USA: Millionen gentechnisch veränderter Moskitos sollen freigelassen werden

Florida wird zum Tummelplatz gentechnisch veränderter Moskitos. In einem Experiment wollen britische Forscher mit Hilfe dieser Insekten die Ausbreitung von Denguefieber – auch als Chikungunya bekannt – bekämpfen. Diese Krankheit wird von Moskitos übertragen und könnte angesichts mehrerer Fälle in Mittelamerika so auch im Süden der USA Fuß fassen.

Von Marco Maier

Die USA gelten schon lange als Paradies für Gentechniker. Dass gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut und verzehrt werden, gehört in den Vereinigten Staaten schon längst zur Normalität. Gentech-Konzerne wie Monsanto und Syngenta verdienen sich damit eine goldene Nase. Doch die gezielte Veränderung von Erbmaterial beschränkt sich absolut nicht nur auf die Pflanzenwelt. Nun sollen auch gentechnisch modifizierte Insekten auf die Menschen in Florida losgelassen werden.

"Im wesentlichen wird dies mit Hilfe eines Moskitos als Medikament zur Heilung von Krankheiten benutzt", sagte Michael Doyle als Geschäftsführender Direktor des Florida Keys Moskito Kontroll-Distrikts, welcher auf die Ermöglichung des Experiments durch die "Food and Drug Administration" wartet gegenüber der Nachrichtenagentur AP. "Ich denke, die Wissenschaft ist in Ordnung", ergänzt Phil Lounibos, der die Moskitokontrolle am Florida Medical Entomology Laboratory studiert, "Aber am Thema GVO klebt noch so etwas wie ein heikles Thema für die Öffentlichkeit."

Das mögliche Bedrohungspotential für eine massive Ausbreitung von Krankheiten wie dem Denguefieber spielt hierbei eine große Rolle. "Eine ankommende Person wäre für mehrere Tage infektiös und könnte viele der lokalen Moskitos infizieren", sagte Doyle. "Innerhalb weniger Wochen würden sie wahrscheinlich für jeden Besucher mehrere infizierte Moskitos haben." Eine verherige Immunisierung gegen die Krankheit ist mangels eines Impfstoffs nicht möglich, so dass nur eine Behandlung nach der Infektion möglich ist.

Die Bekämpfung der Moskitos in Florida erweist sich jedoch als schwierig. Das ganze Jahr über versprühen Hubschrauber tonnenweise Insektizide über den belebten Vierteln der Florida Keys. Doch da die Moskitos keinen großen Flugradius haben und meist am selben Ort bleiben, entwickelten diese inzwischen Resistenzen gegenüber vier von den sechs verwendeten den Giften.

Loading...

Nun will Oxitec, ein britisches Biotech-Unternehmen mit gentechnisch veränderten Moskitos gegen die Übertragung der Krankheit vorgehen. Die Firma patentierte ein Verfahren zur Züchtung von Moskitos mit Fragmenten aus dem Herpes-Virus und E. Coli-Bakterien, sowie Genen von Korallen und Kohl. Diese synthetische DNA wurde in tausenden Versuchen an Labortieren getestet, ohne dass diese dadurch geschädigt wurden. Allerdings erwiesen sie sich fatal gegenüber den Insekten, da die Larven der Moskitos getötet wurden bevor sie fliegen oder stechen konnten.

Die Laboranten von Oxitec entfernten manuell die weiblichen Moskitos die Menschen stechen und ließen nur noch die männlichen Mücken übrig, die sich von Nektar ernähren. Die genetisch modifizierten Männchen ließen sie dann mit wilden Weibchen paaren. Als Ergebnis kam es dazu, dass die Nachkommenschaft dieser Paarungen allesamt starben, bevor sie fliegen konnten. In einem Zuchtlabor sorgt Oxitec nun für eine entsprechend große Population an Moskitos, um im Falle einer amtlichen Erlaubnis einen Feldversuch in einem begrenzten Gebiet zu starten.

Schon im Jahr 2012 startet Oxitec ein ähnliches Experiment auf den Cayman Islands, in dem in einem Zeitraum von 6 Monaten insgesamt 3,3 Millionen gentechnisch veränderter Moskitos freigelassen wurden. Das Ergebnis war eine Reduktion der Mücken um ganze 96 Prozent. Ein weiterer Test in Brasilien verlief nach Angaben von Oxitec ebenso erfolgreich. Beide Länder hätten nun Interesse an umfangreicheren Projekten.

Nach Angaben des Gentechnik-Unternehmens sollen lediglich männliche Moskitos freigelassen werden, die keine Menschen stechen. So könne kein gentechnisch verändertes Material direkt in den Blutkreislauf gelangen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass andere Tiere wie Fische, Frösche oder Vögel die Moskitos als Nahrungsquelle betrachten. Über die Nahrungskette ist es deshalb durchaus möglich, dass sich entsprechende Auswirkungen ergeben. Bedenken, die man auch schon hinsichtlich gentechnisch veränderter Pflanzen kennt.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

4 Kommentare

  1. Laut diesem Artikel http://acsh.org/2015/01/genetically-engineered-mosquitoes-added-fight-dengue-chikungunya/

    wurden schon 70 Millionen "Mutantenmücken" ausgesetzt – in Ländern ausserhalb der USA

    "Oxitec has used these mosquitos in other countries – about 70 million of them – and has observed no negative health effects in humans who were bitten by them. "

    "Oxitec hat diese Moskitos in anderen Ländern freigelassen – ca. 70 Millionen von denen – und es wurden keinen negativen Effekte auf Menschen die gebissen wurden verzeichnet"

    Die Viecher fliegen also schon eine ganze Weile rum, wenn man den Angaben des Artikels glauben schenken mag, und sie wurden schon getestet. Virginia/Florida ist hier nur ein "offizieller" Feldversuch.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.