Wachturm des US-Stützpunktes auf Guantanamo Bay. Bild: Flickr / U.S. Army CC-BY 2.0
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Ein ehemaliger Wärter des US-Internierungslagers in Guantanamo, wo angebliche und tatsächliche Terroristen ohne Gerichtsverfahren festgehalten werden, packte aus. Die CIA soll dort drei Problemhäftlinge getötet und dies dann als Dreifach-Suizid getarnt haben. Der Vorwurf zeigt, dass diese staatlich geschützte Mafiaorganisation de facto freie Hand hat, wenn es um "Terroristen" geht.

Von Marco Maier

Wer sadistisch veranlagt ist und mit dem Tod seiner Opfer keine Probleme hat, sollte sich vielleicht überlegen, bei der CIA anzuheuern. Anstatt einer lebenslangen Haft- oder gar der Todesstrafe, gibt es für das Ausleben solcher Neigungen neben einer dauerhaften Anstellung mit gutem Gehalt auch noch eine Krankenversicherung, was ja in den USA längst nicht überall der Fall ist. Selbst vor einer Anklage bei internationalen Gerichtshöfen sind zumindest die CIA-Agenten mit US-Staatsbürgerschaft geschützt, da Washington diese für die eigenen Leute nicht anerkennt.

Gegenüber Vice News erklärte Army Staff Sergeant Joseph Hickman, der zum Zeitpunkt des Todes der drei Gefangenen Dienst als Wärter hatte, dass die offizielle Todesursache (Suizid durch Erhängen) faktisch unmöglich sei. Denn die drei Männer waren seinen Angaben nach alle in einem Zellenblock untergebracht, in dem die Gefangenen alle 4 Minuten von einem Wärter kontrolliert wurden. Dass sich alle Drei zur gleichen Zeit erhängten und dies nicht bemerkt wurde, kann seiner Ansicht nach nicht möglich sein.

Die drei Männer waren Salah Ahmed Al-Salami, 37, aus dem Jemen, Mani Shaman Al-Utaybi, 30, aus Saudi-Arabien und Yasser Talal Al-Zahrani, 22, auch aus Saudi-Arabien. Keiner dieser drei Gefangenen wurde jemals wegen eines Verbrechens angeklagt, sondern von den US-Behörden direkt nach Guantanamo verfrachtet. Sie galten als aufsäßig, weil sie immer wieder in den Hungerstreik traten und andere Häftlinge dazu veranlassten, es ihnen gleich zu tun. Nach dem Tod der drei Männer fanden die Hungerstreiks ein jähes Ende. Niemand wollte offenbar so enden wie diese Männer.

Für die CIA-Teams waren die Hungerstreiks nämlich ein Ärgernis. Denn es galt die Regel, dass jene Häftlinge die sich im Hungerstreik befanden, nicht "befragt" werden dürfen. Bei etwa 200 solcher "Befragungen" pro Woche sorgten die ständigen Hungerstreiks für eine massive Einschränkung der CIA-Verhöre, so dass dem Treiben unbedingt ein Ende gesetzt werden musste. Zumindest ist das die naheliegendste Erklärung für die Ermordung der Männer.

"Alle drei hätten ihre Hände und Füße zusammenbinden, einen Lumpen in den Rachen stecken, eine Maske über das Gesicht ziehen, eine Schlinge machen und diese von der Decke auf der Seite des Zellenblocks hängen, sowie gleichzeitig in die Schlinge springen müssen um sich aufzuhängen", sagte Hickman. Doch bei einer Inspektion nur wenige Stunden vorher wurde nichts gefunden, was sie für diese Tat hätten verwenden können: weder Lumpen, noch Schnürsenkel noch Schlingen.

Über die Ereignisse schrieb Hickman ein Buch, welches "Murder in Camp Delta" (Mord in Camp Delta) heißt. Darin benennt er jedoch die mutmaßlichen Mörder nicht, da er dies nicht beweisen kann – er hofft jedoch darauf, dass durch dieses Buch endlich Untersuchungen in diesem Fall angestoßen werden. Auch wenn man davon ausgehen muss, dass den Verantwortlichen wohl ohnehin kein Haar gekrümmt wird. Denn "die Firma" kümmert sich im Normalfall um ihre Mitarbeiter. Egal was sie auch angestellt haben.

3 KOMMENTARE

  1. Entsetzt und überrascht ist deswegen niemand weil die USA bereits Jahrzehnte lang, weltweit Menschen ermordet und das täglich! Ein Mord ist nicht nur dann ein Mord wenn die US Medien darüber berichten.

    • @ Tesla

      Sehr richtig! Nur, es ist gut, wenn diese Freveltaten rechtlich durch Dokumente oder durch Zeugen nachgewiesen werden können. Es macht einen Unterschied, ob solche Taten bekannt oder ob sie bewiesen werden können.

  2. Beim Lesen bekommt man Wut u. empfindet Abscheu, dass solche Verbrechen durch  CIA-Agenten möglich sind. Wirklich verwundert bin ich aber nicht darüber. Zu bedauern ist nur ganz entschieden, dass die Verantwortlichen CIA / USA dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Dieses Verbrechen der CIA "getarnte Dreifach-Suizid" (eingesetzt von USA) ist m.E. genauso zu verurteilen wie ein Terrorakt, bei dem Menschen zu Tode kommen. Beides ist VERACHTENSWERT gehört angeklagt u. bestraft!

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