Die Lajes Air Base auf Terceira, die auch von der NATO genutzt wird.

Die USA geben Portugal eine "monumentale Ohrfeige". Der US-Stützpunkt auf den Azoren reduziert massiv das Personal. Barak Obama hatte erst kurz vor Weihnachten den Azoren ein "Geschenk" gemacht und die seit langem geplante Reduzierung des Personals, als weiteren Schritt in Richtung endgültige Schließung, aufgeschoben. Eine Gruppe von Portugal freundlich gesinnten Abgeordneten hatte die Administration Obama dazu gebracht einen Bericht abzuwarten, bevor diese eine Entscheidung trifft. Jetzt wurde ein negativer Beschluss getroffen und auf der Azoreninsel Terceira geht die Angst um. Die Bewohner der Azoren sind von den USA abhängig und fühlen sich nun verraten und fallen gelassen. Portugal fühlt sich geohrfeigt.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Auf der Azoreninsel  Terceira liegt der Luftwaffenstützpunkt "Base Aérea das Lajes" (BA4). Die Einrichtung in dem Städtchen Lajes, Gemeinde Praia da Vitoria, wurde 1944 an die USA verpachtet und gewann nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend an Relevanz. Nach Beendigung des Kalten Krieges begann der schrittweise Rückzug der US-Truppen. Der Golfkrieg und andere Konflikte haben die Schließung des Stützpunkts immer wieder verschoben. Jetzt wird der Pachtvertrag zwar noch nicht gekündigt, aber die Reduzierung des Personals ist massiv. Bis zum Herbst will das US Militär die portugiesischen Zivilangestellten von 900 auf 400 und die amerikanischen Militärs und zivilen Mitarbeiter von 650 auf 165 Personen reduzieren. Es handelt sich also um 500 Einheimische, sowie fast 400 US-Bürger, mit denen weitere 500 Familienangehörige die Insel verlassen werden.

Der "National Defense Authorization Act for the Fiscal Year 2015" wurde von beiden Kammern des amerikanischen Kongresses bereits im Dezember abgesegnet. Eine endgültige Entscheidung wurde jedoch von einem Sachbericht abhängig gemacht, der von einigen Abgeordneten beantragt wurde, die Kontakte zu Portugal und zur portugiesischen Gemeinde in den USA haben, oder deren Wurzeln in Portugal, meist auf den Azoren, liegen. Fragt man sich doch was aus den Menschen wird, die unseren "Volkszertretern" nicht sonderlich am Herzen liegen. Denn nicht nur die Amerikaner treten diese Menschen mit Füßen, sondern auch die Regierung in Lissabon hat kein großes Interesse an den Verhandlungen gezeigt und wird daher stark kritisiert.

Die Arbeitnehmerkommission CRT gab bekannt, dass das Frührentenprogramm für die große Mehrheit der Angestellten, welche die USA entlassen wollen, nicht ausreichend sein wird. "Demnach, kann man das nicht als Lösung für diesen Prozess sehen. Es könnte höchstens eines der Mittel sein die mithelfen könnten, die tragischen Auswirkungen abzuschwächen die zu erwarten sind", hob Bruno Nogueira, der Präsident der CRT hervor, nachdem er von einem treffen mit Vasco Cordeiro, dem Präsident der Autonomen Region der Azoren, kam. "Es sind ja viele Mitarbeiter die noch zu jung sind um in Rente zu gehen". Das Problem ist aber viel größer. Die gesamte Stadt, ja sogar die ganze Insel, ist 1944 aus einem Dämmerzustand erwacht, als die USA einen Stützpunkt in der strategisch wichtigen Lage errichtete. 70 Jahre lang, hat sich die Lokalwirtschaft rund um den Stützpunkt aufgebaut und die Bewohner der Insel sind unwiderruflich mit den USA und denen, die dort ihren Dienst verrichten oder verrichtet haben, verknüpft.

Wenn geopolitische Strategen auf dem Schachbrett der Weltgeschichte die Figuren umstellen und die großen Interessengruppen den König des Gegners unter Druck setzen, dann wird schon mal der eine oder andere Bauer geopfert. Einst hatten die Azoren das Statut eines Läufers, der in Diagonalen schnell mal das gesamte Schachbrett abdeckte. Doch diese Figuren, wie auch die Springer, Türme oder gar die Dame, wurden in Richtung Osten verlegt um eine aggressive Taktik zu unterstützen. Der Leser fragt sich vielleicht, wieso ich jetzt von Schach rede? Nun ja, es ist doch ganz einfach: Für die NATO, China, Russland – oder für wen auch immer – ist das Ganze nur ein Spiel in dem die Soldaten, Offiziere und Zivilisten nach belieben hin und her geschoben oder schlimmer noch, geopfert werden können. Genau das passiert gerade mit den Menschen auf den Azoren. Sie werden geopfert, sind das klassische Bauernopfer.

Loading...

Aber haben die Azoren nicht viel mehr zu bieten als den Status einer Kolonie der US-Airforce zu bekleiden? Sollten sie nicht froh sein, nicht mehr der NATO zu dienen und damit eine riesige Zielscheibe auf der Insel gemalt zu haben? Jahrzehnte lang stand der Stützpunkt auf der Liste für einen atomaren Gegenschlag und jetzt hat die NATO zwar mehr Feinde, aber die Gefahren haben sich geändert. Wie der Zwischenstopp von Taliban und anderen "Feinden der Freien Welt", die einen kleinen Folterstopp auf den Azoren einlegten, bevor sie nach Guantanamo kamen, der die Islamisten erstmals Drohungen auch gegen Portugal aussprechen ließ. Also "Ami-Go-Home" und in den Dämmerzustand alter Zeiten zurückfallen, oder doch alles daran setzen, dass der große Ernährer der gesamten Inselgruppe bleibt? Weder noch. Es gibt eine Alternative.

Investitionen im großem Stil in dem Amerika, die EU, die NATO und die Regierung in Lissabon ihrer Verantwortung gerecht werden und an die Menschen denken, die sie zu schützen geschworen haben. Der Tourismus mit Whalewatching, Tauchen, Wandern und die einzigartige Fauna und Flora der Atlantikinsel erkunden. Aber auch die Landwirtschaft, Fischerei, Milchwirtschaft, transformierende Industrien können angesiedelt oder modernisiert werden. Das wichtigste aber, ist ja die Infrastruktur, die der Friedenswirtschaft angepasst werden muss. Der Flughafen, der Hafen und eine kleine Stadt werden leer stehen. Klar dass die Immobilienpreise in den Keller gehen, was aber Menschen aus aller Welt anlocken kann. Schon hat China Interesse angemeldet und es wurde gleich von "unverantwortlicher Erpressung" geredet, als hätte die sozialistische Regionalregierung vor, einen chinesischen Militärstützpunkt mitten im Atlantik zuzulassen. Das ist Populismus vom Feinsten. Typisch Passos Coelho, Paulo Portas und deren "Verkäufer", die kein Problem damit haben, Medienkonzerne wie die Portugal Telecom an eine französische Heuschrecke zu verkaufen, oder an Angolaner die nicht wissen was Meinungsfreiheit ist. Auch sind die Chinesen gut genug für den einstigen Energiemonopolisten EDP oder, wie man munkelt, für einen 50-jährigen Pachtvertrag für einen Großteil der Wasserwerke.

Doch wichtig ist einzig, dass die Bevölkerung der Ilha Terceira eine Zukunft haben. Eine Nachhaltige Zukunft wünscht sich auch Bruno Nogueira, der Präsident der CRT und der Präsident der Autonomen Region der Azoren, Vasco Cordeiro. Aber vor allem die fast 4.000 Menschen,die voraussichtlich arbeitslos werden,wenn nichts dagegen getan wird. Auch der Vorsitzende der Partido Socialista, António Costa, verlangt eine Lösung und dass die USA kräftig zur Kasse gebeten werden. Hauptsache, die PS vergisst nach den Wahlen nicht wieder, die Gelder für die Menschen vor Ort einzusetzen.

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: redaktion@contra-magazin.com nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

5 KOMMENTARE

  1. Soweit ja auch richtig. Andererseits wird immer bemängelt, dass die USA zuviele stützpunkte hat. Nun wird einer zumindest dezimiert und das ist auch wieder falsch. Mal als Gedankensprung zwischenan. 

    Noch shclimmer ist es aber zu wissen,w ie sehr die Wirtschaft und die Menschen in der Umgebung der US-Militärbasen sich damit schon abgefunden haben bzw. wie sehr diese teilweise integriert sind und man abhängig von denen ist. Nun heisst es für die Portugiesen, andere Möglichkeiten des Überlebens zu suchen. Und das lässt nur den Schluß einer Auswanderung zu.

  2. Danke für den Tipp. Ich überlege, eine große Finca auf der Insel zu kaufen. Am besten irgendwo im Landersinneren zwischen Angra do Heroísmo und Praia da Vitória. Wenn die Yankies erst raus und der Flughafen rezivilisiert ist, kommen bestimmt scharenweise Touristen aus Ost und West, um vom günstigen Euro zu profitieren und die herrliche Landschaft zu genießen!

  3. Vieleicht wäre es für Portugal ein aussichtsreicherer Weg, die NATO zu verlassen  und den Chinesen oder Russen Pachtverträge für Militärstützpunkte anzubieten. Im Falle der Azoren wäre damit ein Übergreifen eines militärischen Konflikts auf nordamerikanisches Territorium ein durchaus realistisches Szenario und damit ein Faktor, der die expansionistischen Bestrebungen der NATO in Osteuropa und darüber hinaus ein weing ausbremsen könnte.

    • Na ja, So weit möchte ich aus vielen Gründen nicht gehen. Das letzte was wir brauchen ist die Mentalität des Kalten Krieges. Das gleichgewicht des Schreckens, hat uns öffter an den Rand der totalen Vernichtung gebracht, als bekannt wurde. Für ein kleines Land wie Portugal wäre die Neutralität das Richtige. Aber was wichtiger ist, ist ein Umdenken in Sachen nutzen der NATO und anderer Bündnisse. Wie fast immer, ist die Instituition nicht das Problem, weil als Verteidigungsbündnis brauchbar, sondern der Missbrauch als Privatarmee einiger Banker und Investmentbanker, die "Boersianer" (nicht nur die grossen, die kleinen profitiren auch am Leid der Armen), kurzum, auch wenn es abgedroschen klingt, des Kapitals… Die wollen Ölquellen, – unsere jungen Männer und Frauen opfern ihre Gesundheit und ihr Leben… Gas, Gold, Seltene Erden? Überall klebt Blut dran. Menschen sind Arbeitslos, damit sie nur in der Armee eine Zukunft sehen… Aber die Welt wird nicht besser wenn wir statt den Blauen, die Roten oder die Gelben unterstützen. Peace, auch wenns naiv klingt

      • Sie haben natürlich Recht; auch ich würde mir nicht wünschen, das überkommene imperiale Machtstrukturen durch neue ersetzt werden und erst recht wünsche ich keinen Krieg, weder in Europa noch in Nordamerika. Mit meinem Beitrag versuchte ich nur daran zu erinnern, dass der Friede nicht zuletzt durch ein Gleichgewicht der Kräfte gewahrt wird und dass im Fall des derzeit aktuellen, im Hintergrund von den USA aus gesteuerten Vorgängen in der Ukraine, aber auch in weiteren Soviet-Nachfolgestaaten, eine militärpolitisch abschreckende  Einrichtung nahe des eigenen Territoriums sicherlich mäßigend wirken würde.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here