Gedenkstein für die Wolgadeutschen in Biebrich, Hessen. Bild: Wikimedia / Oliver Abels CC-BY-SA 3.0

Deutschland ist nach wie vor ein beliebtes Zuwanderungsland. Der Wanderungssaldo ist stetig positiv. Interessant ist jedoch der Umstand, dass insbesondere aus Russland deutlich mehr Menschen nach Deutschland ziehen als bisher. Dahinter steckt wohl auch eine Gruppe, die in den letzen Jahren fast schon in Vergessenheit geriet: die Russlanddeutschen.

Ein Gastartikel von Reynke de Vos

Höchst aufschlussreich ist der jüngste Migrationsbericht für Deutschland. Im europäischen Vergleich zeigt sich nämlich, dass es seit 2006 Hauptzielland von Zuzüglern ist. So sind im Jahr 2012 insgesamt 592.175 Menschen nach Deutschland zu-, aber 240.001 aus Deutschland abgewandert, was einen Zuzugssaldo von 352.174 ergibt. Ähnliche, wenngleich erheblich niedrigere Zuzugssalden wiesen nur Italien (244.556) und Großbritannien (176.823) auf, während etwa Spanien einen diesbezüglichen Negativsaldo (mehr Ab- denn Zuzügler) von 142.553 Menschen zu verzeichnen hatte. Auch die Schweiz – als Nichtmitgliedsland der EU – wies 2012 einen positiven Migrationssaldo von 36.170 Menschen auf: 149.051 Zuzüglern standen vor zwei Jahren 103.881 Fortgezogene gegenüber.

Im Jahr 2013 – für 2014 liegt noch kein Migrationsjahresbericht vor – wies die Migrationsstatistik für Deutschland einen „Wanderungsgewinn“ von 430.000 Personen auf. Ob dies tatsächlich ein „Gewinn“ für das Land ist, soll hier nicht bewertet werden. Fest steht, dass aus Polen 197.009 Zuzüge nach Deutschland und von dort 125.399 Fortzüge nach Polen registriert worden sind, mithin ein Zuzugssaldo von 71.610 Personen. Weiter angestiegen ist die Zahl der aus Rumänien (135.416 gegen 85.865) nach Deutschland Zugezogenen, was seit 2006, dem Jahr vor Rumäniens EU-Beitritt, in etwa einer Versechsfachung entspricht. Deutlich erhöht im Vergleich zu 2012 hat sich die Zuwanderung aus Italien (35 Prozent) und Spanien (17 Prozent). Interessant auch die deutsche „Wanderungsbilanz“ bezüglich Österreich und dem Nicht-EU-Mitglied Schweiz: Während nämlich aus Österreich „nur“ 18.629 Menschen nach Deutschland übersiedelten, zog es deren 20.341 von Deutschland nach Österreich. Gegenüber der Schweiz ist der deutsche „Wanderungsverlust“ von 9.034 Personen (17.923 Zuzügler aus und 26.957 Wegzügler nach Deutschland) noch markanter als jener gegenüber Österreich (1.712).

Die Erklärungen dafür liegen auf der Hand: Ist es beim „Wanderungsgewinn“ in erster Linie die wirtschaftliche und soziale Anziehungskraft (Arbeitsmöglichkeiten) Deutschlands, die auf Menschen aus den EU-Ländern Polen, Rumänien, Italien und Spanien wirkt, so spielt beim  „Wanderungsverlust“ die steigende Zahl der deutschen „Numerus-Clausus-Flüchtlinge“  an österreichischen Hochschulen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hinsichtlich der Schweiz dürften hingegen die steuerrechtlichen Voraussetzungen sowie die noch bessere wirtschaftliche Lage als in Deutschland dafür ausschlaggebend sein. Am deutlichsten zeigt sich die sozial-ökonomische Anziehungskraft Deutschlands indes an der Zahl der ins Land strömenden Asylsuchenden, wenngleich dies  „Gutmenschen“ von links über grün und liberal bis hin zu nicht wenigen Sympathisanten der C-Parteien strikt in Abrede stellen: 2013 hat die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland um nicht weniger als 70 Prozent gegenüber 2012 zugenommen.

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Biebrich_Denkmal_WolgadeutscheHöchst bemerkenswert sind die Zahlen, welche zur Migration aus der Russischen Föderation (fortan Russland) nach Deutschland vorliegen. Waren es 2013 „nur“ 33.233 Personen, so dürfte die Zahl nach bislang vorliegenden Indikatoren 2014 auf mehr als 100.000 hochschnellen. (Die exakte Zahl wird erst der Migrationsbericht 2014 ausweisen, der noch nicht vorliegt.) Keinen Zweifel kann es über die Gründe für die Abwanderung aus Russland geben: Die sich rasch verschlechternde Wirtschaftslage des Landes, vor allem aber der Krieg in der östlichen Ukraine, in den Russland entgegen offiziellen Verlautbarungen aus Moskau tief verwickelt ist.

Hinter der hochgeschnellten Zahl verbirgt sich indes auch eine Personengruppe, welche in den letzten Jahren kaum mehr publizistisch in Erscheinung gebracht worden ist, weil sie – im Vergleich mit anderen Migranten- und Asylantengruppen – eine statistische Randerscheinung war. Im Gegensatz zu den späten 1980er und den gesamten 1990er Jahren, als aus den aus der untergegangenen Sowjetunion hervorgegangenen Staaten – vor allem aus Russland und der Ukraine sowie aus den mittelasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgisien (Kyrgystan), Tadschikistan und Turkmenien – insgesamt bisher 2,3 Millionen „Sowjetdeutsche“ bzw. „Russlanddeutsche“ als sogenannte „Spätaussiedler“ in Deutschland aufgenommen und integriert worden sind. Wenngleich deren Zahl seit 2005 in der Migrationsstatistik bei „nur“ noch etwa 2500 pro Jahr rangierte, dürfte sie 2014 parallel zur nach oben geschnellten Gesamtzahl (s.o.) derer, die Russland in Richtung Deutschland verließen, wieder gestiegen sein. Genaueres wird man auch für diese Gruppe erst nach Vorliegen des Migrationsberichts 2014 wissen. (Weiter auf Seite 2)

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1 KOMMENTAR

  1. Zu den Deutschrussen mag ich noch etwas dazu sagen. Vor etwa 20 Jahren hat man den Deutschrussen, wenn sie nach D kommen pro Kopf um die 1500 DM angeboten…ist das heute auch noch so?

     

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