Alltag in der Ostukraine. Bild: Facebook / O. Katsaros

Der Krieg in der Ukraine sorgt für Tod, Leid, Zerstörung und unermessliche Angst. Was die Zukunft bringen mag, weiß niemand. Diese mehrteilige Artikelreihe soll einen Einblick in die Geschehnisse gewähren, einen Überblick verschaffen und Verständnis für jene Menschen wecken, die sich gegen eine illegitime Regierung wehren welche für die Menschen im Donbass nur Verachtung übrig hat. Dies ist der erste Teil einer Artikelreihe, die sich diesem Thema widmet.

Von Michail Bondar; Übersetzung Solveigh Calderin

Vor acht Monaten, im April, begann Kiew die so genannte Anti-Terroristische Operation (ATO) im südöstlichen Teil der Ukraine. Die ökonomisch starken Donezker und Lugansker Gebiete (sieben Millionen Einwohner, Kohle, Metallurgie, Chemieindustrie und Maschinenbau, Wissenschaft und Landwirtschaft) hatten die neue Regierung des Nationalismus und des Staatsstreiches beschuldigt und forderten einen Dialog für das Erreichen einer Autonomie im Rahmen des Landes sowie das Recht die hier herrschende russische Sprache zu benutzen. Kiew bot statt eines Dialogs und der Autonomie Kanonen an. Wir werden hier nicht aufklären, inwiefern das in seinem Wesen ein Bürgerkrieg ist, der den offiziellen Namen Anti-Terroristische Operation erhielt. Wir werden keine politischen Wertungen geben und die eine oder andere Seite einnehmen. Wir schauen einfach mit eigenen Augen, was dort wie ist.

Im südöstlichen Konflikt kann man ganz bestimmt nicht eindeutig bestimmen, wer mehr Schuld hat. Das ist immer so bei inneren Kriegen. Aus irgendeinem Grund, zum Beispiel, eindeutig bezeichnete die neue Kiewer Regierung die Erstürmung der Kreis- und Gebietsbehörden in der ganzen Ukraine durch die nationalistisch eingestellten Organisationen als legitim, außer denen in den südöstliche Gebieten und Odessa, wo diese Erstürmungen durch Kiew für ungesetzlich erklärt wurden. Ja, protestierende Bürger des Südostens der Ukraine schwenkten aus irgendeinem Grund häufig Flaggen der benachbarten Russischen Föderation, wofür sie Europa verurteilte. Nun, aber auf dem Kiewer Maidan und im Westen der Ukraine wurden Flaggen der Europäischen Union und der USA geschwenkt und sehr oft Flaggen der ukrainischen Aufstandsarmee, Verbündete der Hitlerarmee, was in Russland und in vielen Gebieten der Ukraine Empörung hervorrief.

Die Bewohner des Südostens und viele Bewohner des Restes der Ukraine beschuldigen die Kämpfer der ATO der Anhängerschaft des Neonazismus, was in den allermeisten Fällen angemessen ist. Dafür stehen die Flaggen der Freiwilligenbataillone und die Tätowierungen vieler Teilnehmer der ATO mit Abbildungen von Symbolen, die untrennbar mit dem faschistischen Regime Deutschlands in den 30iger und 40iger Jahren assoziiert sind. Allerdings rufen auch die auf der Seite der Milizen kämpfenden Kosaken (die Kosakenschaft sind freiwillig militarisierte Vereine von Menschen, in denen alte vielhundertjährige Traditionen wirken) mit ihren imperialen Ansichten und mittelalterlichen Ritualen (zum Beispiel öffentliches Auspeitschen Schuldiger) ein gewisses Befremden hervor.

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Wer an dem Konflikt auch schuld ist und wer ihn auch provoziert hat, in jedem Fall leidet immer einer – das friedliche Volk, das sich in der Zone der ATO befindet. Wie viele Menschen kamen um, sind vermisst oder wurden zu Invaliden, das kann niemand wirklich sagen. Es sind viele Tausende. Die Statistik, die der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist ungenau, unvollständig und offen politisiert. Ebenfalls unmöglich ist es die Menschen zu zählen, die ohne Wohnung blieben, denn einige Siedlungspunkte wurden durch die Ukrainer buchstäblich in Ruinen verwandelt, ohne ein einziges erhaltenes Haus. Die Auflistung der Opfer setzt sich fort und wächst trotz des Waffenstillstandes: Da wurden einige Menschen von einer Mine zerrissen, da ist es unklar, von wo aus eine Rakete abgeschossen wurde, die während des Waffenstillstands ein Haus zerstörte, in deren Schutt die Familie umkam, die darin wohnte.

Überhaupt erinnert die ATO-Zone heute an einen andere Zone, die sich auch auf dem Territorium der Ukraine befindet: Die Sperrzone von Tschernobyl. Das aufgrund der im weit zurückliegenden Jahr 1986 erfolgten Explosion des Energieblocks des Kernkraftwerkes aufgegebene Territorium stellt sich heute als ein in den Wäldern versteckter Schutt halb baufälliger Hütten und mehrstockiger Häuser dar, die mürrisch aus ihren leeren Fensteraugen auf die Extremtouristen schauen, die kommen, um die Hinterlassenschaft der Atomkatastrophe anzuschauen.

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3 KOMMENTARE

  1. Das finde ich mal eine neutrale Berichterstattung, sü wünsche ich mir das von den Medien. Ja ich weiss, word wohl nur ein Traum bleiben. Aber danke dafür. Werd ich gern weiterverfolgen …

    • es wurde geputscht, abmachungen zwischen der legitimen und der aktuellen regierung wurden gebrochen. es werden schulen, krankenhäuser gebombt, frauen vergewaltigt, zivilisten beschossen, kinder getötet – aber"Im südöstlichen Konflikt kann man ganz bestimmt nicht eindeutig bestimmen, wer mehr Schuld hat". 'tschildigung – neutrale berichterstattung? 

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