Und wieder wird der mündige Bürger aufgerufen, namenlosen Kandidaten mit wohlklingenden Namen seine Stimme zu geben, damit diese nicht tun, was er wollen würde, und tun, was er nicht will. Diesmal im beschaulichen Hamburg und die Lobpreisungen der Parteien, die von den Plakaten den Bürger beeindrucken sollen, beeindrucken diesen schon längst nicht mehr.

Von Marcel Grasnick

Da fordert eine nicht näher zu bezeichnende christliche Partei, deren Vorsitzende zur Zeit sich Mühe gibt, den diplomatischen Schein zu wahren, mehr Sicherheit. Nur mehr Sicherheit. In welchem Kontext genau, würde wohl ein Blick in das Wahlprogramm verraten, den man sich allerdings sparen kann. Der mündige Bürger möchte doch eher mehr Sicherheit um vor dieser Partei geschützt zu werden.

Die nächste Gruppierung fordert mehr grüne Lebensweisen und möchte den Klimawandel stoppen. Viel Spaß möchte man rufen. Das Klima wandelt sich auch ohne den Menschen, das Klima wandelt sich auch mit dem Menschen. Im Kopfkino läuft dazu der Film, wie die Anhänger und Mitglieder dieser Gruppe mit hoch gehaltenen Schildern vorm Klimawandel stehen, um diesen aufzuhalten. Der zieht unbeeindruckt weiter. Ein kleiner Schritt für einen Menschen… Da reicht nur ein Mensch nicht aus, da müssten alle mitmarschieren. Aber solange die Gier herrscht wird wohl eher der Klimawandel in vollem Galopp davon preschen und die verdutzten grünen Menschen stehen lassen.

Schon lacht da ein Gesicht vom nächsten Plakat und verspricht mehr soziale Gerechtigkeit. Moment mal, gehört dieser Mensch nicht zu der Vereinigung, die anno dazumal die soziale Gerechtigkeit mitgeholfen hat abzuschaffen? War das nicht diese Gruppierung, die Hartz 4 und diverse andere Reformen ins Leben gerufen hat, die den Bürgern das Leben schwer machen? Sozial ist ja ein so dehnbares Wort. Und in dem Fall überdehnt.

Und dann gibt es noch die abstrusen Ideen mit dem öffentlichen Nahverkehr für Lau. So sprach das kleine Schildchen, ganz abseits. Ja gerne, doch da kommt schon die Realität mit dem Vorschlaghammer und prügelt die Gedanken auch schon wieder aus dem Kopf. Unmöglich umzusetzen. Wer würde das schon bezahlen? Die überschuldete Stadt, der überschuldete Staat? Wenn die weiter keine Probleme haben. Aber der Ansatz war gut. Der Beste bisher.

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Ferner schon steht es da Links, das nächste Plakat. Alle Flüchtlinge aufnehmen oder so ähnlich. Ja was denn nun noch? Wir lassen doch schon alle rein. Und mittlerweile wird doch dagegen protestiert. Oder möchten die Wähler derjenigen ihre Wohnung als Auffangbecken zur Verfügung stellen?

Und schlussendlich gibt es da noch, die schon lange nicht mehr mitreden dürfen, es aber unbedingt wollen und so ein schickes neues Logo haben. Toll. Sieht irgendwie wie das Alte aus – nichtssagend. Aber zu sagen haben sie irgendwie auch nichts. Nagut, passt zu dem Plakat und zu den fröhlichen Gesichtern darauf. Wer fröhlich ist, hat nichts zu sagen. Sagt man doch, oder? Ob die noch so fröhlich sind, wenn das nächste Ergebnis der Wahl feststeht?

Daneben sind die Rebellen, die alles anders machen wollen. Und sich nicht einmal einig darüber sind, wie sie zusammen arbeiten. Dabei zeigen sie ja schon Alternativen, aber ob die wirklich die Alternative sind? Gibt es denn noch eine Alternative zu der Alternative? Man könnte ja alternativ…

Ja, es gibt eine Wahl zu der Wahl. Nämlich die Wahl, die Wahl eine Wahl sein zu lassen und sich nicht daran zu beteiligen. Im Moment verdient keines der vielen Plakate diese Stimme. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber diese kann man sich auch sparen. Dieses Mal. Was interessiert schon der Stimme der nächste Bürgermeister? Die Verträge sind gemacht und das Geld in den Sand gesetzt. Da kann auch eine Wahl nichts daran ändern. So schnell nicht. Aber die Stimme, die schreit dafür umso lauter.

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2 thoughts on “Bürgerschaftswahl in Hamburg: Habe ich eine Wahl?”

  1. Na ja, die Plakate der AfD kann der Verfasser wohl nicht gemeint haben – die sind von der sog. „Antifa“ fast vollständig zerstört worden. Dies muß ja einen Grund haben, also: Nichtwählen zementiert die Hamburger Zustände, der Alternative sollte man schon aus strategischen Gründen eine Chance geben…

  2. Pff, die AfD… Ich war anfangs skeptisch/interessiert, jetzt fühle ich mich vor allem desillusioniert. Die Spitze uneins, mischt sogar bei den EU-Neocons mit, als könnten die so irgendwas ändern, nee, das is alles nich (mehr) ernstgemeint.

    Des Pudels Kern steckt hier doch im System selbst, den vollkommen undemokratisch strukturierten Parteien. Wie soll jemand Demokratie verbreiten, der selbst nach innen totalitär ist? Stichwort Parteikonsens. Da ist die Idee schon antidemokratisch, und wenn schon der Samen anti ist, wie soll dann die Pflanze mal pro werden?

    Ich erwarte von keiner Partei mehr irgendwas, bisher haben sie sich letztlich doch immer ihren ureigenen Interessen unterworfen und den Willen der Bürger ignoriert, verkauft und verhöhnt.

    Die Bürger müssen ihre Politik selbst machen, statt sie andere machen zu lassen. Aber nicht gleich auf Bundesebene anfangen, sondern kommunal, ganz klein, in der Nachbarschaft. Bottom-up, wie man im Neu-Sprech sagt, und die meisten werden plötzlich erkennen, dass wir die Politiker gar nicht brauchen.

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