Rekord-Militärhaushalt – Japan auf US-Wunsch auf Kriegskurs?

Trotz der enormen Schuldenlast beschloss das japanische Parlament eine massive Erhöhung des Militärhaushalts. Dies war der nächste logische Schritt nach der Aufkündigung der pazifistischen Ära des Landes im vergangenen Jahr. Anstatt sich ausschließlich um die militärische Landesverteidigung zu kümmern, will sich Japan zukünftig auch an militärischen Einsätzen beteiligen.

Von Marco Maier

Seit der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg steht das Land – wie die Bundesrepublik – unter der politischen Kontrolle der USA. Jahrzehntelang war die japanische Politik deshalb dazu gezwungen, sich dem Willen des US-Establishments zu unterwerfen. Auch dieser Schritt dürfte dem Willen der US-Strategen entsprechen, nachdem die USA angesichts der massiven militärischen Überdehnung die geopolitischen Ziele ohne umfangreiche Unterstützung der Vasallenstaaten nicht mehr aufrecht erhalten kann. Nicht nur die NATO-Verbündeten sollen nun mehr Kanonenfutter bereitstellen, sondern auch Japan, welches im ostasiatischen Raum eine wichtige geostrategische Rolle spielt.

Seit der Abkehr vom außenpolitischen Pazifismus dürfen die japanischen Streitkräfte den USA und anderen Verbündeten bei einem feindlichen Angriff militärisch beistehen. Mit der Neuinterpretation seiner nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg von den USA auferlegten pazifistischen Verfassung kann Japan in Zukunft in Konflikten an der Seite der USA kämpfen, selbst wenn es nicht direkt angegriffen wird. Die Regierung formulierte dies als Recht auf "kollektive Selbstverteidigung". Die massiven Proteste in der eigenen Bevölkerung sind hierbei irrelevant.

Umso weniger überraschte es, dass die japanische Regierung im Vorjahr die Abkehr von der pazifistischen Linie beschloss. Ebenso folgerichtig erfolgte nun die Erhöhung der Militärausgaben auf 4,98 Billionen Yen (35,6 Milliarden Euro). Japan dürfte sich damit wohl gemeinsam mit Südkorea darauf vorbereiten, als antichinesische Bollwerke zu dienen, zumal die Volksrepublik eindeutig im Visier der Amerikaner liegt. Ohne starke Verbündete in der Region wäre eine militärische Konfrontation der USA mit China eine äußerst gefährliche Sache, so dass man in Washington und Langley verstärkt auf ein Szenario der Stellvertreterkriege setzt.

Lesen Sie auch:  Kreml: Russisch-amerikanische Beziehungen erreichen Tiefpunkt

Gebietsstreitigkeiten zwischen China und Japan im Ostchinesischen Meer sind dabei für die US-Pläne äußerst hilfreich, zumal man so die chinesische Aufmerksamkeit von den USA ablenken kann. Wie schon seit dem Ersten Weltkrieg ist man in Washington bestrebt, keine militärischen Auseinandersetzungen auf dem eigenen Territorium zu führen. Dafür werden umsomehr jene Länder verwüstet, die sich entweder auf die Seite der USA stellen, oder gegen sie. So profitiert neben der Rüstungsindustrie auch die US-Wirtschaft infolge der Wiederaufbaumaßnahmen.

Loading...
Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.