Daran wird auch der Mindestlohn kaum etwas ändern: 3,1 Millionen Menschen in Deutschland verdienen trotz Arbeit so wenig, dass sie als arm gelten. Dies berichtet die "Saarbrücker Zeitung" unter Berufung auf eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts. Von 2008 auf 2013 ist dies ein Plus von 25 Prozent.

Von Marco Maier

Diese Zahlen muss man erst einmal verdauen: 379.000 der Erwerbstätigen 2013 ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlen; 417.000 verzichteten auf angemessenes Heizen; rund 538.000 sparten beim Essen, indem sie nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich nahmen; für rund jeden zweiten Betroffenen war der Statistik zufolge schon ein einwöchiger Urlaub im Jahr nicht bezahlbar und fast 600.000 Betroffene hätten sich kein eigenes Auto leisten können. Und das in einem Land, welches innerhalb der Europäischen Union als Vorzeigemodell gilt.

Armut ist längst kein Alleinstellungsmerkmal von Arbeitslosen oder Hartz-4-Beziehern mehr, wie man an den Zahlen deutlich erkennt. Selbst der seit 1. Januar gültige Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wird daran nicht wirklich etwas ändern können. Einerseits gibt es zu viele Ausnahmen und Übergangsregelungen, andererseits ist selbst dieser Stundenlohn bei einer Vollzeitbeschäftigung nicht wirklich lukrativ. Von den 1.470 Euro brutto bleiben bei der Steuerklasse I ohne Freibeträge gerade einmal noch etwa 1.070 Euro übrig. Vielerorts reicht dies gerade einmal für die Miete und das Auto.

Wenn man bedenkt, dass die derzeitige Armutsschwelle bei 979 Euro Einkommen inklusive Sozialtransfers wie Wohn- und Kindergeld im Monat liegt, ist das kein großer Sprung. Insbesondere auch deshalb, weil dieser Wert keine Rücksicht auf die regionalen Gegebenheiten nimmt. In den ländlichen Gegenden Mecklenburg-Vorpommerns oder Sachsen-Anhalts wird man damit eher über die Runden kommen als in den pulsierenden Wirtschaftszentren Baden-Württembergs oder Bayerns. Insofern können selbst jene Erwerbstätigen, die eigentlich über ein vergleichsweise gutes Einkommen verfügen in manchen Gegenden schon zur finanziellen Unterschicht zählen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2013 gar 16,2 Millionen Menschen – das sind 20,3 Prozent der Bevölkerung – von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Mit dazu beigetragen hat auch die von den letzten Bundesregierungen via Hartz-4-Aufstockung forcierte Billiglohnwirtschaft, in der prekäre Arbeitsverhältnisse staatlich subventioniert wurden und immer noch werden.

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2 KOMMENTARE

  1. Jawoll, zigMillionen für Flüchtlinge rausballern während der doofe Michel nen Tritt in den Auspuff kriegt. Ob der Geldorf jetzt auch für uns singt   ?

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