Beim Anblick dessen was in jüngster Zeit in und mit Amerika geschieht, kommt mir immer wieder eine Szene aus dem Film Bonnie & Clyde in den Sinn. Da wird der 'Held' des Films, Clyde Barrow, gefragt, was sie beide denn so machen. Und er antwortet in frappierender Offenheit und mit breitem Lachen: "Wir rauben Banken aus!"

Von Wilfried Michalski

So könnten auch heute einige Amerikaner, die Frage, was sie denn eigentlich betreiben, damit beantworten: „Wir rauben Staaten aus!“ Das ist noch ein 'Tick mehr' als Banken. Aber es geht auch. Mit den richtigen Strukturen und Netzwerken kann man auch ganze Staaten ausrauben. Nicht nur Kapitalvermehrung mit dem Revolver und „Hände hoch“ in die Bank, um dann mit reichlich Lalü-Lala das Weite zu suchen, nein, das geht auch umfassender und sozusagen gemütlicher, zivilisierter und gediegener – und im 'Staats-Maßstab'.

Amerika, so ist wohl kaum noch zu übersehen, wird seit Jahrzehnten von einigen Leuten, agierend über eine interessenverbundene Politik und Presse von innen ausgeraubt. Dies geschieht insbesondere über eine massivst und in zentralste Staatsposition gebrachte Militärmaschine. Eine Maschine, die in ihrer Gefährlichkeit für die Freiheit und Unversehrtheit der Bürger bereits in der bekannten Abschiedsrede von Eisenhower am 17.Jan. 1961 eindeutig und dringlichst benannt wurde, als er vom "militärisch-industriellen Komplex" und dessen Begehrlichkeiten im Rahmen "fehlgeleiteter Kräfte" sprach.

Die Begehrlichkeiten des 'Komplexes' und ihre Erfüllung durch staatliche Rüstungsaufträge haben sich in den letzten Jahrzehnten in einem Ausmaß in die reale Wirtschaft Amerikas ausgebreitet, dass man heute eigentlich gar nicht mehr vom „militärisch-industriellen Komplex“ sprechen sollte, sondern vom 'industriell-militärischen'. Diese Umkehrung in der Begriffs-Reihenfolge ist zur Aktualisierung der realpolitischen Verhältnisse unumgänglich! Denn dort ist längst eine ganze gewaltige Umpolung in der 'Befehlskette' vorgenommen worden. Nicht mehr die Politik definiert die Ziele und Aktivitäten des Staates, sondern die "Industrie" sagt dem Staat wo es 'lang geht' – und wo die nächsten Interessenwahrungen, Ressourcensicherungen, Nachschubwege etc. militärisch zu bewerkstelligen sind!

Selbstverständlich gab es immer schon die unheilvollsten Verschränkungen von Kapital und Macht, Eroberungs- und Rüstungsinteressen etc. Aber in unseren Tagen hat das noch einmal eine ganz andere Qualität angenommen und birgt Gefahren in sich, wie sie die Welt tatsächlich noch nie gesehen hat. Heute stehen wir vor ganz neuen 'Formaten' dieser "Industrie". Und einer massiven Ausweitung ihrer 'Wirkungskreise'!

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Das zeigt in erschreckendem Maße gerade Amerika. Denn dort ist man auf sehr gefährlichen Wegen unterwegs eine ziemlich dumpfe Variante des "Amerikanischen Jahrhunderts" zu installieren. Wenn Dumpfheit als strategische Grundlage genügt und man auf eine durch militärische Mittel flankierte 'Weltgestaltung durch Unterwerfung' setzt, dann hat ein großes Land zwei Möglichkeiten: Es wird noch größer – oder es wird großartig scheitern!

Das ist noch nicht ganz ausgemacht. Es deutet zwar einiges auf die zweite Variante hin, aber sicher ist das noch nicht. Und es dürften nicht wenige sein, die ausgeprägte Neigung haben auf die 'amerikanische Karte' und die darin enthaltene 'Weltgestaltung' zu setzen. So ist die gesamte EU-Politik mit Sicherheit mit dieser 'Karte' bestückt. Sonst wäre TTIP mit seinen Ergebenheits- und Unterwerfungsklauseln nicht möglich! In der EU ist eindeutig eine europäische Variante der "Vereinigten Staaten" die mehr oder weniger verdeckte Ziellinie. Und ebenso wie die USA konfiguriert sind, soll Europa nicht als Staatenbund, (wie immer wieder 'hochgehalten') sondern als zentralistisch organisierter Bundesstaat mit einer 'Zentralregierung' installiert werden.

Der hier skizzierte Unterschied ist enorm wichtig und sollte von denen die mancherorts so beflissen die EU hochhalten und andere mit dem Verdikt des „Europa-Kritikers“ (und ähnlichem Unsinn) belegen, tunlichst beachtet werden. Denn darum geht es in der Tiefe der Sache! Es geht darum, ob Europa in ähnlicher Weise zentral und sozusagen als 'Eliten-Projekt' gelenkt werden kann, wie es in Amerika bereits der Fall ist?!

Die Anzeichen eines tiefgreifenden Systemwechsels sind auch in Europa im Kontext von 'militärisch-industriell' zu 'industriell-militärisch' unübersehbar. Auch hier wird Rüstung und Krieg immer mehr zur staatssubstituierenden Kraft! Auch hier (namentlich in Deutschland) entwickelt sich in Politik, Wirtschaft und (Assistenz-) Medien eine unheilvolle Neigung zu 'militärischen Engagement – zum Schutze unserer Interessen' etc.

Wenn die Menschen in Europa nicht aufpassen, dann wird das 'Eliten-Modell' der 'Vereinnahmten Staaten von Amerika' in die 'Vereinnahmten Staaten von Europa' erweitert. Die ersten installierten Konflikte des industriell-militärischen Komplexes finden derzeit in der Ukraine (Europa!!) bereits statt. Und das ist nur der 'Vorhof'. Da haben einige noch ganz andere 'Konflikt-Herde' in der Pipeline!

Wie oben bereits gesagt: Es könnte auch sein, dass der 'dumpfe Trieb zur Größe' großartig scheitert. Auch dafür gibt es, erfreulicherweise 'querbeet' durch alle Zivilgesellschaften und in vielschichtigsten Formen, sichtbar positive Zeichen. Überall stehen Bürger auf, die eine solche Politik – die sich buchstäblich unter aller Kanone austobt – nicht will. Die sich nicht vertreten fühlen durch Politiker, die alles andere als eine gedeihliche Zukunft der Bürger im Sinn haben. Da sehr viel und auch sehr gut 'frisch belüfteter' Wind an manchen Ecken und Enden der eingefahrenen Befindlichkeiten zu spüren! Damit haben einige Zentralverwalter aus der Abteilung 'polit-medialer Schlafmohn' sicher nicht gerechnet.

Da sind vor allem die vielen Netzwerke und 'Informationsdienste', die im Geiste einer dringend nötigen 'Gegenöffentlichkeit' wirken, zu nennen. Das alles macht Mut und lässt zumindest hoffen, dass Europa und seine Zivilgesellschaften letztendlich doch nicht zu vereinnahmen sind. Und das breite Lachen beim 'Wir rauben Staaten aus' hier der assoziativen Film-Fiktion überlassen bleiben kann.

Aus der Rede Eisenhowers:

Wir in den Institutionen der Regierung müssen uns vor unbefugtem Einfluss – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.

 

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One thought on “Von den Vereinigten Staaten zu den Vereinnahmten Staaten”

  1. Eurpäisches militärisches Engagement – zu  "unsererem" Interessen. Sehr wohl, aber

    zu welchem unserem eigentlich? Zum Wohl des industriell-militärischen Komplexes

    natürlich. Frei nach dem sprichwort "Die Mutter, das Kind, sind mir egal auch wenn

    sie betteln sind". Und, "Amerika, das ist der direkte Weg von der Barbarei zur

    Dekadenz, ohne Umweg über die Kultur".

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