Wie die kapitalismuskritische britische Organisation Oxfam feststellte, wächst die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter an. Ab kommendem Jahr wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des globalen Vermögens besitzen. Nun stellt sich die Frage: was tun?

Von Marco Maier

Noch im Jahr 2009, mitten in der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise konnte das reichste Prozent der Weltbevölkerung etwa 44 Prozent des gesamten Vermögens für sich beanspruchen. Nur 7 Jahre später, im Jahr 2016, werden es erstmals über 50 Prozent sein. Der Umverteilungsprozess von der Masse hin zur Spitze geht nämlich unvermindert weiter, auch wenn es in einigen der ärmsten Länder dieser Welt inzwischen substanzielle Verbesserungen gab, während vor allem in Europa und den USA die Mittelschicht zu den Verlierern gehört.

Wie Oxfam feststellte, lag im Jahr 2014 das Durchschnittsvermögen der reichsten 1 Prozent derzeit bei 2,3 Millionen Euro – etwa 48 Prozent des globalen Vermögens. Die nachfolgenden 19 Prozent der Weltbevölkerung besitzt demnach circa 46 Prozent, während der ganze Rest von 80 Prozent nur rund 5,5 Prozent für sich beanspruchen kann. Betrachtet man sich diese Entwicklung, wächst der Anteil der reichsten 1 Prozent demnach um etwa einen Prozentpunkt pro Jahr.

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Um eine weitere Zunahme der Ungleichheit zu stoppen, fordert Oxfam von den Staaten mehrere Maßnahmen: die Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerflucht; die Besteuerung von Kapital anstelle von Arbeit; die Einführung von Mindestlöhnen sowie die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen. Die Regierungen müssten sich gegen Interessengruppen durchsetzen, "die einer faireren und gedeihlicheren Welt im Wege stehen", forderte Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima, die "das Ausmaß der globalen Ungleichheit" als "erschütternd" bezeichnete.

Mit ein Grund für das Wachstum dieser Kluft ist der Umstand, dass Arbeitseinkommen im Schnitt höher belastet werden als Kapitaleinkommen. So müssen aus den Erwerbseinkommen nicht nur oftmals höhere Steuern bezahlt werden, sondern zudem auch noch in vielen Fällen Sozialabgaben. Als Beispiel: Während Löhne und Gehälter in Österreich voll besteuert werden und dazu noch sozialversicherungspflichtig sind, fallen auf Zinseinnahmen gerade einmal 25 Prozent Kapitalertragssteuer an. Würde man die Zinseinnahmen (abzüglich der Zinskosten für Kredite) bei den Einkommen hinzurechnen und gleich behandeln, sähe die Sache etwas anders aus.

Hinzu kommt der Umstand, dass ein Großteil der globalen Vermögen fiktiv sind. So liegt beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der US-Aktien heute so ungünstig wie schon lange nicht mehr. Das heißt: US-Aktien sind massiv überbewertet, fließen jedoch mit ihrem Buchwert in die Berechnung ein. Ähnlich ist es mit den Preisen für Grundstücke und Immobilien. Dennoch muss die Rendite stimmen, so dass diese fiktiven Bewertungen einen zunehmend steigenden Druck auf die Realwirtschaft ausüben. Sind die Aktien (die Unternehmen) mehr wert, sollte auch die Ausschüttung von Dividenden steigen – wird ein Haus teurer, steigen auch die Mieten.

Angesichts der ohnehin schon sehr hohen Steuer- und Abgabenbelastung in den meisten Industriestaaten wäre eine weitere Anhebung jedoch äußerst kontraproduktiv. Vielmehr müsste man sich im Zuge von Steuerreformen darauf einigen, die Steuerobjekte neu zu bewerten und sämtliche Formen von Einkommen gleich zu behandeln. Ebenso darf es nicht mehr sein, dass multinational agierende Konzerne, sowie Multimillionäre und Milliardäre ihre effektive Steuerlast massiv drücken können, während die kleinen und mittleren Unternehmen, sowie die hart arbeitende Mittelschicht deshalb zu den Melkkühen des Fiskus avancieren.

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