Chinas Griff nach Lateinamerika – Die USA zunehmend in der Defensive

Lange Zeit galt der gesamte amerikanische Kontinent quasi alleinige Interessensphäre der USA. Die sogenannte Monroe-Doktrin trug dazu bei. Doch mit dem erstarkenden außenpolitischen Bewusstseins Chinas und den politischen Veränderungen in den süd- und mittelamerikanischen Staaten beginnt sich das zunehmend zu ändern. Das Interesse der Chinesen an Investitionen ist groß.

Von Marco Maier

Der Bau des prestigeträchigen Nicaraguakanals, der eine gewichtige Alternative zum Panamakanal darstellen soll, ist nur eines von vielen chinesischen Projekten auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Längst schon arbeitet Peking mit diversen lateinamerikanischen Regierungen zusammen, um so einerseits die chinesische Industrie zu stärken, und andererseits auch ein größeres diplomatisches Gewicht zu erhalten. Die USA werden somit immer weiter aus dem Geschäft gedrängt.

Dabei haben sich die USA in den letzten Jahrzehnten stark in der Region engagiert. Ob es nun Putsche gegen unliebsame Regierungen waren, oder eben via sogenannter "Freihandelsabkommen" die Ausbeutung der ganzen Länder – an US-Einmischung mangelte es all die Zeit bestimmt nicht. Umso weniger verwunderlich ist es, dass sich die Vertreter vieler lateinamerikanischer Staaten durch eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China eine größere Unabhängigkeit von den USA versprechen. Immerhin mischt sich Peking nicht in die innenpolitischen Angelegenheiten anderen Staaten ein.

Lateinamerika gilt als Zukunftsmarkt. Derzeit befindet sich die Wirtschaft dieser Länder zwar noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, doch das Wachstumspotential ist enorm. Die Bevölkerung verzeichnet in vielen dieser Länder ein gesundes Wachstum, es etabliert sich zunehmend eine kaufkräftige Mittelschicht und die Zeiten der blutigen Putsche gehört fast überall der Vergangenheit an. Linke und Rechte scheinen gelernt zu haben, dass Dispute besser verbal ausgetragen werden sollten, anstatt das eigene Land in Schutt und Asche zu legen.

Anfang Januar lud Chinas Präsident, Xi jinping, Vertreter der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (CELAC) nach Peking ein. Bei den Gesprächen ging es um chinesische Investitionen in Höhe von 250 Milliarden Dollar während der nächsten 10 Jahre. Für diese Staaten ist dies eine enorme Summe, die vielerorts zu einer deutlichen wirtschaftlichen Verbesserung führen können. Immerhin will das Reich der Mitte vor allem in die Infrastruktur und den Energiesektor investieren. Beides Bereiche, in denen diese Länder ein hohes Entwicklungspotential besitzen.

Loading...

Längerfristig können durch die wirtschaftliche Kooperation der lateinamerikanischen Staaten mit China auf jeden Fall neue und wichtige Impulse gesetzt werden, von denen schlussendlich beide Seiten profitieren. Andererseits geraten die USA dadurch immer weiter in die Defensive, zumal nun chinesische Unternehmen neue Projekte verwirklichen und nicht US-amerikanische. Aber so ist es nun einmal mit der politischen Emanzipation von Staaten, die lange Zeit nur als Einflusszone betrachtet wurden und kaum Respekt erhielten.

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.