!!!!!!!!!!

  3. Dieser friedliche Blumenkinderrevolution wurde nicht von der NATO "unterstützt", sondern ausgelöst. Durch die Ausbildung von Umsturzfachkräften, die Verbringung vom Al-Kaida  Blumenverkäufern nach Libyen und die Aufhetzung der östlichen Stämme gegen den Obristen.

     

    Und dann kommen die Täter von 2011 auf den Gedanken mit noch mehr Bomben die Lage bessern zu können. Libyen wurde vorsätzlich und mit vollem Wissen um die Folgen zerdeppert. Einzige Lösung wäre eine harte Hand, hunderfach härter als Gaddafi, die alle umbringt, die nicht wollen und wieder Ordnung ins Chaos erzwingt. So wie die Familie Assad in Syrien, da war der Vater auch viel schlimmer, als der Sohn es dann war, aber anders wird man so ein Stammesgebilde nicht in einem Staat erhalten können.

    Ist der irre Westen dazu willens? Wohl kaum. Na dann bombt mal schön.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>