Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Bild: Flickr / blu-news.org CC-BY-SA 2.0
Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Bild: Flickr / blu-news.org CC-BY-SA 2.0

Ifo-Präsident Sinn: EZB betreibt in Griechenland Konkursverschleppung

Gestern Abend polterte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn im Frankfurter Wirtschaftspresseclub ICFW in gewohnter Manier gegen die EZB. Die Währungshüter wollten glauben machen, dass für die gewährten Notkredite allein die Zentralbank in Athen haften würde, doch "das ist aber eine Fiktion", so Sinn. Nun fordert er die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen.

Von Marco Maier

Bislang lag das Haftungspotential der griechischen Zentralbank bei rund 42 Milliarden Euro. Allerdings hatte der EZB-Rat erst gestern den Rahmen der Notkredite (Emergency Liquidity Assistance - ELA) von 65 auf 68,3 Milliarden Euro angehoben. Davon seien, so Sinn ganze 26,4 Milliarden Euro ungedeckt. Sinn: "So gesehen betreibt die EZB in Griechenland bereits eine Konkursverschleppung zulasten der Steuerzahler der Eurozone."

Der Ökonom des Münchner Instituts forderte Kapitalverkehrskontrollen nach Beispiel Zyperns, um so die massive Kapitalflucht einzudämmen. Denn es seien die Bürger anderer Eurostaaten die ungefragt auf eigenes Risiko Ersatzkredite beisteuerten und "die es den reichen Investoren erlauben, sich aus dem Staube zu machen", so Sinn.

Die Kapitalverkehrskontrollen würden dazu beitragen, das Geld in Griechenland zu halten und die Solvenz der griechischen Banken zu sichern. Diese sehen sich nämlich mit einem enormen Kapitalabfluss konfrontiert, welcher durch die Notkredite der Zentralbank ausgeglichen werden sollen. Wenn diese Kontrollen etabliert werden, "können die Anleger ihr Geld nicht mehr einfach von Athen nach Frankfurt überweisen", so Sinn. Und weiter: "Es ist nicht Aufgabe der EZB, Kapitalflucht zu finanzieren - weil der Steuerzahler dahinter steht."

Sinn spricht damit vor allem die Vermögenden in Griechenland an. Während die meisten Griechen ohnehin kein Geld mehr auf der hohen Kante haben, bunkert der letzte Rest der Mittelschicht sein Geld inzwischen in Bar zu Hause. Vor allem die Oberschicht jedoch verschiebt die in Griechenland verbliebenen Finanzreserven aus Angst vor einem Staatsbankrott und dem Austritt aus der Eurozone lieber ins Ausland, wodurch die griechischen Banken enorm unter Druck stehen.

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Ein Kommentar

  1. Die Konkursverschleppung erfolgt laufend seit 2010, was auch seit 2010 so beschrieben wurde, jedoch nicht von Sinn. Man halte sich lieber an die "uralten" Aussagen von Hankel, Starbatty, Henkel, Nölling, Schachtschneider und ähnliche Euro-Bekämpfer. Die einzige Lösung war 2010, und ist es bis heute geblieben, der Ausstieg aus dem Euro, einer politischen Zwangswährung, die für Unfreiheit, Ausbeutung und am Ende Krieg steht.

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