Paix - Frieden. Charlie Hebdo Demonstration. Bild: Flickr / Emilien Etienne CC-BY 2.0

Ein Aufschrei geht um die Welt. Je suis Charlie! Ganz nach dem Motto der Friedensnobelpreisträgerin von 2014 die sagte: "Ich bin Malala Yousafzai." Ein Satz, welcher sich ebenfalls gegen Gewalt aus religiösen Gründen richtet. Es ist ein weiterer Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit und dadurch auf die Grundwerte unserer Gesellschaft. In Porto findet jedes Jahr ein Karikaturenwettbewerb, Porto Cartoon, statt. Georges Wolinski, eines der Opfer des Massakers, war nicht nur Mitglied der Jury, sondern auch ein guter Freund der Karikaturisten aus Porto. Für die Portugiesen war es ein besonders heftiger Schlag. Denn hier ist die Pressefreiheit seit 40 Jahren heilig.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Frankreich durchlebt eine Zeit des Terrors und die Welt ist geschockt. Wie oft müssen wir noch so etwas durchleben? Wir müssen über die Gründe reflektieren! Eine Integration findet nicht statt. Die Armut in der Dritten Welt ist Schuld, Israel, die Juden, die Amerikaner, die Islamisierung, die NATO… So heißt es nun beinahe überall.

Viel wurde geschrieben, geredet, öffentlich gemacht oder geheim gehalten. Der Terror wurde mit Polizei bekämpft. Die Geheimdienste haben sich eingeschaltet und schließlich haben die Militärs ihren Willen bekommen. Die Antwort ließ nicht auf sich warten. Doch die Gründe für jedwede Gewalt sind letztlich immer die Gleichen. Die Gier nach Geld und Macht. Eigentlich ist es die Gier nach Geld um sich damit Macht zu kaufen! Die Religion ist nicht wirklich ein Grund, denn man kann – auch in einer ehemaligen Kolonialmacht – in Harmonie miteinander leben. Portugal könnte ein Modell sein, zumindest in diesem Fall.

Nach dieser Woche wird die Welt nie wieder so sein wie sie war. Nach dem Attentat auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt und – vor allem – nach den weltweiten Demonstrationen am Sonntag, wo die Menschen gezeigt haben, dass sie Vieles nicht weiter hinnehmen wollen. Es war ein NEIN zum Terror, aber auch ein klares NEIN zu blindem Aktionismus, Populismus und auch ein NEIN zu jeglicher Gewalt, sei es aus rassistischen, antisemitischen, religiösen, politischen Gründen, oder jeglicher anderer extremistischer Auswüchse. Aber haben die fast 50 Staats- und Regierungschefs, Botschafter und Außenminister, die Repräsentanten der EU und der OECD verstanden, dass Millionen auf die Straße gingen um einen neuen Weg zu fordern?

Kein schließen der Grenzen, kein Überwachungsstaat, keine Todesstrafe und keine Duldung von Folter! Die meisten Menschen wollen nicht, dass unsere Militärs, Geheimdienste oder Polizei, genauso brutal und menschenverachtend agieren wie die Islamisten. Jede Drohne die "Kollateralschäden" verursacht, das heißt, Zivilisten tötet oder verletzt und ihre Häuser und ihre Habe in Schutt und Asche legt, bringt dem Islamischen Staat, den Taliban, der al-Quaida und anderen Organisationen neue Rekruten und neuen Auftrieb. Auch wenn es sich um menschliche Schutzschilder handelt, bleiben Frauen und Kinder doch nur Opfer, die an diesem Konflikt keine Schuld tragen. Wenn man in den Krieg zieht, muss man bereit sein Soldaten in den Tod zu schicken. Denn was ist feiger? Die Terroranschläge in Paris oder Luftangriffe mit Drohnen und Kampfflugzeugen, die Millionen oder gar Milliarden Dollar kosten und aus sicherer Entfernung den Tod von Frauen und Kindern in Kauf nehmen? Beides ist feige und muss unbedingt ein Ende finden! Das ist zumindest die Utopie von Millionen Menschen aus allen Herren Länder.

Ich habe ja bereits über die besondere Beziehung der Portugiesen zur Presse berichtet. Für die meisten Portugiesen die demonstriert haben oder sich in den sozialen Netzwerken äußerten, war nicht nur die Meinungsfreiheit im Visier der Terroristen, sondern eher unser gesamtes liberales Wertesystem und unsere Weltanschauung. Teilweise wird beanstandet, dass es nicht richtig sei, gewisse Provokationen zu veröffentlichen, doch diese Leute sagen natürlich auch, dass die Reaktion auf eine Beleidigung niemals Mord rechtfertigt und dass man in einem Rechtsstaat vor Gericht geht, wenn man es denn für so schlimm hält.

Da es sich um Franzosen handelt, die in Frankreich aufgewachsen sind, kannten sie die rechtsstaatlichen Mittel. Aber diese Meinung ist recht naiv. Weniger naiv sind die, die einer der vielen verschiedenen Verschwörungstheorien glauben schenken oder zumindest als Möglichkeit nicht ausschließen. Doch finden diese Theorien keinen großen Anklang da die Leute der Meinung sind, dass nur fanatisierte Extremisten so handeln können. Jedenfalls ist es die allgemeine Überzeugung, dass der Anschlag selber das Werk von "einsamen Wölfen" ist, die eine klare al-Quaida-Ausbildung haben.

Wenn überhaupt, dann ist die Vorgehensweise der französischen Sicherheitskräfte und der Geheimdienste fragwürdig. Hinterfragt wird auch der Aufmarsch der Mächtigen dieser Welt, die sich auf einmal so sehr für die Presse- und Meinungsfreiheit einsetzen. Dabei wird die Presse von ihnen sonst so oft unter Druck gesetzt, kritisiert, bekämpft, verklagt oder noch schlimmer unter Druck gesetzt. Oftmals wird die Presse auch einfach nur gekauft, mit Teil- oder Fehlinformationen gefüttert und immer benutzt, wenn es zugelassen wird. Mahmud Abbas, Benjamin Netanjahu, aber auch Portugals Premierminister, Pedro Passos Coelho und seine Minister oder Angela Merkel und ihre Regierungsmitglieder, sind gewiss keine Freunde der Presse und genau wie das restliche Politikervolk sehen sie die Presse am liebsten als Wahlkampfhelfer. Obwohl das eigentlich eher bezahlte Schmierfinken sind, die sich nur allzu gerne kaufen lassen und dafür die Werte des modernen Journalismus missachten. Wir beim Contra-Magazin folgen auf der Suche nach der Wahrheit nur unserem Herzen. Und das ist nicht nur so ein leerer Spruch. Wir beanspruchen nicht im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein da es diese nicht gibt. Doch wir schreiben, was unserer Meinung nach richtig ist. Es ist unsere Deontologie!

Ob jetzt der Anschlag eine False-Flag Aktion war oder nicht. Ob die Politikprominenz heuchelt oder wirklich gewillt ist die Pressefreiheit zu schützen (ja, na klar doch!), ist im Grunde ganz egal. Sicher ist, dass die Menschen ein Umdenken fordern. Nicht nur im Kampf gegen den Terror. Die Leute fordern eine unabhängige Politik und Justiz. Eine kostenlose und unpolitische Bildung und ein Gesundheitssystem, das für alle da ist. Mit anderen Worten, eine gerechtere Gesellschaft. Denn das alles ist Charlie! Leider sehen wir schon, wie schon so oft, dass populistische Maßnahmen getroffen werden, wie das Aussetzen des Schengener Abkommens.

David Cameron bekommt endlich seinen Überwachungsstaat. Marine Le Pen und andere rechtsextreme Parteien und Bewegungen schreien: "Wir haben es gewusst!", obwohl sie nur all zu gerne mit dem Iran, der Hamas und anderen islamisch-konservativen Staaten und organisationen zusammengearbeitet haben um das verhasste Israel zu bekämpfen. Die Euroskeptiker und Isolationisten sind auch im Aufwind, weil sie die Grenzen dicht machen wollen. Die Militärs dürfen noch mehr junge Menschen in einen Krieg schicken und auch "sensible Einrichtungen" werden bald vom Militär bewacht. Ich kann mich noch erinnern, als auf der Iberischen Halbinsel an jeder Ecke Soldaten standen, die Straßen patrouillierten und man aufpassen musste, dass man nicht von einem Panzer überrollt wird. Ich fühlte mich nicht sicher. Ich hatte Angst, auch wenn ich nur ein Kind war, vor den Männern mit den Maschinenpistolen. Ich möchte diese Zeit nicht noch einmal erleben. Genauso wenig wie die große Mehrheit der Menschen.

Denn ich kämpfe für meine Werte.
Ich bin Charlie.

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2 KOMMENTARE

    • Das hat aber nichts mit dem Krieg zu tun. Auch wenn sich die Mächtigen jetzt alle "Chalie" nennen, sind sie doch nur Schleimer. Es geht mir um die freie Meinungsäusserung. Wenn ich Polizeigewalt schreibe, den Krieg in der Ukraine oder Korruption, darf ich nicht darüber nachdenken, wem ich auf die Füsse trete oder wer  mir dafür einen Orden verleiht. Schon gar nicht, werde ich mich vor Kalaschnikovs und Bombengürtel fürchten. Denn dann gäbe es kein Contra-Magazin, Bürgerstimme, Alpenkurrier …

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