Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos, Vorsitzender der ANEL. Bild: Griechisches Verteidigungsministerium

Der neue griechische Verteidigungsminister, Panos Kammenos, versucht den Druck auf die EU-Partner zu erhöhen. Sollte man sich nicht mit Brüssel einigen können, würde sich Griechenland eben nach alternativen Geldgebern umsehen. Dabei sprach er im griechischen Fernsehen die USA, Russland oder China als mögliche Alternativen an.

Von Marco Maier

Während Premierminister Tsipras in den europäischen Hauptstädten eine Charmeoffensive durchführt, erhöht Verteidigungsminister Kammenos wieder den politischen Druck. Gegenüber dem griechischen Fernsehen sagte er, dass man zwar ein Abkommen mit der EU als Ziel habe, doch falls Deutschland unnachgiebig bleibe, müsse sich sein Land nach Alternativen umsehen. "Das wären am besten die USA, aber es könnten auch Russland oder China oder andere Länder sein." Allerdings beharrte die deutsche Bundesregierung weiterhin auf die Einhaltung bestehender Vereinbarungen, die mit den Vorgängerregierungen geschlossen wurden.

Demnach wolle Griechenland eine Einigung mit den Euro-Partnern erzielen. "Aber wenn es kein Abkommen gibt – was hoffentlich nicht passiert – dann haben wir die Pflicht, Plan B zu verfolgen. Plan B ist die Finanzierung durch eine andere Quelle", sagte Kammenos, der als einziger Vertreter des Regierungspartners ANEL im neuen griechischen Kabinett vertreten ist. Tsipras selbst wollte Finanzhilfen aus Russland bislang noch nicht ins Spiel bringen.

Für die griechische Regierung wird es nämlich finanziell langsam sehr eng. Allein im Februar und März sind nämlich Zinszahlungen und fällige Kredite in Höhe von insgesamt 4,5 Milliarden Euro zu bezahlen. Bis zum Ende des Jahres belaufen sich die Fälligkeiten ab Februar auf insgesamt 20,9 Milliarden Euro. Ein Großteil davon sind auslaufende IWF-Kredite und Staatsanleihen. An Zinsen werden im Gesamtjahr 2015 ganze 5,5 Milliarden Euro zu zahlen sein.

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Angesichts des Konfrontationskurses der neuen griechischen Regierung könnte das Zerwürfnis mit Brüssel so groß werden, dass neue Hilfsprogramme nicht mehr in Frage kommen. Nach dem Rauswurf der Troika wird es auch vom IWF kein Geld mehr geben. Was bleibt, sind die internationalen Finanzmärkte und staatliche Geldgeber außerhalb der EU. Allerdings verlangen die privaten Anleger angesichts der drohenden Staatspleite Griechenlands exorbitant hohe Renditen, während die Inanspruchnahme von Finanzhilfen aus anderen Ländern politische Abhängigkeiten mit sich bringen können.

Bedenkt man jedoch, welchen Druck die Troika bislang auf Athen ausübte, könnte sich die von der Syriza geführte Regierung mit Finanzspritzen aus den USA, Russland oder China durchaus anfreunden. Vor allem Russland und China sind dafür bekannt, dass sie bei der Gewährung von Finanzhilfen im Gegensatz zum IWF oder zur EU keine Spardiktate oder umfangreiche Privatisierungen verlangen. Gerade dies könnte für Athen äußerst interessant sein.

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6 KOMMENTARE

  1. Hat sich bereits erledigt. Wie erwartet kommen jetzt die 6 Monate Aufschub, bei denen niemandem geholfen ist. Die EU wackelt weiter, der Euro brennt und Griechenland steht da, wo es am Anfag schon stand. Alles nicht alternativlos aber perspektivlos.

    Es gibt nur eine Lösung für GR. Sofort raus aus dem Euro, die Plünderungen bestrafen mit Zahlungsverweigerung der EU, ESM und IWF gegenüber und eine neue rohstoffgedeckte Währung einführen. Gleichzeitig mit China und Russland Abkommen schließen und der EU den Rücken kehren.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-eu-kommission-will-angeblich-sechs-monate-zeit-geben-a-1017735.html

  2. ein sinnloser erpressungsversuch. die sind weder in den usa, noch in russland oder china daran interessiert, sich einen klotz ans bein zu binden.

    • sorry aber ich muss dir leicht widersprechen.

      Die sind sehr wohl an Griechenland interessiert, weil ja z.b. die US-Ölmulits bereits seit längerem die rießen Gasvorkommen in Griechenlands Hoheitsgebiet ausloten. Die Rechte dazu haben sie von den alten für sie regierenden korrupten Politikerkasten erhalten. So viele Werte im Ausland haben die Griechen auch nicht und deshalb ist das Szenario mit Ausstieg und "Schei… auf IWF, ESM, Troika etc" die beste Variante. Eigene Währung wieder installieren und sofort Abkommen mit dem Osten unterzeichnen. Nur so werden sie die Raubtierkapitalisten am schnellsten los und können sich ihr Land neu aufbauen.

      Man muss sich zum Thema Griechenland die Vorgeschichte mit z.b den gefälschten Bilanzdaten (mit Hilfe Draghi + Regling) ansehen und DA die Frage stellen, weshalb und wem nützt es !? Das hat im Endeffekt nur wenig mit Griechenland selbst zu tun, sondern Aufgrund ihrer alten korrupten Politikerkaste und ihrem fragilen Finanzsystem waren sie der einfachste Angriffspunkt gegen die EU und den EURO. Es wird doch bitte keiner glauben, dass die USA mit ihrem Luftschloss Dollar, eine 2te weltweite Währung akzeptieren ?!

      So wie jetzt haben das Dollarsystem (somit USA), die EU und ihren EURO an der Leine bzw lassen sie sie tanzen wie die Puppenspieler ihre Püppchen.  Fragt sich in dem Zusammenhang eigentlich niemand, weshalb die Engländer dauernd in der EU quertreiben aber nach wie vor den Pfund als Währung haben ?  Wenn man sich die finanziellen Vernetzungen London+Washington ansieht, dann versteht man es sehr schnell.

      p.s.: Übrigens ist das alles nichts wirklich Neues, denn das sind alles alte Masterpläne der globalen west. Thinktanks. Genauso wie der Fall Ukraine ein alter NATO-Masterplan aus Anfang der 90ziger ist. Wie der Maidan begann, hatte ich sofort ein deja vu und dachte "das kenn ich doch von wo" (war in den 90zigern sogar ganz offiziell Nachzulesen bei den NATO-Planspielchen). 

      Plan C wird weniger die 5te Kolonne sein als eher die EUROGENDFOR. Dazu sollten sich alle einmal deren Befugnisse ansehen und wie Brüssel diese per Gesetz deklariert. Das hat nichts mit Friedensprojekt EU zu tun, sondern wie entmachte ich abtrünnige Mitgliedstaaten.

      Fazit: als "EU-Befürworter" hilft einem ein gepflegter Dachschaden im Gehirn ungemein.

      • Danke, echt wohltuend, ab und an einen Kommentar zu lesen, von einem der Duchblick hat.

        Bleibt nur noch die Frage, was können wir noch tun?

  3. Vielleich kommt auch noch Plan C der EU ins Spiel, bei dem die 5. Kolonne der EU mit einerm Putsch eine EU geneigte Regierung, wie in der Ukraine, einsetzen wird. Allerdings wird es dann extrem eng mit der Finanzierung werden, aber um den Mythos dieser 'Währungsge-meinschaft' aufrecht zu erhalten, nimmt man sicherlich den Bankrott dieses gesamten  Eurosionssystems in Kauf!

     

    • Danke Pequod                                                                                                                                                   Du verstehst es brilliant, den europäisch gesinnten Europäern Mut zu machen. Was soll das? Wirst Du bezahlt dafür, MSM zu bestätigen: feiert Fasching Leute…. hat eh alles keinen Sinn mehr. Tu lieber was dagegen, in der Sauna z.B, oder beim Stammtisch. Österreich ist noch ein wenig klein wenig souveräner, zum mindest pro forma neutraler als andere EU-Länder und das sollte es auch bleiben. "Land der Berge, Land der Seen…" ;sollte doch auch unter österr. Herrschaft bleiben, oder?  Viell. mal das österr. Volksbegehren "raus aus d. EU" unterstützen, od. Demonstrationen wie PEGADA EnDGamE. EU braucht USA nicht.                                                                     

       

       

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