Griechenland: Varoufakis drängt auf Schuldenschnitt

Der griechische Finanzminister, Yanis Varoufakis, drängt auf einen Schuldenschnitt für Athen. Er sehe keine Möglichkeit, dass Griechenland seine Schulden in naher Zukunft begleichen könne. Bedenkt man einen möglichen Staatsbankrott Griechenlands, ist dies durchaus eine denkbare Möglichkeit, die auch in Etappen durchgeführt werden könnte.

Von Marco Maier

Die enorme Schuldenlast ist für Griechenland erdrückend. Zwar konnten die Zinskosten im Zuge der Umschuldungen deutlich reduziert werden – in diesem Jahr muss Athen nur rund 5,5 Milliarden Euro für den 320 Milliarden Euro schweren Schuldenberg zahlen – doch selbst dies erweist sich als äußerst schwieriges Unterfangen. Immerhin konnte der ausgeglichene Primärhaushalt (ohne Zinskosten) nur mit allen möglichen Tricks erreicht werden.

Varoufakis, der erst kürzlich noch eine erneute Umschuldung in Erwägung zog, griff nun gegenüber dem deutschen Magazin "Stern" wieder die Thematik eines Schuldenschnitts auf. Dieser wird jedoch vor allem von der deutschen Bundesregierung abgelehnt, da Berlin dadurch einige Milliarden Euro an Forderungen abschreiben müsste. Generell zeigt man sich ebenfalls in Brüssel nicht gerade begeistert von diesem Vorschlag.

Im vergangenen Jahr konnte Griechenland zwar zum ersten Mal seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 und den nachfolgenden Sparmaßnahmen ein leichtes Wirtschaftswachstum verbuchen, doch nominal liegt die Wirtschaftsleistung des Landes immer noch um 27,3 Prozent unter dem Höchstwert von 2008. Berücksichtigt man die Inflation (bzw. Deflation) der letzten Jahre, liegt die reale Wirtschaftsleistung heute sogar nur noch bei rund zwei Dritteln des Wertes von 2008.

Selbst wenn es Athen schaffen würde, jährlich auch nur 5 Prozent des BIP an Überschuss zu erwirtschaften, so wäre dies mit aktuell etwa 12,5 Milliarden Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Abzüglich der Zinskosten blieben noch 7 Milliarden Euro zur Schuldentilgung übrig – etwa 2,2 Prozent des Schuldenberges. Auch wenn sich die Wirtschaft wieder erholt, würde es nicht nur eine Aufgabe von mindestens 3 oder 4 Jahrzehnten bedeuten, die Schulden auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, sondern gleichzeitig auch die Chance auf eine wirkliche Erholung zunichte machen. Denn diese Milliarden an Euro die jährlich zur Tilgung von Schuld und Zins aufgewendet werden müssen, fließen vornehmlich ins Ausland ab und stehen damit nicht mehr der eigenen Volkswirtschaft zur Verfügung.

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Insofern müssen sich die Geldgeber fragen, ob ein wirklicher Schuldenschnitt nicht vielleicht doch sinnvoller wäre. Immerhin ist es unwahrscheinlich, dass Griechenland die Schulden tatsächlich irgendwann zurückzahlen kann – sofern die Eurozone keine Phase der Hyperinflation erlebt. Angesichts der äußerst niedrigen Zinsen, die sich Athen "leisten" kann, bleibt abzüglich der Inflation und gegebenenfalls der Steuern zudem nur ein Nullsummenspiel und ein möglicher Verlust übrig. Alle Zukunftsszenarien miteinbezogen und gewichtet, wäre ein Schuldenschnitt von zum Beispiel 200 Milliarden Euro, gestreckt über 5 Jahre zu je 40 Milliarden Euro, durchaus eine sinnvolle Alternative. Dann könnten auch die Geldgeber selbst ihre Bücher entsprechend anpassen. Zumindest wäre es besser als einen Staatsbankrott zu riskieren und damit 320 Milliarden auf einen Schlag zu verlieren.

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3 Kommentare

  1. Die  Griechen brauchen  neues Geld.Niemand  weiß wohin die 300  Milliarden Euro Kredit  verschwunden sind.In den letzten  20 Jahren  wurden 150 Milliarden Euros  zur  Enwicklung des Landes  überwiesen.Niemand  weiß was  davon entwickelt  wurde in Griecheland.Es gibt dort 2000 Familien clans die Alles  haben und bisher kaum Steuern zahlten und Freunde der Politiker  waren.   Der Euro wurde den Deutschen  aufgezwungen…

    1. Keiner weiss wo die Milliarden hin sind?

      Mach dich Schlau!

      Das Meiste ist doch nie angekommen!

      Es blieb doch direkt bei den Banken, um Schulden zu bezahlen!

       

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