Alexej Nawalny. Bild: Wikimedia / Alexey Yushenkov CC BY-SA 3.0

Das Urteil in der Anklage gegen den Kreml-Kritiker Alexei Nawalny wurde schon heute verkündet. Ursprünglich war der Richterspruch für den 15. Januar angekündigt worden, woraufhin Nawalny für diesen Tag eine Protestveranstaltung plante, die nun jedoch ebenfalls auf heute verlegt wurde. Die Medien verbreiten indessen eine Reuters-Meldung, in der seine Hinwendung zum Nationalismus und Chauvinismus unterschlagen wird.

Von Marco Maier

Ursprünglich war die Urteilsverkündung für den 15. Januar geplant. Doch angesichts der Vorbereitungen für eine ungenehmigte Massenkundgebung in der Nähe des Kremls wurde dies auf heute vorverlegt. Die Staatsanwaltschaft verlangte die Verhängung von 10 Jahren Haft, Alexei und sein Bruder Oleg wurden wegen Diebstahls jedoch deutlich milder verurteilt. Alexei erhielt eine dreieinhalbjährige Bewährungsstrafe, Oleg muss den selben Zeitraum in Lagerhaft abbüßen.

Alexei Nawalny, der im Falle seiner Bestrebungen der Aufdeckung von Korruption durchaus Erfolge vorweisen konnte, soll gemeinsam mit seinem Bruder selbst Gelder veruntreut haben. Er selbst wirft der Justiz vor, dass diese politisch motiviert handeln würde, weil er ein bekennender Kritiker des Kremls sei. Dies wird auch in den deutschen Medien entsprechend aufgegriffen. Für Spiegel, Bild & Co zählt einfach nur die Feindschaft Nawalnys zum Kreml.

Verschwiegen wird hingegen, dass sich Nawalny seit wenigen Jahren zunehmend dem radikalen Nationalismus zuwendet und offen gegen die Kaukasier und andere Völkerschaften hetzt. 2011 war er im Organisationskomitee des "Russischen Marsches" und rief auch im Jahr 2013 zu nationalistischen Aufmärschen auf. Offenbar ist dies für die deutschen Medien – wie beispielsweise Spiegel Online – keine Zeile wert. Wozu auch? Immerhin will man den Deutschen ja demonstrieren, wie ungerecht angeblich die russische Justiz sei. Da würde eine Schlagzeile wie "Rechtsextremer Kreml-Kritiker wegen Diebstahls verurteilt" eben nicht passen.

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Wenn man sich gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin stellt, braucht man sich um die politische Gesinnung scheinbar nicht zu sorgen. Das Wohlwollen der westlichen Massenmedien und ausreichende finanzielle Mittel aus Europa und den USA sind dann gesichert. Gilt man als "Putin-Versteher", dann wird – wie im Fall des deutschen Ex-Kanzlers Schmidt – hingegen nichts unversucht gelassen, um diese Personen hinblicklich der Vergangenheit zu diskreditieren. In diesem Fall ist es scheinbar nebensächlich, ob man sich selbst zum Besseren gewendet hat oder nicht. Die Vergangenheit ist damit wichtiger als die Gegenwart.

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2 KOMMENTARE

  1. Was hätten unsere Qualitätsmedien wohl geschrieben wenn Marc Dutroux in Russland gelebt hätte? Wahrscheinlich "Aktivist für Kinderrechte von Putin vor Gericht gezerrt! Im Gegensatz zu russischen Waisenhäusern kümmert er sich intensiv um Kinder in Russland.".

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