Der zerstörte Bus. Bild: Youtube / EuroNews

"12 Tote und niemand will es gewesen sein!" Yuri, mein ukrainischer Freund, rief mich an und meinte, ich müsse unbedingt auf Euronews schauen. Er war ganz außer sich, hatte eine zittrige Stimme und meinte nur: "Darüber musst du schreiben!" Ich versuche ihn zu beruhigen, doch es war nicht leicht. "Dieser Bus, ich kenne diesen Bus!" "Langsam," sagte ich, "eins nach dem anderem." Während ich also auf Euronews schaltete, erklärte er mir was geschehen war.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Yuri erzählte mir, noch immer mit erregter Stimme und klar besorgt, dass ein Bus in der Ostukraine überfallen wurde. Auf der Straße von Donetzk nach Zlatoustivka, bei dem Ort Volnovakha, wurde ein Linienbus angegriffen und dabei sind 12 Menschen ums Leben gekommen. "Ein alter Schulfreund von mir arbeitet als Busfahrer in der Gegend, vielleicht sogar auf dieser Linie und ich weiß nicht ob er noch am Leben ist." Ich begann Yuris Erregung zu verstehen und fühlte seine Wut, seine Angst. "Es ist mir scheißegal wer das getan hat. Es muss jedenfalls endlich aufhören! Schluss mit dem Blutvergießen!" Tatsächlich geben sich die Regierung und die Separatisten gegenseitig die Schuld am Blutbad. Die Bilder zeigen einen Bus, an dem Spuren von automatischen Waffen zu sehen sind. Die Regierung spricht aber von Grad-Raketen. Das ergibt für mich keinen Sinn.

Zugegeben, es ist nicht immer leicht, die Wahrheit von der Propaganda zu unterscheiden. Die Wahrheit ist schließlich das erste Opfer eines jeden Krieges. Auch habe ich nicht genügend Informationen um sagen zu können, wer diese 12 Menschen getötet hat und warum. Ja, warum? Denn manchmal ist ein ganz anderer Grund die Ursache, als uns im erstem Moment offensichtlich erscheint. Eine persönliche Rache, ein krimineller Hintergrund oder ein Terroranschlag, im  wahrhaftigsten Sinn, um Terror zu verbreiten. Das Abkommen von Minsk, der Waffenstillstand, Verhandlungen um das Morden zu stoppen, ist das Letzte, was manche Interessengruppen  dazu bringt, Benzin ins Feuer zu gießen. Es gibt sogar Fälle, in denen Unterstützter gegnerischer Parteien zusammen arbeiten, um Friedensbemühungen zu  boykottieren. Die Brandstifter die sich im Hintergrund halten und die Fäden ziehen, reiben sich gerade die Hände. Bei dem Gedanken wird es mir übel da ich mir bildlich vorstelle, wie sich Leute das Blut der Opfer von ihren schuldigen Händen waschen. Ob sie für dieses Massaker verantwortlich waren oder nicht, sie werden jedenfalls weiter zündeln und die Friedensbemühungen sind jedenfalls in weite Entfernung gerückt.

Poroschenko, Ukraines Präsident, hat bereits neue Militäraktionen angekündigt. Auch wenn die Regierung in Kiew, von den Rechtsextremen als "zu weich" gegenüber dem "russischen Terroristenpack" bezeichnet, sich offiziell an das Abkommen von Minsk halten will, so ist jedem klar, dass mit "Militäraktionen" eine neue Offensive und damit der Bruch des Minsker Abkommens gemeint ist. Damit hat Kiew dem Druck der Braunen nachgegeben und praktisch den Waffenstillstand gekündigt. Ferner gab Poroschenko noch eine Einschränkung des Transitverkehrs zwischen den von der Regierung und den von den Rebellen kontrollierten Gebieten bekannt. Mir ist dabei noch aufgefallen, dass die Poroschenko die Separatisten als Terroristen bezeichnet hat, was seit Minsk aus diplomatischen Gründen vermieden worden war. Für mich geht die Ukraine in die falsche Richtung. Yuri geht noch weiter. Für Yuri steuert Poroschenko, von den Nazis angeschoben, geradewegs auf einen Krieg mit Russland zu. "Die spielen mit dem Feuer und haben das Gas aufgedreht…"

Auf der anderen Seite haben die ostukrainischen Separatisten die Verantwortung für das Blutbad der Regierung in Kiew angekreidet. Wie bereits erwähnt, haben die Rebellen darauf hingewiesen, dass beim Angriff auf den Bus nur leichte Waffen benutzt wurden und es keine Spuren für den Einsatz von Grad-Raketen gibt. Die Bilder die ich sah, zeigen einen von Gewehrkugeln durchsiebten Bus. Mir war so, als hätte ich einen kleinen Krater gesehen, der aber eher von einer Handgranate stammt. Man kann argumentieren, dass die vielen Löcher in der Flanke des Busses von Granatsplittern stammen könnten. Etwas weit hergeholt, wie ich meine. Doch wie schon meine Oma sagte: "Nichts Genaues weiß man nicht."

Und Putin? Russland fordert eine autonome Untersuchung des Vorfalls. Wladimir Putin kommt ganz ohne Vorverurteilung aus und hat sich bereit erklärt, die neue Krisensituation mit der ukrainischen Regierung zusammen zu besprechen um eine neue Eskalation zu verhindern. Yuri war genauso überrascht wie ich. Er dachte, dass Putins Generäle die Möglichkeit ausnutzen würden, um die Ostukraine ganz offiziell zu besetzen. Soweit würde ich nicht gehen, dennoch hat mich der russische Präsident auch positiv überrascht, indem er die Radikalen seines Landes im Zaum hielt.

Doch die Gefahr für eine Verschlimmerung und eine Ausweitung des Krieges ist ganz real und bereitet mit Sorge. Yuri und Millionen von Ukrainern und Russen bereitet das Szenario hingegen schlaflose Nächte. Für alle die an Gott glauben, bleibt nur noch zu beten.

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here