Europas Untergang

Der Fall Griechenland zeigt den sittlichen Verfall der EU

Die neue griechische Regierung hat richtig erkannt, dass alle vorherigen Regierungen zusammen mit der EU das Schuldenproblem verstärkt statt gemindert hatten. Die Rettungsschirm-Aktion der EU insgesamt hat sich in den Aktionsjahren als fehlerbehaftet und kontra-indikativ, ja sogar verstärkend herausgestellt. Aus der Rettung ist eine Betrugsaffäre geworden.

Von Henry Paul

Es haben sich folgende Punkte deutlich gemacht:

  • Die Rettungspolitik der EU ist keine Rettung verschuldeter Staaten, sondern es ist eine Rettung nach IWF-Muster. Dieses Muster geht davon aus, dass aufgrund der Rettungspolitik sowohl die betroffenen Banken als auch fremde Kapitalgeber an der Rettung verdienen und der Schuldner immer tiefer in den Schuldensumpf gedrückt werden sollen.
  • Die Kreditoren handelten und handeln nach wie vor unsittlich, in dem den Schuldnern immer weitere und höhere Kredite zwangsweise verordnet werden, um den Schuldenstand und die Verdienstmöglichkeiten über Zins-Prolongation zu erhöhen. Das ist nach allgemeinem Recht sittenwidrig, wenn klar ist, dass es dem Schuldner unmöglich ist, die Kredite jemals zu bedienen oder zu tilgen.
  • Die EU handelt völlig außerhalb ihres Rechtsrahmens, sowohl dem EUV, dem AEUV, dem EUGVVO, EZBSatz, StabPakt, VO (EG) 1467/97, EMRK und der GR-Charta. Es ist ein einmaliger Vorgang, dass ein "institutioneller Rahmen", genannt EU sich Rechte anmaßt, die nicht existent sind; dass die EU das Geschäft der Banken und Kreditoren betreibt anstatt das Geschäft seiner Mitglieder, zu dem sie in eindeutigem Treueverhältnis zu stehen hat.
  • Die EU handelt in vielen beweisbaren Fällen als gewerbsmäßige Veruntreuungsanstalt im Auftrag des IWF und der privaten Banken. Der Zweck der EU wird pervertiert. Die Gesetze der "Verträge" werden pervertiert. Nicht das Wohl der Mitgliedsländer wird als Handlungsprimat angewendet, sondern das Erstreben außerordentlicher Profite der sittenwidrig handelnden Banken.
  • Die sogenannte Rettung ist keine, sondern eine Zerstörung breiter Volksschichten durch Zwangsmaßnahmen einer Troika, die weder Befugnisse noch manifesten Rechtsstatus in der EU hat. Selbst die Vereinbarungen und Verträge mit der Troika, mit den Beauftragten der EU im Fall der Problemlösung, sind rechtswidrig.
  • * Die Bevölkerung der Schuldenländer wird rechtswidrig mit Maßnahmen belegt, die weder gerechtfertigt sind, noch dem wirtschaftlichen Sachverstand der Welt-Ökonomen entspricht, sondern exakt dem Gegenteil. Das führt zur sozialen und monetären sowie pekuniären Verarmung der gesamten Bevölkerung des Schuldenstaates, ohne dass sich die Schuldenlast verringern würde.
  • Die Bevölkerungen der Schuldenstaaten werden als Geld-Geiseln missbraucht; die staatlichen Besitztümer werden unter Wert zwangsverkauft, um bevorzugten Personen, Banken, Kreditoren aus anderen Ländern Windfall-Profits zu bescheren. In diesem Sinne ist die gesamte Rettungs-Politik eine Veruntreuungsmaschinerie, quasi eine false-flag-Operation des IWF, also der USA und seiner Geldoligarchen.
  • Alle bisherigen Maßnahmen zur Rettung haben kein Problem gelöst, keine Kreditversorgung und keine staatliche Gesundung in ordentliche gesunde Bahnen gebracht, sondern den Gesamtzustand der Schuldenstaaten weiter exzessiv verschlimmert.
  • Die sogenannten Konditionalitäten sind willkürlich, unangemessen, nicht zielführend und lösungs-invers. das System der Rettungsmaßnahmen ist dysfunktional, kontraproduktiv und in den meisten Mechanismen kriminell.
  • Die zwanghafte Fortsetzung dieser Politik und die Betonung der EU auf Alternativlosigkeit spiegeln diese Rettungspolitik als das was sie in Wahrheit sind: eine Zerstörung staatlicher Souveränität und Ausbeutung staatlicher Ressourcen zum Wohle fremder Bankensysteme. Der IWF als verlängerter Arm der US-Hegemonie leistet ganze Arbeit zum Wohle US-amerikanischer Finanzoligarchen und der US-Regierung, der eine starke EU zuwider, weil sie ein starker Wettbewerber ist.
  • Die Überversorgung von Staaten mit Krediten und die sogenannte Rettung dieser dann überschuldeten Staaten mit der sogenannten Rettungsschirm-Politik und einhergehender Zerstörung über die Konditionalisierungen, ist der politisch motivierte Raubzug der US-hörigen EU an schwachen europäischen Ländern, um die EU insgesamt und damit Europa in die totale Abhängigkeit der USA zu bringen.
  • Besonders verwerflich ist die pro-aktive Beteiligung der Bundesregierung, des deutschen Finanzministers an diesem Konstrukt, an der zwanghaften Installierung und der unbedingten Fortführung dieser Rettung, selbst dann, wenn offensichtlich ist, dass keine Rettung stattfinden kann, sondern der Totalausfall des Staates bevorsteht. Diese amoralische und sittenwidrige Anmaßung ungesetzlicher Maßnahmen durch einen deutschen Minister, der im Übrigen durch sein Gouverneurs-Mandat beim ESM verfassungswidrig handelt, ist ein krimineller Akt sondergleichen. (Weiter auf Seite 2)

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10 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel. Sie reden klar und deutlich Tacheles und treffen damit fachlich fundiert ins Schwarze.

  2. hat das besetzte deutschland die möglichkeiten aus dem vorletztem absatz? wohl kaum, weil vor lauter glück niemand die konditionen zur wiedervereinigung verstanden hat. bei nichtgefallen europäischer politik würden die usa sofort einen richtigen krieg vor unserer tür vom zaun brechen, siehe ukraine. der deutsche bundestag sollte froh darüber sein, dass tsipras ein lehrstück gegen unterdrückung und zur demokratisierung europas zur aufführung bringt - sonst wird nämlich wirklich finster von lissabon bis athen.

  3. Danke für diesen Beitrag, wobei ich mich immer frage: "Wenn geschrieben werden darf, dass deutsche Minister kriminell handeln, kümmert das niemanden? Gibt es da keine Gesetze, die so etwas verhindern? Wer klagt denn diese mal endlich an?"
    Es darf doch nicht wahr sein, dass hier mit Not, Armut und Tod gespielt wird und niemand muss dafür Verantwortung tragen. Das wäre dann doch Diktatur und nicht mehr Demokratie - wobei letztere ja sowieso schon ziemlich ausgehebelt wird.

    • gemäß Deutschem politischem Grundaufbau gehöhrt die Judikative zu Exekutive, d.h. ist ihr unterstellt (http://www.gewaltenteilung.de/). Die Legisltive wird über die Maulkorbverpflichtungen in den Koalitionen auch von der Exekutive (hier Regierung) korrumpiert. Kein Staatsanwalt beißt die in fütternde Hand PUNKT

      Und natürlich haben wir keinen Rechtsstaat, eher einen rechten …

  4. Die Griechen haben es selbst in der Hand. Einfach die Schulden nicht mehr bedienen. Dann kann man sie zwar verklagen, aber mittels militärischer Gewalt wird wohl niemand das Geld bei ihnen eintreiben. Es wird ihnen aber auch niemand mehr Geld leihen (über mehrere Jahre) und das wollen sie aber auch nicht haben. Das Geld der Ausländer soll natürlich weiterhin fließen. Und da liegt nun das Dilemma. Sie können nicht beides haben. Auch ein Schuldenschnitt wird daran nichts ändern.

  5. Selten soviel BullShit auf einer Fläche gelesen. Außer heiße Luft nix gelernt, und ganz sicher nicht Betriebswirtschaft. PS: ich mach jetzt den Baumversteher und schreibe einen Blog.

    • @Geier Sturzflug

      Besten Dank für Ihren konstruktiven Beitrag und Ihre klugen Alternativ-Gedanken.

      Übrigens wäre mir neu, dass die im Artikel beschriebenen Probleme etwas mit Betriebswirtschaftslehre zu tun haben könnten.
      Ich hatte vielmehr immer gemeint, es ginge dabei mehr um Volkswirtschaftslehre.

      Vielleicht klären Sie die Besucher dieses Magazins gelegentlich auf?
      Wir sind immer lernbegierig!
      Dank schon mal im Voraus!

      Und als "Baumversteher" (Ihre Selbstbezeichnung!) sollten Sie sich womöglich tatsächlich besser in einer Baumschule engagieren ??? Maximalen Erfolg dort!

      • Da der Begriff "Volkswirtschaftslehre" gefallen ist, möchte ich anmerken, dass es nach meinen Erkenntnisgewinnen keine Volkswirtschaft gibt, bzw. jemals gegeben hat. Es ist das Spiel mit den Begrifflichkeiten, welches uns vormacht, im Glauben von etwas zu sein, was in der Tat in sein Gegenteil verkehrt wurde. Ebenso hält sich dies mit der vorgetäuschten Demokratie und dem Glauben, dass Regierungen die Interessen des Volkes wahrnehmen. Alles eine Simulation, nur um die BürgerInnen besser über den Tisch ziehen zu können, wobei wir stets das Gefühl der Freiheit behalten sollen. Aber es ist eben nur das medienvermittelte Gefühl, niemals die Freiheit selbst, welche gelebt werden kann und darf. Auch über das sogenannte Völkerrecht darf man sich Gedanken machen, wenn tausende Soldatenstiefel einer imperialen Macht diese permanent in den Dreck tritt und danach uns erklärt, was Völkerrecht ist.

  6. Betrachtet man die Machenschaften im Schattenbankenbereich, des Hochfrequenzhandels und des CDS so dürfte es sich um ein gegenseitiges Halsabschneiden zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung handeln, teilweise festgehalten und illustriert von Gary Larson in seiner 'The Far Side Gallery'!

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